Blick von außen in eine Todeszelle
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Kuwait: Vollstreckte Todesstrafe
Kuwait: Vollstreckte Todesstrafe

01.04.2015

Amnesty-Bericht: Starker Anstieg an Todesurteilen Tod als Abschreckung

Einmal im Jahr veröffentlicht Amnesty International eine viel beachtete Statistik zur Todesstrafe. Die Bilanz: Mehr Todesurteile, aber weniger Hinrichtungen. Im Land mit den meisten Exekutionen sind genaue Zahlen allerdings weiter Staatsgeheimnis.

Es sei ein beschämender Trend. Der Vorstandssprecher von Amnesty International Deutschland, Oliver Hendrich, findet scharfe Worte für die Ergebnisse des Bericht zur Todesstrafe, den die Menschenrechtsorganisation am Mittwoch weltweit veröffentlich hat.

Einige Regierungen haben demnach Todesurteile gezielt eingesetzt, um gegen Terror, Konflikte oder Unruhen im eigenen Land vorzugehen.

"Regierungen, die mit der Todesstrafe Verbrechen bekämpfen wollen, belügen sich selbst. Es gibt keine Belege dafür, dass die Todesstrafe mehr abschreckt als andere Strafen", betont Hendrich.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation wurden im vergangenen Jahr mindestens 2.466 Todesurteile in 55 Ländern weltweit verhängt.

Todesurteile in Massenverfahren

Das seien 541 mehr als im Vorjahr. Besonders gravierend sei der Anstieg in Ägypten und Nigeria. Die beiden Länder zusammen hätten teils in Massenverfahren mehr als 1.160 Todesurteile ausgesprochen.

In Ägypten wurden hunderte Anhänger der islamistischen Muslimbruderschaft zum Tode verurteilt, in Nigeria dutzende mutmaßliche Sympathisanten der Terrormiliz Boko Haram. Im Vergleich dazu gab es laut Amnesty im Vorjahr 250 Todesurteile in beiden Ländern zusammen.

Gerade in einem Jahr, in dem Hinrichtungen durch bewaffnete Gruppen wie den "Islamischen Staat" (IS) die Weltgemeinschaft erschütterten, sei "die Todesstrafe als Mittel gegen Terrorismus" beschämend und nicht zu rechtfertigen, kritisierte Hendrich. Ende 2014 warteten mehr als 19.000 Menschen weltweit auf die Vollstreckung ihrer Todesstrafe.

Sehr beklagenswert ist laut Amnesty auch, dass zahlreiche Länder nach jahrelangen Moratorien die Todesstrafe wieder eingeführt habe.

Pakistan habe nach dem Taliban-Angriff auf eine Schule in Peschwara mit mehr als 130 Toten angekündigt, hunderte zum Tode verurteilte Gefangene hinzurichten. Sieben Hinrichtungen seien noch in den letzten Dezemberwochen vollstreckt worden. Auch in Singapur habe es nach zwei Jahren Pause erneut zwei Hinrichtungen gegeben.

China hält Zahlen unter Verschluss

Als Negativbeispiel nennt der Bericht China. Die Regierung halte Zahlen zu Todesurteilen und Hinrichtungen unter Verschluss, so die Kritik der Menschenrechtler. Es sei jedoch zu befürchten, dass in China mehr Menschen hingerichtet worden seien als in allen anderen Ländern der Welt zusammen.

Die offizielle Zahl der Hinrichtungen ist laut Bericht indes zurückgegangen. Mit 607 registrierten Vollstreckungen in 22 Ländern gehe es um einen Rückgang von 22 Prozent oder 171 Fällen. Seit Jahren würden die Hinrichtungszahlen etwa in den USA und in Afrika sinken.

Zudem hätten zahlreiche Länder Schritte unternommen, um die Todesstrafe vollständig zu unterbinden, darunter Madagaskar.

Die Länder mit den meisten Hinrichtungen waren neben China, wie die Organisation vermutet, der Iran, Saudi-Arabien, der Irak und die USA.

Im Iran wurden 289 offizielle Hinrichtungen dokumentiert. Amnesty International geht von weiteren 454 Hinrichtungen aus. In Saudi-Arabien soll es laut Bericht wenigstens 90 Vollstreckungen gegeben haben, im Irak 61 und in den USA 35. Neben Enthauptungen seien weiterhin Erhängen, Gift oder das Erschießen Hinrichtungsmethoden. In Saudi-Arabien und im Iran seien Hinrichtungen auch öffentlich ausgetragen worden.

Als Gründe für die Todesurteile nennt der Bericht - neben der Abschreckungsmethode und politischer Kriminalität - Verbrechen wie Raub, Drogenkriminalität oder Wirtschaftskriminalität. Darüber hinaus seien zahlreiche Personen wegen Ehebruch, Gotteslästerung oder Hexerei zum Tode verurteilt worden. Diese vermeintlichen Verbrechen dürften überhaupt nicht als Verbrechen angesehen werden, fordert die Menschenrechtsorganisation.

Ein prominenter Fall ist die zum Tode verurteilte Christin Asia Bibi.

Die junge Mutter war 2009 in Pakistan nach einem Streit mit Arbeitskolleginnen verhaftet und wegen Blasphemie zum Tode verurteilt wurde. Sie soll den Propheten Mohammed beleidigt haben, was sie bestreitet. Derzeit wird ihr Einspruch gegen das Urteil vor dem Obersten Gerichtshof des Landes verhandelt - der letzten Instanz, die eine Vollstreckung noch verhindern könnte.

Anna Mertens
(KNA, dpa)

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