Gedenkveranstaltung Ravensbrück
Gedenkveranstaltung Ravensbrück
Gedenkstätte Sachsenhausen
Gedenkstätte Sachsenhausen

19.04.2015

70. Jahrestag der KZ-Befreiung Sachsenhausen und Ravensbrück "Wir dürfen nicht schweigen"

70 Jahre nach der Befreiung der Konzentrationslager Ravensbrück und Sachsenhausen haben Überlebende und Politiker Widerstand gegen Rassismus gefordert. In beiden Gedenkstätten wurde der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.

"Das Böse lauert überall. Wir müssen es rechtzeitig erkennen", mahnte Annette Chalut, Präsidentin des Internationalen Ravensbrück-Komitees, am Sonntag in Fürstenberg (Oberhavel). Die Ravensbrück-Überlebende rief die jüngeren Generationen auf, die Erinnerung wachzuhalten und wachsam zu sein.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) sagte: "Wir dürfen nicht schweigen, wenn wir Zeuge werden von Rassismus, Antisemitismus, Extremismus." Aus den Gräueltaten der Nationalsozialisten ergebe sich eine Verpflichtung und Verantwortung. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woike (SPD) rief zu Mitmenschlichkeit und Toleranz auf. "Es ist unsere Verpflichtung, nicht nur aus der Geschichte, sondern aus unserer grundlegenden Menschlichkeit heraus, solidarisch zu handeln und Mitmenschlichkeit und Toleranz zu zeigen", sagte er mit Blick auf Flüchtlinge, die in Deutschland Asyl suchen.

Rosenstöcke zum Gedenken

Mehr als 1000 Menschen aus aller Welt waren zu der zentralen Gedenkveranstaltung in Ravensbrück gekommen, darunter knapp 90 frühere Häftlinge. Mit Kranzniederlegungen, Gesängen und Gebeten gedachten sie ihrer gestorbenen Mithäftlinge. "Unsere Kameradinnen, die hier ums Leben kamen, dürfen nie vergessen werden. Jede Erinnerung bringt sie uns nahe", betonte Chalut. Gemeinsam mit Daniela Schadt, Lebensgefährtin von Bundespräsident Joachim Gauck und Anna Komorowska, Ehefrau des polnischen Präsidenten Bronislaw Komorowski, pflanzte sie Rosenstöcke auf dem Massengrab an der "Mauer der Nationen".

Am Nachmittag wurde das Gedenken mit einer weiteren Veranstaltung auf dem Gelände des früheren KZ Sachsenhausen fortgesetzt. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) erinnerte dort an die besondere Verantwortung der Deutschen. Das Kriegsende sei für die Deutschen keine Befreiung von der Vergangenheit gewesen, sondern "eine Befreiung, um uns der Vergangenheit zu stellen und hoffentlich aus ihr lernen zu können", sagte Steinmeier.

Steinmeier: "Wir haben es in der Hand"

Verantwortung zu übernehmen bedeute deshalb für ihn, gegen jegliche Form von Fremdenhass und Diskriminierung aufzustehen: "Weil wir es in der Hand haben, in was für einem Land wir 70 Jahre nach dem Grauen der Schoah gemeinsam leben wollen", sagte der Außenminister vor mehr als 70 KZ-Überlebenden aus zahlreichen Ländern. Mit Blick auf ausländerfeindliche, antisemitische und rechtsextreme Ausschreitungen sagte Steinmeier: "Das ist nicht das weltoffene Land, für das die große Mehrheit der Deutschen steht." Dass es dennoch diese Vorfälle gebe zeige, dass das aktive Erinnern an das menschenverachtende NS-Regime noch lange nicht zu Ende ist.

In den Konzentrationslagern Ravensbrück und Sachsenhausen wurden bis in den April 1945 hinein weit über 300.000 Menschen inhaftiert, zehntausende wurden ermordet oder kamen auf andere Weise ums Leben. Das KZ Sachsenhausen in Oranienburg wurde am 22. April, das KZ Ravensbrück bei Fürstenberg an der Havel am 30. April 1945 von der Roten Armee befreit.

 

(KNA, dpa)

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