12.04.2018

Amnesty-Bericht zur Todesstrafe Tod im Auftrag des Staates

Weltweit ist die Zahl der Hinrichtungen gesunken, gleichzeitig leben immer mehr Menschen mit einem Todesurteil. Vor allem bei Drogendelikten scheinen Staaten sich von dieser Strafe Abschreckung zu versprechen.

Es hört sich zunächst an wie eine positive Nachricht: Weltweit sind im vergangenen Jahr weniger Menschen hingerichtet worden als 2016. Doch der Schein trügt. Denn die Zahl derer, die in den Gefängnissen auf die Vollstreckung der Todesstrafe warten, ist im gleichen Zeitraum um 16 Prozent auf 21.919 gestiegen. Das geht aus, dem am Donnerstag veröffentlichten Jahresbericht von Amnesty International hervor. Überdies bleiben bei alledem exakte Zahlen etwa zu China, das weltweit die höchste Hinrichtungsrate aufweist, außen vor.

Wie die Regierungen zur Todesstrafe stehen

Die Lage ist kompliziert: So wenden 56 Länder die Todesstrafe praktisch an. Davon wurden 2017 in 53 Staaten Todesurteile verhängt und in 23 Ländern Hinrichtungen durchgeführt. Sieben weitere Regierungen behalten sich die Strafe für Krisenzeiten oder besonders schwere Verbrechen vor: Brasilien, Chile, El Salvador, Guatemala, Israel, Kasachstan und Peru.

Und dennoch: 2017 sank die Zahl der vollstreckten Hinrichtungen im Vergleich zum Vorjahr um 4 Prozent auf 993. Verglichen zum Rekordjahr 2015 mit 1.634 Hinrichtungen betrug der Rückgang sogar 39 Prozent. Ebenso wurden laut Amnesty 526 Todesurteile weniger ausgesprochen als im Vorjahr: Diese Zahl sank von 3.117 auf 2.591.

Vier Länder im Mittleren Osten

Trotzdem werden weiterhin Menschen enthauptet, erhängt, erschossen oder mit Gift getötet - ein Prozedere, das aus westeuropäischer Sicht mittelalterlich anmutet. Ein Blick auf die Landkarte zeigt: Die Hinrichtungen konzentrieren sich hauptsächlich auf vier Länder im Mittleren Osten. 84 Prozent der vollstreckten Todesurteile entfielen auf den Iran, Saudi-Arabien, Irak und Pakistan. Doch auch in den USA wurden im vergangenen Jahr 41 Menschen zum Tode verurteilt und 23 auf staatlichen Geheiß umgebracht.

Eine weitere Beobachtung der Menschenrechtler. Die Todesstrafe findet zunehmend Anwendung bei Drogendelikten. 15 Länder verhängten oder vollstreckten 2017 Todesurteile als Maßnahme gegen Drogenvergehen, darunter 10 Länder in Asien. Die meisten Hinrichtungen aufgrund von Drogenstraftaten zählt die Amnesty-Statistik jedoch in Nordafrika und dem Mittleren Osten mit 264.

Folter oder Misshandlungen

In zahlreichen Ländern erlebten Angeklagte zudem kein faires, an internationalen Standards ausgerichtetes Gerichtsverfahren. Geständnisse würden vielmehr durch Folter oder Misshandlungen erwirkt. Beispielhaft nennt der Bericht China, Iran, Irak oder Saudi-Arabien.

Kritik äußert Amnesty daran, dass manche Regierungen keine Daten zu Todesurteilen veröffentlichen. In China, Weißrussland und Vietnam etwa werden diese Daten als Staatsgeheimnis eingestuft - was eine hohe Dunkelziffer nahelegt und in der Gesamtbilanz zu einem verzerrten Bild führt. Nach Schätzungen von Amnesty sollen allein für China die Zahlen in die Tausende gehen.

Dort wurden am meisten Todesstragen vollstreckt

Die meisten vollstreckten und dokumentierten Hinrichtungen fanden mit 507 im Iran statt, das waren elf Prozent weniger als im Jahr davor. Mindestens 31 dieser Urteile wurden öffentlich vollstreckt, mindestens fünf der hingerichteten Personen waren zum Tatzeitpunkt minderjährig.

Die Statistik der meisten verhängten und dokumentierten Todesurteile führt Nigeria mit 621 an. Dahinter folgen Ägypten mit rund 402 und Bangladesch mit etwa 273. In Nigeria sitzen 2.285 Menschen in einer Todeszelle. Mehr waren es 2017 nur in Sri Lanka (2.717), den USA (2.724) und Pakistan (mindestens 7.000).

Lichtblicke der Statistik

Viel Schatten - aber es gibt auch Licht. So wurden nach Angaben der Menschenrechtsorganisation in 21 Ländern Todesurteile in Haftstrafen umgewandelt oder Begnadigungen ausgesprochen. In 6 Ländern seien zudem 55 zum Tode verurteilte Personen freigesprochen worden. Zudem wird inzwischen in rund zwei Drittel der Staaten die Todesstrafe nicht mehr vollzogen oder ist gesetzlich ganz abgeschafft.

Anna Fries
(KNA)

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