11.12.2013

Über die mediale Ausstrahlung des Papstes "Er ist sehr erfrischend, überzeugend und glaubwürdig"

Michaela Pilters, Redaktionsleiterin der ZDF-Redaktion Kirche und Leben, ordnet im domradio.de-Interview die Rolle der Medien in Lehrschreiben “Evangelii gaudium“ von Papst Franziskus ein. Was macht die mediale Anziehungskraft des Papstes aus?

domradio.de: Frau Pilters, seit dem 13. März ist Jorge Mario Bergoglio Papst Franziskus. Wie erleben Sie, als erfahrene Redakteurin seine Ausstrahlung?

Pilters: Das ist sehr erfrischend, es ist überzeugend, glaubwürdig. Und die Medien, aber vor allem auch die Menschen, reagieren darauf, dass da ein Papst ist, der anders ist, als man das bisher gewohnt ist. Und alles was anders ist, macht natürlich neugierig.

domradio.de: Was macht sonst seine Anziehungskraft aus? Ist es nur das Anderssein oder hat er auch eine besondere Ausstrahlung als Mensch?

Pilters: Ja natürlich. Er ist glaubwürdig, er ist einfach - das ist etwas, was für die Menschen sehr wichtig ist – und er hat eine Sprache, die die Menschen verstehen. Man merkt es auch an diesem Schreiben "Evangelii gaudium". Das liest sich deutlich flüssiger als alle bisherigen päpstlichen Verlautbarungen, die man so kennt und das ist interessant.

domradio.de: Ist es denn nur die Sprache, die diese Texte auch so interessant machen? Versteht man ihn einfach leichter, als zum Beispiel seinen Vorgänger Benedikt oder steckt in dem Ganzen auch immer die Hoffnung von Veränderungen in Rom?

Pilters: Ja natürlich. Es geht ja auch um die Inhalte. Und wenn ein Papst einen Satz sagt, wie "Diese Wirtschaft tötet", das hätte man in anderen Verlautbarungen in dieser Zuspitzung nie gelesen. Und natürlich provoziert das auch, das fordert zu Diskussionen heraus, die ja Franziskus auch will.

domradio.de: Seit der Papstwahl gibt es ein enormes Interesse am Papst, an seinen Ansprachen, an seinen Texten. Wie nehmen Sie das in Ihrem Redaktionsalltag wahr. Nehmen auf einmal päpstliche Themen oder römische Themen wieder größeres Gewicht an?

Pilters: Ich merke es vor allem an den Reaktionen der Kollegen. In den anderen Sendungen ist der Papst interessant. Bei uns in unserer Redaktion natürlich auch. Wir nehmen das wahr, aber im Rahmen unserer Möglichkeiten hat sich die Berichtserstattung da nicht sehr viel verändert. Das ist ja auch unsere Aufgabe. Aber eine Redaktion wie WISO oder die aktuellen Redaktionen - bei Phoenix gibt es einen ganzen Nachmittag, einen Themenblock zum Papst - das finde ich spannend, weil andere Kollegen für ihre Sendungen erkennen, dass da in Rom etwas passiert, was die Zuschauer interessiert.

domradio.de: Wenn Sie jetzt diese Aufmerksamkeit durch das ganze Programm wahrnehmen; Sie arbeiten ja schon seit vielen Jahren mit kirchlichen Themen. Glauben Sie, dass die päpstliche Beliebtheit, die Ausstrahlung von Franziskus, auch andere Vorgänge, wie zum Beispiel die im Bistum Limburg erst haben so richtig kochkochen lassen?

Pilters: Zum Teil. Es ist natürlich ein krasser Gegensatz zwischen der Forderung einer armen Kirche für die Armen, wie wir sie aus Rom hören, und dann einer Kirche in Limburg, die gewaltige Summen ausgibt für einen Bau und nicht für die Armen. Also durch diesen Gegensatz ist natürlich Limburg noch einmal besonders heftig geworden. Aber ich glaube persönlich, dass auch unter Benedikt noch, diese limburger Vorgänge die Menschen in Deutschland empört hätten.

domradio.de: Dann lassen Sie uns noch zum Schluss einen Blick in das Dokument Evangelii gaudium werfen. Der Papst setzt sich auch in dem Schreiben mit den Medien auseinander, wenn auch nur am Rande und dazu auch noch kritisch. Ich zitiere. "In direkter Folge, sind die negativen Aspekte der Medien und Unterhaltungsindustrie eine Gefahr für die traditionellen Werte." Können Sie ihm da zustimmen?

Pilters: Nur bedingt. Also das ist natürlich immer sehr beliebt auf die Medien zu schimpfen und den Medien die Schuld für Entwicklungen zuzuschieben. Man muss auch sehen, dass er sich - zum Beispiel gerade gestern bei der Vollversammlung des Laienrates - wiederum sehr positiv über das digitale Zeitalter und die neuen Möglichkeiten der Verkündigung des Evangeliums im Internet ausgelassen hat. Ich glaube nicht, dass er es auch so schwarz-weiß sieht, wie man es natürlich gerne bei päpstlichen Verlautbarungen sieht. Jeder zieht sich natürlich das raus, an dem er sich besonders reibt oder was ihm besonders gut gefällt.

domradio.de: Papst Franziskus hat schon einige Interviews gegeben, hat jetzt dieses lange Schreiben veröffentlicht, mit vielen Aspekten. Was glauben Sie, wie wird sich das in Zukunft entwickeln? Wird man jetzt irgendwann darauf schauen, dass den ganzen Worten und Ankündigungen auch Taten folgen oder wird erst einmal seine Anziehungskraft bleiben?

Pilters: Nein, es wird natürlich sehr wichtig werden, wie das, was er angestoßen hat, die Impulse, die er gibt dann im Endeffekt auch umgesetzt werden. Und es wird auch nicht ausbleiben, dass dann erste kritische Auseinandersetzungen, dass Enttäuschungen kommen werden. Und es war bisher eigentlich immer so, dass das erste Jahr eines Papstes große Aufmerksamkeit erregt hat und danach hat sich das dann immer eher etwas beigeschliffen. Und er muss natürlich auch Taten folgen lassen.

Das Interview führte Matthias Friebe.

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