ZdK-Präsident Thomas Sternberg
Thomas Sternberg

12.05.2019

ZdK-Präsident resümiert Vollversammlung "Wegweisende Beschlüsse"

Umzug nach Berin, Beteiligung am synodalen Weg und die Forderung von Zugang von Frauen zu "allen kirchlichen Ämtern", das sind Beschlüsse der Versammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken in Mainz. Präsident Sternberg ordnet ein. 

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hat nach Ansicht seines Präsidenten Thomas Sternberg eine "außerordentlich wichtige" Frühjahrsvollversammlung in Mainz erlebt.

Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) sprach am Sonntag mit Sternberg über die nach seiner Ansicht "wegweisenden" Beschlüsse zum ZdK-Umzug nach Berlin und zur Beteiligung am "synodalen Weg".

Sternberg äußerte sich zudem zur Forderung des Katholikenkomitees nach Zugang von Frauen zu "allen kirchlichen Ämtern".

KNA: Herr Sternberg, am Samstag hat ZdK-Vizepräsidentin Claudia Lücking-Michel darauf verwiesen, dass ohne Frauen die katholische Kirche gar nicht funktionieren könnte. Sie sagte: "Die katholische Kirche ist letztlich eine von Männern geleitete Frauenkirche." Klingt provozierend...

Thomas Sternberg: Natürlich ist das bewusst etwas zugespitzt formuliert.

Aber wir haben in unseren Gemeinden längst eine weibliche Dominanz in den Räten und ehrenamtlichen Tätigkeiten. Es ist ganz offensichtlich:

Das Gesicht unserer Kirche ist auf Gemeindeebene weiblich. Und das spiegelt sich noch völlig unzureichend in den gesamten Leitungsstrukturen der Kirche in Deutschland wider.

KNA: Das ZdK hat auch bei der Frühjahrsvollversammlung in Mainz seine Forderung nach einem "Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern" bekräftigt, also auch zum Priesteramt. Wie schnell könnte das gehen?

Sternberg: Die Frage nach dem Priestertum für Frauen in der katholischen Kirche kann nicht mal eben schnell in Deutschland entschieden werden. Das ist eine weltkirchliche Frage und die muss weltkirchlich in Rom entschieden werden.

KNA: Inwieweit könnten bei dieser Entscheidung Erfahrungen aus anderen Konfessionen oder Religionen helfen?

Sternberg: Die Frage nach Frauen in priesterlichen Ämtern ist eine eher neue Frage, wenn man sie in historischen Dimensionen betrachtet.

Das gibt es in den evangelischen Kirchen erst seit rund 70 Jahren, übrigens zunächst aus der blanken Not geboren. Die Anglikaner haben seit rund gut 25 Jahren Priesterinnen. Im Judentum hat nur das Reformjudentum Rabbinerinnen, sonst gibt es keine Frauen als Rabbiner. Im Islam sind die Imame durchgängig männlich.

KNA: Welchen Stellenwert messen Sie persönlich der am Samstag zu Ende gegangenen ZdK-Vollversammlung in Mainz bei?

Sternberg: Ich habe den Eindruck, dass wir hier eine außerordentlich wichtige Vollversammlung hatten - ausgerechnet an dem Ort, an dem 1848 für das ZdK alles angefangen hat. Es gab nun zwei wegweisende Beschlüsse - erstens zu dem für 2022 geplanten Ortswechsel des ZdK-Generalsekretariats von Bonn nach Berlin.

Und zweitens zur Beteiligung des ZdK am "synodalen Weg". Diese Beteiligung findet in einer engen Kooperation mit den Bischöfen statt - und ich will klar sagen, dass sich da niemand über den Tisch gezogen fühlt.

KNA: Wird sich mit dem Umzug des ZdK-Generalsekretariats von Bonn nach Berlin inhaltlich etwas an der Arbeit des Zentralkomitees ändern?

Sternberg: In Berlin werden wird uns auf einen veränderten Katholizismus einstellen müssen. Die Volkskirchlichkeit, von der wir gerne noch sprechen und die es zum Teil in Deutschland noch gibt, bröckelt immer stärker weg. Wir werden uns darauf einstellen müssen, eine Kirche der Minderheit zu sein. Wie man das als Kirche überzeugend in einer säkularen Welt macht, wird sicher in Berlin eine größere Frage werden als bisher.

Das Interview führte Norbert Demuth. 

(KNA)

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