Syrien - seit zehn Jahren im Bürgerkrieg
Syrien - seit zehn Jahren im Bürgerkrieg

30.06.2020

Caritas International hofft auf Hilfe bei Syrien-Geberkonferenz "Die Syrer haben nichts mehr"

EU- und UNO-Vertreter beraten an diesem Dienstag gemeinsam, wie Millionen Syrer weiter versorgt werden können. Es ist bereits die vierte derartige Konferenz. Bei dem letzten Treffen im März 2019 kamen fast sieben Milliarden Dollar zusammen. 

DOMRADIO.DE: Wie sieht es denn in Syrien aus, was die Corona-Pandemie angeht?

Angela Gärtner (Referentin für Syrien bei Caritas International): Leider überhaupt nicht gut. Syrien ist ja mittlerweile im zehnten Jahr des Krieges. Das heißt, wir haben hier schon gravierende Auswirkungen von einem so langen Krieg.

Und auf diese Kriegsgeschichte kam jetzt noch die Covid-Pandemie dazu. Wir haben im Moment relativ kleine Fallzahlen mit 242 Fällen. Das ist aber darin begründet, dass wir kaum Test-Kapazitäten haben. Am Anfang hatten wir nur in der Hauptstadt Kapazitäten. Das wurde jetzt langsam ein bisschen ausgeweitet. Aber wir müssen einfach davon ausgehen, dass die Situation deutlich schlimmer ist.

Und der Krieg hat natürlich vor allen Dingen auch in der medizinischen Infrastruktur große Schäden hinterlassen. Das heißt, das Land verfügt auch gar nicht über die Möglichkeiten, die Leute medizinisch zu betreuen.

DOMRADIO.DE: Die humanitäre Lage ist also katastrophal. Wie steht es um die Konflikte und Folgen für die Menschen?

Gärtner: Das kann man sich ausrechnen, wenn man im zehnten Jahr des Bürgerkriegs ist. Wir haben 13,2 Millionen Flüchtlinge. Das ist die größte Flüchtlingskrise weltweit. Die Leute sind zum Teil im Land geflohen, zum Teil mehrfach vertrieben worden. Ein großer Teil konnte aber auch in die Nachbarländer fliehen. Nach so einer langen Zeit haben die Leute jegliche private Ressourcen verbraucht. Die haben nichts mehr. Wir haben elf Millionen Menschen, die auf humanitäre Unterstützung zum Überleben angewiesen sind.

DOMRADIO.DE: Aus dem Grund fliehen nach wie vor immer mehr Menschen. Wie ist deren Situation?

Gärtner: Die war schon immer sehr angespannt. Je länger die Krise dauert, umso schwieriger wird es jetzt. Zusätzlich kommt noch eine Wirtschaftskrise in der Region dazu, die jetzt nochmal durch Covid verstärkt wurde.

DOMRADIO.DE: Wie können die Nachbarländer unterstützt werden?

Gärtner: Wir erhoffen uns von der heutigen Konferenz, dass es da zu langfristigen hohen finanziellen Zusagen kommt, weil wir einfach wissen, die Krise hält noch länger an. Die Nachbarländer sind an ihre Grenzen gekommen, genauso wie die Leute in Syrien selbst. Das heißt, wir brauchen finanzielle Zusagen, dass wir die Leute langfristig unterstützen können, dass wir die Nachbarländer, die sich sehr solidarisch verhalten haben, unterstützen können, damit sie weiter für die syrischen Flüchtlinge da sein können.

DOMRADIO.DE: Wie hilft Caritas International?

Gärtner: Wir haben verschiedene Projekte, sowohl in Syrien als auch in den Nachbarländern, wo wir die Leute unterstützen. Zum einen ganz klassisch mit Nahrungsmittelpaketen, Hygienepaketen. Aber ein großer Bereich nimmt auch die psychosoziale Betreuung ein. So viele Kriegsjahre hinterlassen tiefe Spuren, vor allen Dingen bei Kindern. Wir haben eine ganze Generation von Kindern, die außer Krieg nichts kennt. Da wird viel in Bildung investiert, in Zusammenhalt und in Bemühungen, ein neues Familienleben und eine Zukunftsperspektive aufzubauen.

DOMRADIO.DE: Wünschenswert ist, wenn die EU- und UNO-Vertreter heute konkrete Entscheidungen treffen, um Syrien zu helfen. Was wünschen Sie sich von der Konferenz?

Gärtner: Wir wünschen uns ganz klar eine langfristige finanzielle Zusage zur Unterstützung sowohl für die Nachbarländer, für die Flüchtlinge und für das Land selber, dass man eine Perspektive aufbauen kann, weil wir uns alle sicher sind, dass die Krise nicht in naher Zukunft zu Ende ist.

Das Interview führte Katharina Geiger.

(DR)

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