Ehrenamtliche organisieren die Gemeindearbeit selbst
Ehrenamtliche organisieren die Gemeindearbeit selbst

30.03.2019

Zwölf Laien organisieren ihre Kirchengemeinde in Essen selbst "Deshalb haben wir angepackt"

Die katholische Kirchengemeinde "Zur Heiligen Familie" organisiert sich selbst, ohne die Unterstützung von Hauptamtlichen wie einem Pfarrer oder einer Gemeindereferentin. Damit ist sie eine Modellgemeinde im Bistum Essen.

DOMRADIO.DE: Sie sind 27 Jahre alt und arbeiten schon seit langer Zeit aktiv in der katholischen Gemeinde "Zur Heiligen Familie" in Essen auf der Margarethenhöhe mit. Was machen Sie, wofür sind Sie zuständig?

Thomas Wichelhaus (aktives Mitglied der Kirchengemeinde "Zur Heiligen Familie" in Essen): Ich bin seit vielen Jahren Messdiener und war lange Oberministrant. Den Posten habe ich vor kurzem abgegeben. Ansonsten bin ich Mitglied im Fördervereinsvorstand und sehr aktiv in der Gemeinde, versuche also, da zu helfen, wo ich kann.

DOMRADIO.DE: Eine Gemeinde, die sich selbst organisiert. Was genau bedeutet das eigentlich?

Wichelhaus: Das bedeutet, dass wir keinen Priester oder Hauptamtlichen mehr haben, keinen Küster, keinen Hausmeister, eigentlich quasi gar nichts. Wir müssen im Prinzip alles, was an Aufgaben anfällt, erst einmal selber machen und versuchen, das irgendwie am Laufen zu halten.

DOMRADIO.DE: Das war aber nicht schon immer so, oder?

Wichelhaus: Nein, natürlich nicht. Wir waren vor vielen Jahren noch eine eigene Pfarrei und hatten irgendwann dann nur noch eine Gemeindereferentin. Die ist leider vor einigen Jahren gestorben. Wir standen also alleine da und mussten gucken, wie es weitergeht.

DOMRADIO.DE: Wie haben Sie das in der Zwischenzeit bewerkstelligt? Wie gehen Sie an diese Arbeiten heran?

Wichelhaus: Wir waren schon immer eine sehr aktive Gemeinde und wurden von unseren damaligen Hauptamtlichen zu einem sehr aktiven Leben erzogen. Damals sind wir da so reingerutscht, sage ich mal. Wir standen irgendwann vor dieser Aufgabe und hatten keine andere Möglichkeit als sie zu bewältigen. Deshalb haben wir sie angepackt. Nach einigen Jahren haben wir vom Bistum den Vorschlag bekommen, eine wirklich selbstverwaltete Gemeinde zu werden.

Das haben wir uns dann über einen längeren Prozess erarbeitet. Jetzt arbeiten wir in diesem Modell und alle ziehen mit. Natürlich nicht jeder in der gleichen Art und Weise – es hat nicht jeder gleich viel Zeit. Aber es ist sehr beeindruckend, zu sehen, wie uns das Ganze noch einmal ein Stück näher gebracht hat. Auch früher hatten wir natürlich schon ganz viele Aktive: Ehrengarde, Kirchenchor, Messdiener. Nun hat das dazu geführt, dass die Gruppen alle näher zusammengerückt sind und wirklich miteinander reden.

DOMRADIO.DE: Taufe, Hochzeit, Beerdigung – was machen Sie, wenn dann ein Priester gebraucht wird?

Wichelhaus: Es ist natürlich so, dass wir am Sonntag einen Gottesdienst haben, für den jeweils ein Priester aus unserer Pfarrei, deren Teil wir sind, zu uns kommt und uns besucht. Wir haben einen Priester, der uns bei der Kommunionkindervorbereitung unterstützt. Selbstverständlich besuchen uns Priester aus anderen Gemeinden, wenn eine Hochzeit, eine Taufe oder eine Beerdigung ansteht.

DOMRADIO.DE: Die Gemeinde ist inzwischen Modellprojekt im Bistum geworden. Warum ist das so? Und für wen könnten Sie auch Vorbild sein?

Wichelhaus: Die Beweggründe des Bistums kenne ich nicht ganz genau. Aufgrund dessen, wie sich unsere katholische Kirche weiterentwickelt, wird es bald in vielen anderen Gemeinden so weitergehen, dass man als Laie viel mehr selber machen muss, da es einfach an Hauptamtlichen fehlt. Vielleicht können unsere Erfahrungen irgendwann anderen Gemeinden helfen, selber so etwas Ähnliches auf die Beine zu stellen.

DOMRADIO.DE: Gibt es Gemeinden, die sich schon mal gemeldet haben und gefragt haben, sagt mal, wie macht ihr das eigentlich – wir planen das möglicherweise auch?

Wichelhaus: Soweit ich weiß, nein. Ich denke, man kann das auch nicht wirklich planen, sondern solange man einen Priester oder einen Gemeindereferenten bei sich in der Gemeinde hat, ist man auch sehr glücklich. Es gibt jetzt noch keinen, der sich gemeldet hat.

Ich glaube, da muss auch erst mal jeder seinen eigenen Weg finden. Das ist doch eine sehr individuelle Sache: Wie eine Gemeinde aufgestellt ist, wie das Umfeld ist und welche Aufgaben in der Gemeinde zu tun sind.

Das Gespräch führte Carsten Döpp.

(DR)

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