Prof. Thomas Sternberg
Prof. Thomas Sternberg

22.11.2015

ZdK-Präsident Sternberg zu kommenden Aufgaben "Innerkirchliche Streitthemen rasch beenden"

Nach seiner Wahl als neuer Präsident des Zentralrats deutscher Katholiken (ZdK) blickt Prof. Thomas Sternberg auf die kommenden Aufgaben. Dabei legt er den Fokus darauf, innerkirchliche Streitigkeiten rasch zu beenden, wie er im domradio.de-Interview verriet.

domradio.de: Sie selbst, so haben Sie es gesagt, haben nicht mit Ihrer Wahl gerechnet. Hat sich das inzwischen etwas gesetzt?

Thomas Sternberg: Ja. Inzwischen fange ich an, mich mit dem Gedanken vertraut zu machen, dass ich tatsächlich in dieses wichtige Amt gewählt worden bin.

domradio.de: Wird das eine große Aufgabe? Können Sie das jetzt schon absehen?

Thomas Sternberg: Ganz ohne Frage ist es eine sehr schwere Aufgabe. Zum einen ist es schwer, die Nachfolge des so erfolgreichen und gut agierenden Alois Glück, einer wirklich bedeutenden Persönlichkeit, anzutreten. Das ist schon eine Aufgabe in sich. Zum anderen stehen noch sehr viele wichtige inner- und außerkirchliche Aufgaben an.

domradio.de: Sie haben auch eine Bäckerlehre gemacht. Wenn Sie sich jetzt diese Arbeit als ZdK-Präsident so vorstellen, wird das eher ein Plunderteilchen oder doch Graubrot?

Thomas Sternberg: (lacht) Ich hoffe, das wird ein ordentliches, gesundes und kräftiges Schwarzbrot.

domradio.de: Weil das was kann?

Thomas Sternberg: Weil das Zentralkomitee nicht eine Sahnehaube auf irgendeinem Stück ist und kein Zuckerwerk sein kann, sondern das ZdK sollte schon das Grundnahrungsmittel für unsere Gesellschaft sein.

domradio.de: Wie stellen Sie sich die Zukunft der Kirche hier in Deutschland vor?

Thomas Sternberg: Das ist eine umfassende und schwere Frage. Ich glaube, die Zukunft der Kirche wird auf jeden Fall so sein, dass wir entweder stärker gemeinsam auftreten und gemeinschaftlich in Erscheinung treten oder wir werden nicht mehr wahrgenommen. Denn sonst versteht keiner mehr, wie die komplizierten Binnenstrukturen einer Organisation sind, bei der man sich auch fragen muss, was ist denn der Unterschied zwischen ZdK und Deutscher Bischofskonferenz ist. Zumal beide auch noch zu gleichen politischen Themen Erklärungen abgeben. Das ist nur ganz schwer in einer Gesellschaft, in der Kirche nicht mehr Mehrheit ist, nach Außen zu vermitteln. Ich bin ein großer Freund von synodalen Strukturen, nicht von Synoden als punktuellem Ereignis, sondern wie man auch zu bundesweiten Strukturen kommt, wie wir sie in den Pfarrgemeinden und Diözesen haben. Das wird sicherlich eine große Aufgabe in den nächsten Jahren werden.

domradio.de: Haben Sie als ZdK den Anspruch, Vertreter für alle katholischen Laien in Deutschland zu sein?

