Rettungswesten
Rettungswesten auf der "Lifeline"
Lifeline-Kapitän Claus-Peter Reisch
Lifeline-Kapitän Claus-Peter Reisch
Reinhard Kardinal Marx
Reinhard Kardinal Marx würdigt die "Mission Lifeline"

07.04.2019

Lew-Kopelew-Preis an Seenotretter im Mittelmeer "Sie helfen, wo die meisten lieber wegsehen"

Der Kapitän und die Dresdner Seenotrettungsinitiative "Mission Lifeline" werden mit dem Lew-Kopelew-Preis ausgezeichnet. Für Kardinal Marx ist dieses Engagement unverzichtbar – für die Rettung von Menschenleben, aber auch für das Handeln der Politik.

Der Kapitän Claus-Peter Reisch und die Dresdener Seenotrettungsinitiative "Mission Lifeline" erhalten den Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte. Der Preis ehrt das humanitäre Anliegen der Initiative, auch stellvertretend für viele andere Seenotretter im Mittelmeer, wie das Lew-Kopelew-Forum in Köln mitteilte.

Kardinal Marx würdigt den unermüdlichen Einsatz der Initiative

Der Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx sendete anlässlich der Verleihung des Lew-Kopelew-Preises Grußworte an den Kapitän Claus-Peter Reisch und würdigte die Seenotrettungsinitiative. Marx betonte, dass eine zivilgesellschaftliche Seenotrettung keine politische Lösung für die großen Fragen von Flucht und Migration im Mittelmeerraum sei und sieht ihr Engagement dennoch als unverzichtbar."Gerade in Zeiten, in denen der Wind rauer weht, stehen Sie entschieden für Humanität ein."

Die Initiative und gerade Kapitän Reisch haben sich nicht beirren lassen, so Marx. "Mit großem persönlichen Einsatz helfen sie dort, wo die meisten von uns lieber wegsehen", verdeutlicht Kardinal Marx. Das sei ein konkretes Beispiel für das christliche Handeln und die gelebte Nächstenliebe. Marx erinnert an die erste Reise des Papstes nach Lampedusa im Jahr 2013. Für ihn waren die Fragen des Papstes prägend, "Wer hat geweint über den Tod dieser Brüder und Schwestern? Wer hat geweint um diese Menschen, die im Boot waren?", mit denen er den vielen Ertrunkenen gedacht hatte. Die jetztige Gesellschaft sei eine Gesellschaft, die die Erfahrung des Weines und "Mit-Leidens" vergessen habe. "Die Globalisierung der Gleichgültigkeit hat uns die Fähigkeit zu weinen genommen", stellt Marx fest.

Festrede von Jean Asselborn

Die Festrede hielt Jean Asselborn, Außenminister sowie Minister für Asyl und Immigration des Großherzogtums Luxemburg. "Heute wird hier ein Mann geehrt, dessen Mut ich sehr bewundere", sagte Asselborn laut Redetext. Reischs Wille und Einsatz für Menschen in äußerst schwierigen Gegebenheiten sollten ein Vorbild sein, kein Fall für die Justiz, betonte er mit Blick auf das Gerichtsverfahren, das derzeit auf Malta gegen Reisch läuft. Ihm wird vorgeworfen, das Schiff "Lifeline" fehlerhaft registriert zu haben. Das Urteil soll am 14. Mai fallen.

Asselborn beklagte in seiner Rede, die Europäische Union sei in der Flüchtlingspolitik an ihrem eigenen Anspruch auf Menschlichkeit und Solidarität gescheitert. "Das Retten von Menschen im Meer ist heute in der EU kein oberstes Gebot mehr", sagte der luxemburgische Außenminister. Vielmehr gelte das Prinzip: "Je weniger im Meer gerettet werden, umso weniger wagen sich aufs Meer, um zu uns zu kommen." Asselborn prangerte das «erbärmliche Gehabe» der Mitgliedstaaten an, wenn nur eine kleine Zahl Menschen im Meer gerettet werde und die Verteilung in die EU-Staaten anstehe. Mit Blick auf "die Orbans, Salvinis, Le Pens, Gaulands und Co" rief Asselborn dazu auf, sich Kräften entgegenzustellen, die die Werte der EU bis zur Unkenntlichkeit verbiegen wollten.

"Unbequem, beharrlich und kompromisslos"

Der Vorsitzende des Lew Kopelew Forums, der Journalist Thomas Roth, würdigte den Einsatz von "Mission Lifeline" und Reisch, die rund 1.000 Menschen aus dem Mittelmeer gerettet haben. "Unbequem, beharrlich und kompromisslos bestand er auf Humanität gerade da, wo das auch für ihn selbst unbequem war", sagte der langjährige Moskau-Korrespondent der ARD laut Redetext über den Kapitän des Rettungsschiffs.

Mit dem undotierten Lew-Kopelew-Preis zeichnet das gleichnamige Forum seit 2001 jährlich Menschen, Projekte oder Organisationen aus, die im Sinne des russischen Germanisten, Schriftstellers und Humanisten Lew Kopelew (1912-1997) tätig sind. Ziel des Lew Kopelew Forums ist es, den Austausch zwischen West- und Osteuropa zu fördern. Der Preis wurde an diesem Sonntag in Köln verliehen. Das musikalische Rahmenprogramm der Preisverleihung gestaltete "Prinzen"-Sänger Sebastian Krumbiegel. Bisherige Preisträger waren unter anderem der türkische Journalist Can Dündar, der russische Soziologe Lew Gudkow, syrische Friedensaktivisten und der Religionswissenschaftler Hans Küng.

(KNA, DR, epd)

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