15.04.2013

Der deutsche Vatikan-Diplomat Florian Kolfhaus über sein Treffen mit Papst Franziskus "Einfach und herzlich"

In dieser Woche für die tägliche Auslegung des Evangeliums zuständig: Monsignore Florian Kolfhaus. Im domradio.de-Interview spricht er über seine Arbeit im Päpstlichen Staatssekretariat und seine erste Begegnung mit Papst Franziskus dort.

domradio.de: Am vergangenen Freitag hatten Sie hohen Besuch...

Kolfhaus: Ja, Papst Franziskus kam zu uns ins Staatssekretariat - und ich habe ihm die Hand schütteln können. Er hat jedem die Hand gegeben, egal welche Aufgabe dieser bekleidet.

domradio.de: Wie haben Sie diesen Moment erlebt?

Kolfhaus: Fast wie ein kleines Kind zu Weihnachten war ich aufgeregt. Das war für mich das erste Mal, dem Papst zu begegnen. Es war eine ganz einfache und sehr herzliche Begegnung. Es gab keine großen Worte, der Papst hat allen für unsere Arbeit der vergangenen Wochen und die vielen Überstanden gedankt. Und dann hatte jeder die Möglichkeit, ihm ein kurzes Wort zu sagen. Und er hat noch mal jedem einzeln gedankt.

domradio.de: Was haben Sie ihm gesagt?

Kolfhaus: Ich habe ihm dafür gedankt, dass er sein Pontifikat der Muttergottes in Fatima weihen will, eine sehr schöne Geste, wie ich finde. Die Marienfrömmigkeit, die er schon vom ersten Tag an gezeigt hat, beeindruckt mich sehr.

domradio.de: Sie arbeiten in der zweiten Abteilung des Päpstlichen Staatssekretariates, also im Außenministerium. Was genau sind da Ihre Aufgaben?

Kolfhaus: Das Außenministerium, genauer "Die Abteilung für die Beziehungen zu den Staaten", kümmert sich eben genau darum: die Beziehungen zu anderen Staaten Ich persönlich bin zuständig für internationale Behörden, kümmere mich um die OCZE, die NATO, die Weltgesundheitsorganisation, einige Büros der Vereinten Nationen in Wien.

domradio.de: Mit einem Schwerpunktthema?

Kolfhaus: Ein Schwerpunkt ist, und das hängt mit meiner Arbeit für die OSZE zusammen, die Diskriminierung von Christen in Europa. Es gibt in der OSZE einen eigenen Referenten, der sich genau um dieses Thema kümmert. Und natürlich ist - neben der Religionsfreiheit - für den Heiligen Stuhl die Verteidigung der Menschenrechte ein besonderes Anliegen. Gerade in Europa, das vermutet man vielleicht gar nicht so, wachsen leider Diskriminierung und Intoleranz gegenüber Christen.

domradio.de: Sie sind aber auch Priester - und arbeiten nicht nur am Schreibtisch?

Kolfhaus: Und das ist auch ganz wichtig: Ich bin Diplomat, in erster Linie bin ich aber Priester. Und das heißt neben der täglichen Heiligen Messe habe ich das Glück, in Rom auch pastoral zu arbeiten: als Seelsorger in einer Studentenverbindung, dann kommen Seminaristen zur geistlichen Begleitung zu mir, und immer wieder kann ich Exerzitien predigen. Ein guter Ausgleich zur trockenen Arbeit am Schreibtisch.

Das Gespräch führte Verena Tröster.

(DR)

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