07.05.2018

Amnesty wirft Ägypten willkürliche Isolationshaft von Gefangenen vor "Unmenschliche Methoden"

Isolationshaft ist dafür bekannt, dass der Gefangene von anderen Menschen abgeschirmt wird. Diese Einsamkeit hat psychische Folgen, monieren Menschenrechtler. In Ägypten kritisiert Amnesty International noch ganz andere Haftbedingungen.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft Ägypten vor, willkürlich Isolationshaft als Strafe gegen politische Gefangene einzusetzen. Menschenrechtsverteidiger, Journalisten und Regierungskritiker würden teilweise wochen- und monatelang in Einzelzellen eingesperrt, ohne jeglichen sozialen Kontakt, heißt es in einem neuen Bericht der Organisation. Für den mehr als 50 Seiten umfassenden Report hat Amnesty zwischen März 2017 und April 2018 mehr als 90 Interviews mit Familienangehörigen von 27 Inhaftierten sowie mit neun ehemaligen Gefangenen geführt.

"Isolationshaft in Ägypten steht für schwerste körperliche und psychische Misshandlungen", erklärte Markus Beeko, Generalsekretär von Amnesty International in Deutschland. Inhaftierte würden geschlagen und gedemütigt. "Der Kontakt zu anderen Gefangenen ist ihnen untersagt und regelmäßige Familienbesuche werden ihnen verweigert." Ein Inhaftierter habe Amnesty berichtet, dass er wiederholt mit dem Kopf in einen Eimer mit Exkrementen gedrückt wurde. "Die unmenschlichen Methoden der Gefängniswärter führen bei den Betroffenen zu Depressionen, Panikattacken, Paranoia sowie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen", sagte Beeko.

Isolationshaft auf unbestimmte Zeit

Laut Amnesty werden in mindestens 14 ägyptischen Gefängnissen Inhaftierte auf unbestimmte Zeit in Isolationshaft festgehalten. Dies betreffe vor allem Menschen, die aus politischen Gründen inhaftiert wurden. Der Bericht dokumentiert 36 Fälle. Einer von ihnen ist der Menschenrechtsverteidiger Hisham Gaafar. Er wurde im Oktober 2015 ohne Haftbefehl festgenommen. Seit mehr als zwei Jahren befindet er sich den Angaben zufolge in Untersuchungshaft, die er größtenteils in Isolationshaft verbringen muss.

Beeko betonte, Isolationshaft dürfe laut Völkerrecht nur eingesetzt werden, wenn keine andere Disziplinarmaßnahme mehr zur Verfügung stehe und dürfe nicht länger als 15 aufeinanderfolgende Tage dauern. Das sei in Ägypten oft nicht der Fall.

(epd)

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