Kardinal Raymond Burke
Raymond Burke

11.11.2014

Burkes Abschied vom Vatikan "Schon lange gekriselt"

Der Papst hat jetzt seinen Chefjuristen, Kardinal Raymond Burke, abgesetzt. Burke soll den Papst massiv und wiederholt kritisiert haben. Jörg Bremer, Rom-Korrespondent der FAZ, erklärt im domradio.de-Interview die Hintergründe.

domradio.de: Der Vatikan gab den Abschied von Raymond Burke bekannt. Das klingt jetzt nicht sehr selbstbestimmt, denn normalerweise gibt man so etwas selber bekannt. Warum ist er nicht mehr im Amt?

Bremer: Sie kennen ja die Kürze der Mitteilung, mit denen der Vatikan solche Personalentscheidungen des Heiligen Vaters bekannt gibt. Sie sind kurz und knapp und sie werden nicht kommentiert. Und deswegen gibt es dann alle Möglichkeiten für Journalisten, sich einen Reim daraus zu machen.

In diesem Fall müssen wir zu Kenntnis nehmen, dass es um Burke schon sehr lange gekriselt hat. Er wurde nicht mehr in die Kongregationen von Papst Franziskus aufgenommen, in die er bisher durch den emeritierten Papst Benedikt gewesen war. Und so sank sein Einfluss eigentlich schon seit dem Moment, ab dem Franziskus Papst geworden ist. Ich nehme deshalb auch an, dass der Abschied des Papstes von Burke sich schon sehr lange angekündigt hat. Diese Geschichte jetzt - also die Kritik von Burke an dem Verhalten des Papstes  - hat dann aber zu einem richtigen Zerwürfnis geführt.

Denn man kann nicht sagen, dass der Papst nicht offen für Debatten gewesen wäre. Es gibt ja viele Leute, die die Familienpolitik, die die Synode vorgeschlagen hat, in Mehrheit kritisieren - die also nicht für eine Öffnung sind. Ich denke da an den Bischof von Bologna, Caffarra, der auch ein Kritiker jeder Öffnung ist. Und dennoch hat der Papst ihn in die Synode berufen. Es geht also nicht um die Kritik an sich, sondern um die Art der Kritik, die mutmaßlich dem Papst nicht mehr gefallen hat.

domradio.de: Wir sprechen von mutmaßlich. Und das muss man wohl auch auf die Kritik selber beziehen, zumindest wenn man den Worten von Kardinal Burke Glauben schenken mag. Er sagt, er hätte den Papst nicht kritisiert. Was hat er denn nun wirklich gesagt und wie musste man das verstehen, was er da gesagt hat?

Bremer: Er hat aus meiner Sicht in vielen Interviews - während der Synode aber auch davor - deutlich gemacht, dass es ihm mehr um die Lehre geht, an dem Festhalten an dem Heiligen Sakrament der Ehe, als um die Möglichkeit einer Pastoral, die damit barmherzig oder offener damit umgeht, als es bisher der Fall war.

In diesem Zusammenhang steht zum Beispiel schon vor der Synode die Veröffentlichung eines Buches von fünf Kardinälen, wo auch Burke einen wesentlichen Anteil hatte. Das war bereits ein Schritt dieses Buch. Der Papst soll den Eindruck gehabt haben, dass dies ein Affront gegenüber ihm selbst gewesen ist.

Und dann kam hinzu, dass während der Synode Burke immer deutlicher machte, dass er einen Einspruch des Papstes verlange. Der Papst müsse nun endlich seine Führungsrolle wahrnehmen und dass, was aus der Kurie und der Synode heraus berichtet wurde, sei total einseitig. Die Mehrheit sei doch schließlich bei der Lehre und nicht bei der Pastoral. Und da kam vieles zusammen, was womöglich zum Schluss, in dem Schritt des Papstes geendet hat.

domradio.de: Bei der kürzlichen Vorbereitungssynode zur eigentlichen großen Familiensynode im kommenden Jahr ist es also nochmal richtig entbrannt. Die Meinungen wurden von Raymond Burke in einem Ton öffentlich gemacht, der für nicht angemessen gehalten wird. Aber könnte ein Papst so etwas nicht auch einfach aushalten anstatt einen Kardinal direkt des Amtes zu entheben?

Bremer: Ich denke, dem Papst geht es wirklich um eine offene Debatte. Er hat ja auch Kritiker in der Synode zugelassen – im Gegenteil: Er hat sie eigens eingeladen, obwohl sie offiziell gar nicht bei dieser außerplanmäßigen Synode dabei gewesen wären. Aber er will jetzt keine Endergebnisse. Er möchte nicht, dass er selbst in die Rolle gedrängt wird, dass er ein Machtwort sprechen muss. Und das ist das, was Burke von ihm wollte. Burke wollte ein Ende der Debatte. Er hatte von einem überflüssigen Diskurs, von überflüssigen demokratischen Verhandlungen gesprochen als sei die Synode ein Parlament und das hat dem Papst nicht gefallen. Aber das ist ja nur die Spitze des Eisbergs.

Das Gespräch führte Daniel Hauser.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Weder domradio.de noch das Erzbistum Köln machen sich Äußerungen der Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen zu Eigen.

(DR)

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