Ein Zettel mit einem Psalm zwischen Dünengras
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Ulf Stolterfoht / Gundula Schiffer
Ulf Stolterfoht / Gundula Schiffer
"Singt dem König Freudenpsalmen, machet eben seine Bahn", heißt es beim Einzug in den Kölner Dom
"Singt dem König Freudenpsalmen, machet eben seine Bahn", heißt es beim Einzug in den Kölner Dom
"Wie ein Rauchopfer steige mein Gebet vor Dir auf", heißt es im 141. Psalm.
"Wie ein Rauchopfer steige mein Gebet vor Dir auf", heißt es im 141. Psalm.

26.01.2021

Lesung über den Klang der Psalmen Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt

Die Psalmen gehören zu den frühesten Zeugnissen der Weltliteratur. Neben den religiösen Aussagen haben sie eine ungeheure poetische Strahlkraft. Mit der Poesie der Psalmen hat sich jetzt ein Abend im Kölner Literaturhaus beschäftigt.

“Mich berühren die Psalmen. Sie bedeuten mir sehr, sehr viel”, sagt die Lyrikerin und Übersetzerin Gundula Schiffer, die sich seit ihrer Studienzeit mit der Poesie der hebräischen Psalmen beschäftigt – mit ihrer Übersetzung, ihrem Klang, ihrer Sturktur. Für sie sind die klagenden und Gott dankenden Psalmen des alten Testamentes Gebete und Gedichte. “Die Psalmen wurden immer gesungen”, sagt sie, “und dabei geht es gar nicht so sehr um das inhaltliche Verstehen der Texte, denn die Menschen wissen ja längst, was drinsteht. Es geht darum sie in ‘ìn actu’ zu vollziehen”.

Absichtsloses Erzählen

Die Psalmen zum Klingen bringen, ihre lyrische Kraft, den Geist der hebräischen Poesie zu entschlüsseln, darum ging es in der Veranstaltung des Kölner Literaturhauses in Kooperation mit der Uni Köln.

Neben Gundula Schiffer war der Lyriker Ulf Stolterfoht eingeladen, der sagt, auf ihn hätten die Psalmen schon im Kindergottesdienst eine ungeheure Anziehungskraft ausgeübt. “Ich hatte immer das Gefühl, dass man über die Bibel reden kann und sie auf ihre Faktizität prüfen kann. Die Psalmen hingegen, die beschreiben etwas das ist nicht diskutierbar. Das ist für mich fast der Kern der Heiligen Schrift”, sagt Stolterfoht.

Beim Lesen der Psalmen könne es durchaus passieren, dass er Euphorieerfahrungen habe, schwärmt der Dichter. “Ich glaube, es ist die Sprache, die die Euphorie auslöst, nicht das, was verhandelt wird. Ich habe oft das Gefühl, dass das auf nix raus will, was ich da lese, dass da kein Ziel verfolgt wird. Das Gefühl, was lesen zu dürfen, was mir ganz absichtslos etwas erzählt. Ich glaube, das hat mit der Euphorie zu tun, die ich dabei erlebe”.

Im Klang der Psalmen baden

In der Theologie gehe es immer wieder um die Auslegung der Schrift, sagt Gundula Schiffer. “Mir ist dann aber blitzartig klar geworden, dass die Auslegung der Psalmen eigentlich der zweite Aspekt ist, denn hier geht es um Gesänge, um den Klang. Das zu begreifen, hat mich wirklich gefreut, das war ein euphorischer Moment."

Erst im 18. Jahrhundert rückte dieser besondere Geist der hebräischen Poesie jenseits der religiösen Deutung in den Blickpunkt. Auf einmal waren die Psalmen viel mehr als nur theologisch zu deutende Texte, sondern man erkannte, dass sie eine besondere poetische Power haben.

Ganz wichtig bei der Übersetzung sei, dass man diese poetische Power nicht herausnimmt, sagt die Übersetzerin Schiffer. Sie ist davon überzeugt, dass Theologie und Sprachwissenschaften viel gemeinsam haben. Das Sprechen über Gedichte und das Sprechen über Religiöses ähnele sich sehr. Überhaupt sei Literatur wie auch die Religion stets auf der Suche. “Literatur ist Gebet. Das, was andere kollektiv in Kirchen glauben, suchen auch die Schriftsteller”.

Die besondere Emotionalität der Psalmen

Gundula Schiffer schwärmt von der besonderen Emotionalität der Psalmen, den enormen Stimmungsschwankungen. “Der Psalmist ist himmelhoch jauchzend und dann geht es da wieder tief in den Keller. Das ist wirklich dieses Goethegefühl, himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Oft habe ich bei Theologen die Argumentation erlebt, das könne gar nicht sein, da müsse im Lauf der Geschichte irgendwie ein vermittelnder Vers ausgefallen sein, der kann doch nicht so glücklich sein und dann gleich wieder so traurig. Also von ganz oben nach ganz unten. Dazwischen gibt's da fast nichts."

(DR)

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