27.06.2013

Kaum Chancen für Aussöhnung zwischen Vatikan und Piusbrüdern Ein Vierteljahrhundert Streit

Die Pius-Bruderschaft weihte vor 25 Jahren ohne Roms Billigung Bischöfe - seitdem besteht der Riss zwischen der Bruderschaft und der katholischen Kirche. Mit dem neuen Papst Franziskus wird sich daran wohl so bald nichts ändern.

25 Jahre nach ihrer Abspaltung ist eine Annäherung zwischen der traditionalistischen Priester-Bruderschaft St. Pius X. und der römisch-katholischen Kirche in weite Ferne gerückt. Das hängt vor allem mit der Wahl des Jesuiten Jorge Maria Bergoglio zu Papst Franziskus zusammen. Ein Rückblick: Am 30. Juni 1988 hatte der damalige französische Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-91) vier Priester ohne Genehmigung des Vatikans zu Bischöfen geweiht - und damit den endgültigen Bruch mit Rom provoziert.

Kurz vor dieser unerlaubten Weihe waren Verhandlungen mit Kardinal Joseph Ratzinger, dem damaligen Präfekten der vatikanischen Glaubenskongregation, gescheitert. Der spätere Papst Benedikt XVI. bemühte sich nach seiner Wahl 2005 aktiv um eine Annäherung an die Traditionalisten. Eine Aufwertung der von ihnen einzig anerkannten lateinischen Messe im sogenannten vorkonziliaren Ritus führte 2009 zu erheblichen Verstimmungen mit dem Judentum. Hintergrund dafür ist eine neue Fassung der Karfreitagsfürbitte der wiedereingeführten traditionellen Liturgie. Das Gebet wird als Aufruf zur Bekehrung der Juden zum Christentum interpretiert.

Für eine endgültige Wiedereingliederung der Piusbruderschaft machte der Vatikan bei den Verhandlungen allerdings die Anerkennung grundlegender Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) zur Bedingung. Lefebvre hatte seine Gemeinschaft vor allem aus Protest gegen Neuerungen dieses Reformkonzils gegründet. Vor allem kritisierte er die vom Zweiten Vatikanum ausgehende Anerkennung der Religionsfreiheit sowie den Dialog mit anderen Kirchen und Religionen.

Weltweite Empörung

Weltweite Empörung löste die Aufhebung der Exkommunikation der vor 25 Jahren geweihten vier Traditionalisten-Bischöfe im Jahr 2009 aus. Benedikt wollte damit zur Überwindung des Schismas beitragen. Zuvor war jedoch bekannt geworden, das einer der vier Oberhirten, der Brite Richard Williamson, in einem Interview den Holocaust geleugnet hatte.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte damals eine Klarstellung des Papstes. Daraufhin betonte Benedikt wenig später, dass die "Schoah für alle eine Mahnung gegen das Vergessen, gegen die Leugnung und die Verharmlosung" bleibe.

Auf Ultimaten zur Anerkennung grundlegender Konzilslehren reagierte die Priesterbruderschaft immer wieder mit der Forderung nach weiteren Gesprächen. Im Gegenzug gegen die Bereitschaft der Piusbruderschaft zum Kompromiss bot der Vatikan ihnen nach dem Vorbild der Gemeinschaft Opus Dei sogar den Status einer Personalprälatur des Papstes an, die der Zuständigkeit der Bischöfe entzogen ist. Wenn die Traditionalisten das Reformkonzil anerkennen, könne auch über die Deutung einzelner Lehren diskutiert werden, hieß es.

Erzbischof Müller: Warten auf Antwort der Bruderschaft

Bis zur Berufung des ehemaligen Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller zum Präfekten der Glaubenskongregation im vergangenen Juli schien eine Einigung mehrfach unmittelbar bevorzustehen. Doch Müller war bereits als Bischof wegen seiner harten Haltung im Umgang mit den Traditionalisten bekannt. Seit er mit dem Wechsel in die Glaubenskongregation - und damit als einer der Nachfolger Ratzingers - für den Dialog mit der Piusbruderschaft zuständig war, wurde es still um die Kontakte zwischen dem Vatikan und der ultrakonservativen Vereinigung. In den letzten Tagen betonte Müller, schon vor über einem Jahr habe Rom der Piusbruderschaft ein lehrmäßiges Dokument zur Annahme überstellt, sagte Müller in einem vorab veröffentlichten Interview mit deutschen Bistumszeitungen. Eine offizielle Antwort darauf stehe nach wie vor aus. Bis dahin seien die Mitglieder der Bruderschaft suspendiert und könnten "ihr Priester- und Bischofsamt nicht legitim ausüben".

Die Signale des neuen katholischen Kirchenoberhauptes stehen jedenfalls nicht für eine Annäherung zwischen der Piusbruderschaft und Rom. Franziskus sandte bereits am Abend seiner Wahl zum Papst Grüße an den römischen Oberrabbiner Riccardo Di Segni, was als Ausdruck seiner guten Beziehungen zum Judentum verstanden wurde. Der Forderung des lateinamerikanischen Papstes nach einer Kirche der Armen, die die theologische Nabelschau aufgibt und sich Anders- und Nichtgläubigen öffnet, können die Traditionalisten aufgrund ihres Selbstverständnisses sowieso nur schwer nachkommen.

(epd, KNA)

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