22.03.2013

Papst richtet erste politische Rede an Staatengemeinschaft Armut bekämpfen, Frieden schaffen

Mit Spannung war die erste "politische" Rede des neuen Papstes vor den Diplomaten am Heiligen Stuhl erwartet worden. Mit Nachdruck rief Franziskus die internationale Staatengemeinschaft zum Kampf gegen Armut auf: materielle wie geistliche.

Weiter forderte er am Freitag eindringlich, Frieden zu schaffen und Brücken zu bauen. Dabei setzte sich das neue Kirchenoberhaupt auch für den Dialog mit den anderen Religionen, besonders mit dem Islam ein, aber auch mit den Nichtglaubenden ein. Unter den Renaissancefresken der Sala Regia, der klassischen Vatikanstätte für diplomatische Empfänge, begrüßte ein zum ersten Mal ein wenig müde wirkender Papst Franziskus die Botschafter von 180 Staaten. Er hoffe, auch mit den wenigen Ländern, die noch keine diplomatischen Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl unterhielten, "einen Weg zu beginnen" - ein deutlicher Wink an Länder wie die Volksrepublik China, Nordkorea oder Vietnam, wie Saudi-Arabien und Afghanistan.

Kampf gegen Armut, Einsatz für Frieden und für das Wohl der Menschheit: das seien "gleichsam die Bezugspunkte eines Weges, den mitzugehen ich jedes der Länder, die Sie vertreten, einlade", betonte der Papst in seiner nicht in der Diplomatensprache Französisch, sondern auf Italienisch gehaltenen Rede. "Durch Sie begegne ich Ihren Völkern, und so kann ich in gewissem Sinn jeden Ihrer Mitbürger erreichen", warb Franziskus vor den Diplomaten um die Freundschaft und die Zuneigung der Länder.

Die Begegnung mit den Botschaftern war formal. Sie entsprach dem Protokoll des diplomatischen Parketts, auf dem sich Franziskus offenkundig ebenso sicher bewegt wie bei der spontanen und herzlichen Begegnung im Bad in der Menge. Freilich brachte der neue Pontifex zugleich auch seine persönliche Situation hinein. Er erläuterte den Diplomaten die Motive für die Wahl seines Papstnamens Franziskus - und dessen Einsatz für die Armen, für Frieden, für die Umwelt.

Im weißen Gewand, ohne roten Umhang

Ausdrücklich bezog der argentinische Papst seine Aufgabe als "Brückenbauer" zwischen Gott und den Menschen wie auch zwischen allen Menschen auch auf seine persönliche Herkunft. "Wie Sie wissen, kommt meine Familie aus Italien; und so ist in mir stets dieser Dialog zwischen Orten und Kulturen lebendig, die voneinander entfernt sind: zwischen dem einen und dem anderen Ende der Erde, die heute einander immer näher rücken und voneinander abhängig sind."

Franziskus zeichnete bei seiner ersten Kontaktaufnahme mit den Diplomaten nur einige Eckdaten und Leitkriterien für den politischen Kurs seines Pontifikates. Er äußerte sich nicht zu einzelnen Krisenherden oder Problemzonen, ging weder auf den Nahost-Konflikt noch auf die Weltfinanzkrise oder den Schuldenabbau ein. In vielem knüpfte er direkt an seinen Vorgänger und dessen erste Begegnung mit den Diplomaten am 12. Mai 2005 an. Er setzte ähnliche Akzente, orientierte sich auch am Aufbau. Vor allem aber wiederholte er die Warnung seines Vorgängers vor der "Diktatur des Relativismus», der jeden Menschen «seinen eigenen Maßstab sein lässt". Daraus leitete Franziskus eine Gefährdung des Friedens im Zusammenleben der Menschheit ab.

Die Botschafter kamen zur Papstaudienz in schwarzem Frack. Die Damen waren ebenfalls meist dunkel gekleidet, viele mit schwarzem Kopfschleier. Aber auch bei diesem Empfang zeigte sich der neue Stil: Franziskus erschien im weißen Gewand, ohne roten Umhang. Die Begegnung war freundlich, jedoch schlichter und kürzer als vergleichbare frühere Veranstaltungen.

Johannes Schidelko
(KNA)

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