Ein Plakat mit der Aufschrift "Happy Easter in Jerusalem!" (dt. Frohe Ostern in Jerusalem) am 2. April 2021 am Jaffator in Jerusalem.
Ein Plakat mit der Aufschrift "Happy Easter in Jerusalem!" (dt. Frohe Ostern in Jerusalem) am 2. April 2021 am Jaffator in Jerusalem.
Ostervigil in Jerusalem 2020
Ostervigil in Jerusalem 2020

04.04.2021

Heiliglandchristen feiern Ostern unter sich Hungrig nach Leben

Halb voll oder halb leer, mag sich fragen, wer an Ostern auf Jerusalem schaut. Die Stadt ist weit weg von einer Pilgernormalität, aber durch die einheimische katholische Welt ging zu Ostern ein Schauer der Erleichterung.

Mut war das Stichwort, das sich wie ein roter Faden durch die Osterpredigten in Jerusalem zog: Mut, nach vorne zu schauen, das leere Grab zu verlassen, in die Welt zu ziehen und sie mitzugestalten, forderte der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa von seiner Kirche. Trotz zweitem Osterfest unter dem Schatten der Corona-Krise reagierte seine Gemeinde mit Jubel.

Wer konnte, der kam: Mit Palmsonntag kehrte das liturgische Leben in das öffentliche Stadtbild Jerusalems zurück. Vielleicht waren sie nur ein Zehntel der vor der Pandemie üblichen Massen, die über den Ölberg zur Jerusalemer Altstadt zogen. Vielleicht scheiterten nicht nur die traditionell zahlreichen ausländischen Pilgergruppen, sondern selbst die einheimischen Christen aus den palästinensischen Gebieten an den andauernden Covid-19-Schutzmaßnahmen. Doch ein Blick auf ausgelassen singende und tanzende einheimische Christen, Ordensleute, Expats und katholische Arbeitsmigranten zeigte deutlich: Auf diesen Moment hat das katholische Jerusalem gewartet.

Ausnahme am Karfreitag

Auch an Karfreitag kamen sie. Trotz kaltem Wetter und dem ein oder anderen Regentropfen zogen sie über die Via Dolorosa, um an den Leidensweg Jesu bis zum Kreuz zu erinnern. Die Legion an Kreuzen in allen Formen und Größen, die die Jerusalemer Kreuzwegprozession in Vor-Corona-Jahren zu einem Fest für Fotografen machte, blieb aus. Ein schweres Holzkreuz, auf den Schultern der Männer der lateinischen Pfarrei Jerusalems gelagert, blieb. Neben den Franziskanern waren es vor allem die arabischen Christen der Stadt, die durch die engen Gassen zogen. Für einmal gingen ihre Gesänge und Gebete nicht in der Masse der Gäste unter.

Für einmal blieben die Sicherheitsvorkehrungen der israelischen Polizei rund um die heilige Woche in den engen Altstadtgassen entspannt. Für einmal trugen die im Land lebenden Katholiken in der immer wieder eigenartig befremdlichen Re-Inszenierung des Leidens und Sterbens Christi einen hölzernen Jesus in der Grabeskirche zu Grabe, um an eben jener Stelle nur wenige Stunden später seine Auferstehung zu feiern, ohne sich im Festgedränge um ihren Platz behaupten zu müssen.

Die Macht des Virus und der Hunger nach Leben

Eng wurde es am Ende doch: Dann nämlich, als sich in der Osternacht hunderte Gläubige in den Gassen der Altstadt versammelten. Unter Jubel begrüßten sie die Pfadfinder der lateinischen Pfarrei, die, wie es die Lokaltradition will, mit Trommel und Dudelsack das Osterlicht in die Häuser brachten. Jugendliche trugen sich tanzend und singend auf den Schultern. Die Erleichterung über das kleine Stück Festfreude schallte noch lange durch die Nacht.

Ob durch das Fehlen der internationalen katholischen Welt, auf dem Ölberg beim Segen über die Stadt mit einer Kreuzreliquie oder in den verschiedenen Osterbotschaften und -predigten: Die Macht, mit der das unsichtbare Virus das Heilige Land und die Welt seit mehr als einem Jahr beherrscht, blieb sicht- und hörbar. Noch weniger zu übersehen war jedoch der Hunger nach Leben.

Die Stadt für sich

Jerusalem ist an Ostern aus der Virusstarre erwacht und wartet auf die Rückkehr der Pilger. Denn bei aller Osterfreude: Auf das Privileg, die Stadt zu Tagen wie Ostern für sich allein zu haben, würden hier viele gern verzichten.

Die Stadt, sagen sie, und sagen so es die biblischen Propheten, ist berufen, Heimat für alle Völker zu sein. In der Zwischenzeit feiern die Einheimischen das leere Grab - und das Ende der Leere in den Straßen ihrer Stadt.

Andrea Krogmann
(KNA)

Bischöfe im Advent

Mit DOMRADIO.DE durch den Advent: Jeden Tag ein Impuls eines deutschen Bischofs.

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Lieblingsorte im Kölner Dom

Dompropst, Dommusiker, Domlektorin, Domdechant und andere mehr: Sie alle haben uns ihre Lieblingsorte im Kölner Dom verraten.

Tageskalender

Radioprogramm

 08.12.2021
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

  • Mariä Empfängnis: Was feiert die Kirche an diesem Tag?
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Scholz zum Bundeskanzler gewählt
  • Olaf Scholz - erster Kanzler ohne Konfession
  • Omikron - ein Grund zur Sorge?
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Scholz zum Bundeskanzler gewählt
  • Olaf Scholz - erster Kanzler ohne Konfession
  • Omikron - ein Grund zur Sorge?
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

  • Mariä Empfängnis: Was feiert die Kirche an diesem Tag?
  • Olaf Scholz - erster Kanzler ohne Konfession
  • Wichtelpäckchen für eine erzbischöfliche Schule aus Bad Münstereifel
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Himmelklar Podcast

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…