20.11.2015

Thomas Sternberg ist neuer Präsident des Katholiken-Komitees Professor, Politiker - und Bäcker

Mehr Ökumene, mehr Kommunikation, mehr Kooperation mit den Bischöfen - Thomas Sternberg hat sich als neuer Katholiken-Präsident einiges vorgenommen.

Professor und Politiker, Azubi im Familienbetrieb und Akademieleiter, Vater von fünf Kindern und Verfasser zahlreicher Aufsätze - und nun auch noch Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK): Thomas Sternberg braucht sich über Facettenreichtum in seinem Leben keine Gedanken machen. Am Freitag wählten die 220 ZdK-Delegierten den nordrhein-westfälischen CDU-Landtagsabgeordneten aus Münster an die Spitze ihres Gremiums. Sternberg erhielt 110 von 190 abgegebenen Stimmen bei fünf Enthaltungen.

Die Wahl kommt für Beobachter etwas überraschend. Denn gegen Sternberg kandidierte Maria Flachsbarth, die als CDU-Bundestagsabgeordnete ebenfalls gut in der Politik verankert ist und zudem mit dem Bonus Frau in die Wahl ging. Die Laien-Vertreter aus den Diözesen und katholischen Verbänden haben offenbar die programmatischen Ansätze des 63-jährigen Sternberg überzeugt, der einen Rückgang der volkskirchlichen Strukturen beobachtet und zugleich von dem ungebrochenen Stellenwert der Katholiken in der Gesellschaft überzeugt ist: "Als dienende und hörende Kirche sind wir gefragt."

Alte Fronten verlieren an Bedeutung

Frühere Frontstellungen - hier die Laien und dort die Bischöfe - spielen für Sternberg trotz Differenzen in Detailfragen eine immer geringere Rolle. Innerhalb der Laienbewegung wie bei den Bischöfen beobachtet er eine zunehmende Pluralisierung. In dieser Situation komme es vor allem auf den Dialog an - um dann zu gemeinsamen Aktionen zu kommen und in die Gesellschaft hineinzuwirken. "In politischen Fragen sollten wir öfter gemeinsam mit der Deutschen Bischofskonferenz auftreten", so der neue Präsident. "Und statt langer Verlautbarungen bedarf es einer Kommunikation, die aktueller, frischer und knapper daherkommt und einer veränderten Medienlandschaft entspricht."

Auch mit den religiösen Kräften "in unserer säkularen oder auch nur gleichgültigen Gesellschaft" will Sternberg den Schulterschluss suchen - vor allem mit den evangelischen Mitchristen, aber auch mit Juden und Muslimen. Bei allem will er die ZdK-Mitglieder stärker in die Entscheidungen einbinden - die zweimal im Jahr tagende Vollversammlung im Stil eines Parteitages lasse für Mitwirkung zu wenig Raum.

Fähig zu klaren Botschaften

Sternberg ist sich bewusst, dass er "in verdammt große Schuhe" seines Vorgängers Alois Glück schlüpft, der in Zeiten des Missbrauchs- und Finanzskandals in den Medien die krisengeschüttelte Kirche erklärte. Aber auch der Neue an der ZdK-Spitze bringt die Fähigkeit mit, klare Botschaften an den Mann auf der Straße wie die Frau an der Uni zu bringen.

Sternberg stammt aus einer Bäckerfamilie im sauerländischen Lennestadt-Grevenbrück und wollte erst den elterlichen Betrieb übernehmen. 1969 machte er den Gesellenbrief. Doch aus gesundheitlichen Gründen musste er sich neu orientieren und absolvierte über das Abendgymnasium das Abitur. Sternberg studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Theologie. Mit einer Arbeit über die Lyrik Achim von Arnims wurde er in Germanistik und mit einer Studie über die Sozialeinrichtungen des 4. bis 7. Jahrhunderts im Fach Kirchengeschichte promoviert. Die akademische Laufbahn des einstigen Handwerkers mündete darin, dass er seit 1988 als Direktor das Franz Hitze Haus, die Katholisch-Soziale Akademie des Bistums Münster, leitet.

Viele Ämter

Zugleich haben Sternberg politische Ambitionen angetrieben. Über die Junge Union stieß er 1974 zur CDU. Zuerst als sachkundiges Mitglied und dann ab 1999 als Ratsherr engagierte er sich im Kulturausschuss von Münster. Das Politikfeld beackert er auch im ZdK und als Abgeordneter des nordrhein-westfälischen Landtags, dem er seit 2005 angehört.

Neben diesen Ämtern bekleidet Sternberg eine Unzahl an Neben-Posten - vom Mitglied im Rundfunkrat des Westdeutschen Rundfunks bis hin zum Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Neue Musik, vom Vorsitz der Annette von Droste-Gesellschaft bis hin zum Beirat des Jüdisches Museums Westfalen. Es bleibt eine spannende Frage, wie er das alles mit seinem neuen Amt unter einen Hut bringen wird. Eine Konsequenz hat er schon im Vorfeld der Abstimmung über den neuen ZdK-Vorsitz angekündigt: "Falls ich gewählt würde, gäbe ich die Akademie-Leitung ab."

 

Andreas Otto
(KNA)

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