Sting und Papst Franziskus
Sting und Papst Franziskus

31.07.2021

Neues Buch über katholische Prägung von Sänger Sting "Gott ist ein Mysterium für mich"

Er besuchte katholische Schulen, war Ministrant und hat dem Papst die Hand geschüttelt: der Musiker Sting. Obwohl aus der Kirche ausgetreten, ist seine katholische Prägung unverkennbar, wie ein neues Buch zeigt.

Düster blickt der noch junge Sting in die Kamera, im Hintergrund eine Statue der Jungfrau Maria. Das Foto von der Plattenhülle des Albums "Nothing Like the Sun" von 1987 wählte der Religionshistoriker Evyatar Marienberg für sein neues Buch "Sting and Religion - The Catholic-Shaped Imagination of a Rock Icon". Marienbergs These: Stings katholische Prägung beflügelt die Kreativität des britischen Weltstars, der im Oktober 70 Jahre alt wird, bis heute.

Das Foto entstand auf der Insel Montserrat, offenbar am Todestag von Audrey Sumner. "Ich habe mich von meiner Mutter verabschiedet, da ich einen Aufnahmetermin in Montserrat hatte, und sie starb eine Woche später", zitiert Autor Marienberg den Musiker, den er zweimal für sein Buch getroffen hat. Auf die Frage, ob seine Mutter eine besondere Verbindung zu Maria gehabt habe, antwortet Sting: "Nein, aber ich selbst."

Katholische Gemeinde im England der 50er und 60er Jahre

Marienberg, Dozent für Religionsgeschichte an der Chapel Hill University North Carolina, geht es auch darum, die Geschichte einer katholischen Gemeinde im England der 50er und 60er Jahre zu erzählen, samt ihrer bleibenden Prägungen - für einen Künstler wie Sting ebenso wie Millionen weniger berühmter Menschen mit ähnlicher Erziehung.

Als Gordon Matthew Sumner wurde Sting am 2. Oktober 1951 in Wallsend (Nordostengland) in eine Arbeiterfamilie geboren, besuchte eine von Jesuiten geführte Schule, war Ministrant und heiratete mit 24 Jahren. Zwei Jahre lang unterrichte er Englisch und Musik an der katholischen St Paul's First School in Cramlington. Danach die Wende: Als Songwriter und Leadsänger der Band "The Police" prägte er ab 1977 die Rockszene, später als Solokünstler. Der Kirche hatte er da den Rücken gekehrt; Grund war wohl auch körperliche Züchtigung in der Jesuiten-Schule.

Beziehung zu Gott

Er habe keine Feindseligkeit gegen die Kirche entwickelt, sei kein Atheist, sondern vielmehr Agnostiker, so der Sänger. Nach Gott gefragt, sagte Sting 2010: "Ich kann ihn, sie oder es nicht beschreiben, niemand kann das." Gott sei "ein Geheimnis", etwas, das außerhalb seines Verstandes liege. Der Gedanke, Teil eines unergründlichen Universums zu sein, lasse ihn Glück und Demut empfinden. "Nun, das ist Gott für mich."

Für seine Recherchen hat Marienberg in Wallsend auch mehrere Priester interviewt, auf der Suche nach den Wurzeln der katholischen Symbole, Geschichten und Hymnen in Stings Werk. Biblische oder allgemein religiöse Bezüge gibt es etwa in "The Last Ship", "When the Angels Fall" oder "Saint Augustine in Hell". Sein Song "Oh My God" von 1982 lehnt sich an das Erste Buch der Könige im Alten Testament an, wo Elia spottet, man müsse sehr laut nach Gott rufen, weil er vielleicht schlafe.

"Walking in Your Footsteps" wendet sich an einen Dinosaurier: "Du warst Gottes Lieblingsgeschöpf - aber du hattest keine Zukunft." Es endet mit einem Zitat aus der Bergpredigt: "Sie sagen, die Sanftmütigen werden die Erde erben"; ein Satz, den Sting auch in "Visions of the Night" verwendet. Biblisch wird es auch im Song "Rock Steady" über Noah und die Sintflut. Darin ist auch die Rede von "der Gnade dieses großen Gottes da oben" und "Manna vom Himmel".

Auch in nicht dezidiert religiösen Texten verweist Sting gern auf Ethisch-Moralisches. So etwa in "Fragile", wo es um die Zerbrechlichkeit der Menschen geht. "Russians" wurde zur Antikriegshymne für Völkerverständigung, und "Englishman in New York" ist ein leicht selbstironisches Plädoyer für kulturelle Verschiedenheit.

Kritik an Sting

Manche kritisieren Sting, Besitzer mehrerer Anwesen in England, den USA und der Toskana, als ein selbst ernanntes Weltgewissen. Andere schätzen gerade, dass er seine Popularität auch nutzt, um auf Themen wie Klimawandel, Armut oder Flüchtlingselend hinzuweisen.

Da sieht er sich mit Papst Franziskus in Einklang, den der mehrfache Grammy-Preisträger im August 2018 gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau Trudie Styler im Vatikan besuchen durfte. Für eine Multimedia-Show über die Sixtinische Kapelle hatte Sting den mittelalterlichen Hymnus "Dies irae" neu vertont. Den lateinischen Gesangs-Part übernahm er als früherer Messdiener selbst.

Sabine Kleyboldt
(KNA)

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