Thomas Sternberg: Diesen Anspruch kann und darf das ZdK nicht aufgeben. Wir sind ja für zahlreiche Organisationen, Verbände und Institutionen die Verbandsvertretung. Das reicht von missio, Misereor, Caritasverband, Kolpingverband, Frauengemeinschaft, BDKJ bis hin zur Gemeinschaft katholischer Soldaten und vieler anderer. Auf der anderen Seite sind wir auch die demokratische Vertretung der Diözesanräte, wobei jeder Diözesanrat Personen in dieses Gremium entsendet. Das bedeutet, dass ich mir ein repräsentativeres und demokratischeres als das Organ des ZdK nicht vorstellen kann. Und man muss immer die Frage stellen, wer eigentlich wen repräsentiert. Es geht nicht darum, einfach nur nette Menschen zu finden, sondern es geht darum, herauszufinden, wer eigentlich gewisse Repräsentanz beanspruchen kann.

domradio.de: In der letzten Woche waren die deutschen Bischöfe in Rom zum Ad-limina-Besuch. Dabei hat Papst Franziskus zu den Bischöfen gesagt, es gäbe eine Erosion des katholischen Glaubens in Deutschland. Hat er damit Recht?

Thomas Sternberg: Dass wir einen gewissen Schwund an praktizierter Glaubensüberzeugung in Deutschland haben, ist sicherlich unübersehbar. Meine große Frage ist nur, ob das ein deutsches oder ein internationales Phänomen ist. Ich glaube nicht, dass in Deutschland diese Erosion des Glaubens stärker ist als in unseren europäischen Nachbarländern. Da hätte ich ganz große Zweifel, denn es gibt diesen traditionellen Vorwurf, Deutschland habe zwar gigantische Strukturen und Institutionen, wäre reich und habe alle möglichen Einrichtungen, aber es fehle an Glaubenssubstanz. Dass das nicht stimmt, kann man bei jedem Gottesdienst in unseren Gemeinden und auch in den Verbänden und bei unseren Treffen als Zentralkomitee erleben.

domradio.de: Und trotzdem sagt der Papst, das beste Beispiel seien die leerer werdenden Kirchen.

Thomas Sternberg: Die leerer werdenden Kirchen sind ein schwieriges Thema, denn dabei wird auch immer mit Zahlen operiert, mit denen ich nicht viel anfangen kann. Wir haben da eine Annäherung und Angleichung an die evangelische Situation. Das kann man selber beklagen oder auch nicht. Ich selber finde den sonntäglichen Kirchgang als feste Gewohnheit richtig und wichtig. Aber längst nicht mehr jeder katholische Mensch hält das so in Deutschland. Dass man über so etwas redet und das zum Thema macht, ist völlig klar. Aber man muss sich sehr davor hüten, hier ein Pauschalurteil zu fällen, als wäre die katholische Kirche in Deutschland reich, aber nicht fromm. Das stimmt einfach nicht.

domradio.de: Bleibt die Frage nach der Perspektive und was auch das ZdK tun kann, um hier neue Impulse zu setzen?

Thomas Sternberg: Ich glaube, dass es sehr wichtig und gut ist, wenn wir unsere Kräfte nicht weiter in innerkirchlichen Streitigkeiten verschleißen müssen und dass einige kirchliche Streitthemen möglichst rasch vom Tisch kommen. Ich habe es bereits bei meiner Antrittsrede gesagt, dass in der nächsten Zeit der Einsatz von katholischen Männern und Frauen für das ungeborene Leben, das sie bei "Donum vitae" leisten, kein Streitpunkt in der Kirche mehr sein wird. Solche unnötigen Streitthemen müssen relativ rasch ausgeräumt werden. Ich denke, da ist vieles zu erreichen und ich bin auch hoffnungsfroh, dass man dies vom Tisch bekommt.

domradio.de: Wie wollen Sie sich selbst einbringen?

Thomas Sternberg: Ich werde alles versuchen, was ich kann. Es gibt natürlich immer auch irgendwo Grenzen. Ich muss sagen, es sind sehr große Schuhe, die da von Alois Glück übriggeblieben sind. Und ein bisschen weiche Knie habe ich nach wie vor, ob ich das schaffe. Aber da wissen wir als Christen ja, dass wir nicht alleine stehen.

Das Interview führte Matthias Friebe.

Hinweis der Redaktion: Das Interview in voller Länge können Sie im Anhang hören!

(dr)

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