Heilige Maria Magdalena
Heilige Maria Magdalena

16.04.2017

Theologin Bieberstein über die Frauen im Osterevangelium Maria Magdalena - erste Zeugin der Auferstehung

In den schweren Stunden Jesu sind es Frauen, die an seiner Seite bleiben. Sie sind es auch, die als erste erfahren, dass der Herr auferstanden ist. Ein Interview mit der Theologin Sabine Bieberstein über die Rolle der Frauen in der Jesus-Nachfolge.

KNA: Welche Rolle spielt Maria von Magdala in Bezug auf Ostern?

Sabine Bieberstein (Theologin/Eichstätt): Maria von Magdala wird in allen Evangelien im Zusammenhang mit der Kreuzigung Jesu, seinem Begräbnis und der Auffindung des leeren Grabes erwähnt. Daneben werden auch andere Frauennamen genannt. Zwei Evangelisten führen Magdalena als Zeugin für die Erscheinung des Auferstandenen an. Bei Johannes ist sie die einzige Frau, die sich ans Grab begibt und dann auch zur Empfängerin der Botschaft wird, dass Jesus von Nazareth, der Gekreuzigte, nicht mehr unter den Toten ist, sondern lebt.

KNA: Was weiß man über die Frauen, die Jesus folgen?

Bieberstein: Die Evangelien enthalten dazu nicht sehr üppige Informationen, aber Namen. Das Markus-Evangelium erwähnt eine weitere Maria und eine Salome. Diese Frauen, heißt es, seien Jesus bereits in Galiläa nachgefolgt und gehen mit ihm bis nach Jerusalem. Lukas führt noch eine Johanna sowie eine Susanna an und sagt, dass diese wie der Zwölferkreis mit Jesus unterwegs sind.

KNA: Und was fasziniert sie?

Bieberstein: Diese Frauen fühlen sich von Jesu mitreißender Botschaft angesprochen. Die Zuwendung Gottes gerade zu denen, die benachteiligt sind, tut ihnen gut. Sie sehen eine neue Zeit angebrochen, die neues Handeln möglich macht. Vor allem aber schätzen sie, dass Jesu Nachfolge innerhalb einer gleichberechtigten Gemeinschaft passiert.

KNA: Zurück zu Maria Magdalena - was weiß man über ihre Person?

Bieberstein: Sie stammt aus Magdala, einem kleinen Städtchen am See Genezareth, der für Fischfang berühmt war. Dass sie über diesen Ort charakterisiert wird, heißt, dass sie keine Familienbindung hat. Meist werden Frauen über ein männliches Familienmitglied, also "Frau von" oder "Mutter von" oder "Tochter von" definiert. Einzig Lukas bringt ins Spiel, dass Jesus ihr sieben Dämonen ausgetrieben hat. Sicher ist, dass sie sich der Jesusbewegung angeschlossen hat und hier eine wichtige Rolle hatte. Die nächste wichtige Station ist ihre prominente Rolle unter dem Kreuz und eben an Ostern.

KNA: Und all die anderen Geschichten über sie?

Bieberstein: Die sind viel später entstanden. Ganze, historisch nicht fundierte Biografien wurden um Maria Magdalena herumgedichtet. Jede Zeit hatte ihr eigenes Bild von dieser Frau. Weil Lukas auch von einer Sünderin erzählt, wurde sie irgendwann mit dieser identifiziert. Und weil der Inbegriff aller Sünderinnen die Hure ist, wird sie dazu gestempelt. Streng genommen steht das aber nirgends. Es gibt aber auch eine Traditionslinie, die Maria von Magdala als Verkündigerin weiterführt. Sie wird zur "Apostelin der Apostel" und soll Frankreich missioniert haben.

KNA: Warum war sie beim letzten Abendmahl nicht dabei?

Bieberstein: Die Evangelisten legen einfach den Schwerpunkt auf die Zwölf. Markus spricht allerdings zunächst von einer größeren Jüngergruppe. Das lässt Spielraum für Interpretationen. Letztlich sind es aber auch bei ihm die zwölf Jünger. Genauso wie bei Lukas, schon im Hinblick auf seine Apostelgeschichte. Er braucht die Zwölf als Garanten der Kontinuität und Zeugen zwischen der Zeit Jesu und danach.

KNA: Magdalena ist es, die zu Jesu Grab geht, um ihn zu salben. Haben die Frauen eben diese klassisch dienenden Rollen unter den Jesus-Anhängern?

Bieberstein: Ja und nein. Markus schreibt über die Frauen, sie seien Jesu nachgefolgt und hätten ihm gedient. Wenn sie den Leichnam salben wollen, lässt sich das als Freundschafts- und letzter Liebesdienst deuten. Bei Markus ist "Dienen" auch ein Spezialbegriff für die Nachfolge Jesu. Denn dieser legt den Seinen ans Herz: Bei euch soll es nicht so sein wie bei den Herrschenden, sondern ihr sollt einander dienen. Die einzigen, die das realisieren und umsetzen, sind die Frauen. Im Kontext der Ostertradition bedeutet Dienen aber auch, die Botschaft von der Auferstehung Jesu weiterzugeben.

KNA: Magdalena tut laut Lukas genau dies mit den anderen Frauen. Doch die Apostel halten es für Geschwätz. Klassisches Schicksal von Frauen in der Kirche?

Bieberstein (lacht): Lukas ist tatsächlich derjenige, der das so darstellt. Er schildert die Szene und fängt damit sicher auch etwas Typisches ein. Andererseits: Es ist ja auch eine Botschaft, die man nicht gleich glauben kann. Für Lukas ist es deshalb wichtig, dass auch Petrus noch Zeuge der Erscheinung des Auferstandenen wird.

Frauen sind aber, wie belegt ist, in späterer Zeit trotzdem als Lehrerinnen, als Prophetinnen, als Apostelinnen und Missionarinnen tätig. Sie werden gehört, müssen jedoch hartnäckig bleiben und sich ihre Positionen immer wieder erkämpfen. Das gehört offensichtlich dazu, weil es nicht von Anfang an selbstverständlich ist, dass Frauen mit ihren Worten widerstandslos Gehör finden in den christlichen Gemeinden.

Das Interview führte Barbara Just.

(KNA)

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