19.03.2013

Erzbischof Müller: dankbar für Papstwahl "Weg von unserer Euro-Zentriertheit"

Papst Franziskus ist nun offiziell in sein Amt eingeführt - und Erzbischof Ludwig Gerhard Müller in seinem Amt als Präfekt der Glaubenskongregation bestätigt.  Im domradio.de-Interview spricht er erstmals öffentlich über die vergangenen Wochen.

domradio.de: Wie haben Sie den Einführungsgottesdienst erlebt?

Müller: Er war sehr einfach und schlicht, aber trotzdem tiefgehend und fromm. Die Menschen waren innerlich ergriffen, der Heilige Vater hat seine Botschaft ja auch deutlich gemacht: dass alle Menschen in die Liebe Gottes eingeschlossen sind, besonders die Armen und die Kranken. Das wird auch sicherlich die große Botschaft seines Pontifikats sein: dass wir von Europa aus gesehen unseren Blick weiten und alle fünf Kontinent mit ihren je eigenen Problemen in den Blick nehmen; und dass so die Kirche auch ein Bindeglied für die ganze Menschheit ist.

domradio.de: Auch Ihnen liegt die Sorge um die Armen sehr am Herzen...

Müller: Ich bin durch meinen ersten Südamerika-Aufenthalt auf dieses Problem aufmerksam geworden. Es ist etwas anderes, direkten Kontakt mit den Menschen und ihrer Lebenssituation zu haben, als darüber zu lesen oder es im Fernsehen zu sehen. Dann ist es nicht mehr nur ein theoretisch-akademisches Thema, sondern eines, das einen in der pastoralen Sorge und der konkreten Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe tief ergreift. Auch deswegen bin ich froh und dankbar, dass durch die Papstwahl dieser Akzent gesetzt wurde. Ich habe ein Buch herausgegeben, das "Auf der Seite der Armen" heißt. Und genau das ist es, was der Heilige Vater in besonderer Weise in das Gesamtleben der Weltkirche einbringen wird: dass wir unsere Euro-Zentriertheit hinter uns lassen. Und auch die akademische Theologie muss ihren Blick weiten hin auf die Praxis, die konkrete Verkündigung der Liebe Gottes den Menschen gegenüber, die in Not und Elend leben.

domradio.de: Was können die deutschen Christen dazu beitragen?

Müller: Wir haben schon viel getan, wir müssen nicht am Nullpunkt beginnen. Wir haben die großen Hilfswerke, viele Diözesen haben besondere Partnerschaften. Das können wir verstärken. Denn zuletzt sind hier leichte Ermüdungserscheinungen aufgetreten. Jetzt können wir neuen Schwung bekommen und unter der Leitung des Heiligen Vaters in eine bessere Zukunft gehen, in der Gott mitten unter den Menschen wohnt.

domradio.de: Als Präfekt sind Sie nahe am Papst. Worauf freuen Sie sich in der Zusammenarbeit mit Franziskus?

Müller: Als Präfekt ist mir natürlich die Sorge um die Glaubenslehre in besonderer Weise aufgetragen. Unsere Kongregation wurde eingerichtet, um den Heiligen Vater im Lehramt zu unterstützen. Und ich  hoffe, ihm mit meinen theologischen Kenntnissen in seinem universalen Lehramt dienen zu können.

Das Gespräch führte domradio.de-Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen

(DR)