14.03.2013

Vatikanexperte über die Amtseinführung des Papstes Zeremonien und die eigene Note

Am kommenden Dienstag findet die Amtseinführung von Papst Franziskus statt. Eine Million Gläubige werden dazu in Rom erwartet. Wie Franziskus hinter den Kulissen auf die Ereignisse vorbereitet wird, erklärt Vatikanexperte Ulrich Nersinger.

domradio.de: Welche neuen Herausforderungen kommen bis Dienstag auf den neuen Papst zu?

Nersinger: Das wird eine ganze Menge sein. Also er wurde schon gestern mit einer Fülle von Problemen und auch mit Fragen nach bestimmten Verläufen von Zeremonien und Begegnungen konfrontiert. Es läuft jetzt eine Maschinerie ab, die auch für den Papst nicht unbedingt das angenehmste ist. Aber es gilt jetzt gewisse Sachen zu regeln, weil wir ja vor allen Dingen zwei große Ereignisse vor uns haben: Das ist erst einmal die Messe, mit der der Papst öffentlich sein Pontifikat beginnt - eine sogenannte Amtseinführung gibt es ja eigentlich nicht, weil der Papst ja vom Augenblick der Annahme der Wahl schon in alle Rechte eingesetzt ist. Und eine zweite große Feier wird die sogenannte Besitzergreifung des Laterans sein, wenn er von seiner eigentlichen Bischofskirche Besitz ergreift.

domradio.de: Der Papst wird jetzt sofort vor viele Fragen gestellt. Es ging ja gestern schon beim Balkon los, mit dem Einkleiden. Er hat scheinbar seine eigenen Vorstellungen davon, wie er sich als Papst vorstellen möchte. Darf ein Papst zum Beispiel die Zusammenstellung seiner Kleidung selbst wählen?

Nersinger: Ja, er darf alles. Er ist jetzt in seine Rechte eingesetzt und er kann frei entscheiden, wie er es haben möchte. Wir haben das gestern schon sehr deutlich gesehen, dass er schon von Anfang an das Heft in die Hand genommen hat. Er wird sich natürlich an gewisse Traditionen halten, das ist ganz verständlich. Aber er wird alles und jeder Sache, die jetzt geschieht, einen eigenen Charakter aufprägen. Wir haben das gesehen, dass er zum Beispiel heute die Basilika Santa Maria Maggiore aufgesucht hat. Also wir werden da doch sehr viel erleben, auf das wir uns gar nicht so richtig einstellen können.

domradio.de: Wir haben es jetzt schon vielfach gehört: Er ist ein einfacher Mensch, der zum Beispiel kein prunkvolles Apartment in Buenos Aires hatte, sondern in einer einfachen Wohnung gelebt habt und mit Bus und Bahn gefahren ist. Da wird er sich umstellen müssen?

Nersinger: Ich glaube, da wird er vermutlich mit den Gegebenheiten, die er dort vorfindet, einen Kompromiss machen müssen. Aber das ist eben alles, was wir jetzt noch nicht so ganz erahnen können. Wir werden uns einfach in vielen Punkten überraschen lassen. Aber ich glaube der Papst wird irgendeinen Modus finden, in dem er seine eigene Prägung, mit der, die durch die Tradition vorgegeben ist, in Zusammenklang bringt.

domradio.de: Überrascht zeigte sich auch Vatikansprecher Federico Lombardi über die Wahl Bergoglios. Er selbst ist wie der neue Papst nämlich Jesuit. "Jesuiten sehen sich als Diener, nicht als Autoritäten in der Kirche", sagte Lombardi. Spitzen wir mal zu: Widerspricht die Haltung eines Jesuiten diesen prunkvollen Anforderungen am Papstamt?

Nersinger: Ja, es ist eigentlich ein Novum, weil die Jesuiten sich immer als Dienende in der Kirche gesehen haben, die sich dem Papst zu Verfügung stellen wollen. Aber nie als diejenigen, die selber an vorderster Front dieses Dienstamt erfüllen wollten, das so exponiert ist. Und es hat eigentlich auch niemand damit gerechnet, dass es ausgerechnet ein Jesuit wird. Die Jesuiten hat man früher immer so ein bisschen als „Kampftruppe“ der Kirche bezeichnet. Aber dass dann selber ein Jesuit auf den Stuhl des Heiligen Petrus kommt, das haben die meisten oder alle nicht für möglich gehalten.

domradio.de: Um noch einmal darauf zurückgekommen, wie sich der Papst auf die nächsten Schritte vorbereitet. Wie viele Menschen schwirren da um ihn herum, denen er diese Fragen stellen kann, die sich bei ihm jetzt auftuen? 

Nersinger: Sehr sehr viele! Wenn man den vorletzten Passus der Papstwahlverordnung liest, da wird das schon angekündigt. Da heißt es: Sobald der neue Papst die Wahl angenommen hat, können zu ihm vorgelassen werden - und dann kommt schon so eine kleine Liste. Und daran sieht man schon, dass er vom ersten Augenblick seines Pontifikates an, mit all diesen Fragen konfrontiert wird. Es wird der Substitut im Staatssekretariat  - das ist der verantwortliche Prälat, der die inneren Angelegenheiten der Kirche behandelt. Dann kommt der Präfekt des päpstlichen Hauses. Der wird mit dem Papst auch diverse Sachen besprechen müssen. Welche Audienzen stehen an, wie werden die gehalten? Und dann kommen auch relativ praktische Fragen: Wie wird das Wappen aussehen? Gibt es einen Wahlspruch? Wird es Änderungen geben bei der Zeremonie, die wir am Dienstag erleben werden, mit der Messe, mit der das Pontifikat begonnen wird? All das muss relativ schnell geregelt werden und das ist schon eine immense Beanspruchung des Papstes.

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