Papst Franziskus und Martin Schulz
Papst Franziskus und Martin Schulz
Pater Bernd Hagenkord
Pater Bernd Hagenkord

25.11.2014

Radio Vatikan zu Papst-Reden in Straßburg "Der Papst kommt nicht als Mahner, sondern als Ermutiger"

Bislang gab es einen Papst, der vor dem Europaparlament gesprochen hat: Johannes Paul II. Franziskus tut es ihm heute gleich. Genau verfolgen wird die Rede der Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, Pater Bernd Hagenkord.

domradio.de: Johannes Paul II. ging es damals um ein geeintes Europa. Was wird Franziskus heute ansprechen?        

Hagenkord: Genau wissen wir es natürlich noch nicht. Wenn man zusammen zählt, was er bis jetzt angesprochen hat, dann wir das sein: Lampedusa, Flüchtlinge, also die Frage nach der Solidarität unter uns - das ist ja auch eine starke Idee Europas. Er hat häufiger die Jugendarbeitslosigkeit angesprochen. Das ist ja in Europa ein besonders drängendes Thema, gerade zum Beispiel auch in Spanien. Der Kardinalstaatssekretär hat gesagt, es werde auch um Ökologie gehen, um Umweltschutz. Das werden Themen sein, die in einem ganz weiten und geistlich sicherlich auch abgefangenen Umfeld vorkommen werden, weil der Papst ja nicht als Politiker, sondern als Hirte kommt.  

domradio.de: Und was bedeutet das, dass er als Hirte kommt? Wird er den Abgeordneten Tipps mit an die Hand geben oder an ihr Gewissen appellieren?

Hagenkord: Das ist ja jetzt das erste Mal, dass er vor so einem Forum spricht. Deswegen weiß ich nicht genau, wie er das machen wird. Ich nehme aber an - wenn man übersetzt, was er sonst so macht und wie er sonst spricht - dann wird er schon geistlich sprechen. Das wir eine sehr dynamische Sache werden. Er wird anmahnen, dass wir uns bewegen, dass wir etwas aufbrechen müssen. Das sind die Worte, die wir mit ihm in Verbindung bringen. Ich glaube nicht, dass er als Moralprediger kommt, sondern eher als Ermutiger. Ich vermute, dass sein Duktus sein wird: Wir müssen etwas tun, damit Europa wieder die Kraft bekommt, die es mal hatte. Er hat ein paar Mal gesagt, Europa sei müde geworden. Das ist eine klare Aussage. Ich vermute mal, dass er darauf zurückkommen wird.  

domradio.de: Erreicht er durch seine Art, mit der er den Aufbruch symbolisiert, die Politiker besser, als das andere Päpste vor ihm konnten?

Hagenkord: Das muss man nachher die Politiker fragen. Ich glaube schon, dass diese zupackende und direkte Art der Kommunikation vor niemandem Halt macht, auch nicht vor Politikern. Das ist eine Rede. Die wird die Welt nicht retten, aber ich glaube, sie kann Impulse geben. Und wie ich Papst Franziskus kenne, glaube ich, dass da einige Impulse kommen werden.

domradio.de: Und trotzdem gibt es Protest seitens der Linken. Die sehen es nicht so gerne, dass er in Straßburg spricht. Was ist deren Problem?

Hagenkord: Es ist ein bisschen die Frage, was wir in Europa wollen. Es gibt ja die Ansicht: Bleibt mir weg mit Religion, es geht besser ohne. Ich glaube nicht, dass Europa funktioniert, ohne dass wir uns über Religion unterhalten. Das ist ja eine Frage des Erbes. Das ist nun einmal auch Teil unseres Kontinents, das kann man nicht abschneiden. Wenn man das tut, dann verlieren wir uns in Nützlichkeiten und Machbarkeitserwägungen. Das ist gefährlich. Die Linken wollen natürlich erst einmal das Rampenlicht, das ist ja auch ganz pragmatisch. Zweitens wollen sie ihre Thesen auch gleich mit verhandelt sehen. Nämlich, dass es nicht um Religion gehen darf, wenn Politiker sich treffen. Ich glaube nicht, dass der Papst zur Bekehrung aufrufen wird. Ich glaube aber, dass die Tipps, die er geben kann, auch das Angebot mitzuarbeiten, dass das der Politik guttun wird.  

domradio.de: Hast du einen Wunsch? Was sollte am Ende hängenbleiben? 

Hagenkord: Ich hoffe, dass die Dynamik und das Mitnehmen, was er so hat, wenn er spricht, dass er das auch in Straßburg im Europaparlament rüberbringen kann.

(dr)

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