Ambientfestival in Köln
Ambientfestival in Köln
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Ambientfestival in Köln

10.09.2020

Kölner Musikfestival zwischen Klassik und Elektronik Live statt Livestream

Das 12. Ambientfestival findet von Donnerstag bis Samstag unter dem Motto "RESURRECTIO 2.0" in den Kölner Kirchen Herz Jesu und Sankt Aposteln statt. Dabei geht es um Musik mit "transzendenter Ebene", erklärt der künstlerische Leiter des Festivals.

DOMRADIO.DE: Eigentlich sollte das Festival "Zivilisation der Liebe" schon im März nach längerer Zeit sein Comeback feiern. Dann kam die Corona-Pandemie und jetzt findet das Ganze im September statt. Natürlich mit den Maßnahmen gegen das Coronavirus, aber live vor Ort – und zwar unter dem Motto "RESURRECTIO 2.0". Resurrectio ist Latein und heißt "Auferstehung". Was hat es damit auf sich?

Dietmar Saxler (Künstlerischer Leiter des 12. Ambientfestivals): Das Motto ist eigentlich noch das alte Motto aus dem März, wo das Festival in der Fastenzeit hätte stattfinden sollen. Und da ist Auferstehung natürlich passend. Wir haben es trotzdem auch für den Nachholtermin, jetzt im September verwendet und haben 2.0 hinten drangehangen. Denn ich glaube, dass es zurzeit auch eine Auferstehung der Musik gibt. Im Moment gehen alle wieder raus, man ist wieder gerne bei Konzerten und ich finde dieses Motto auch zeitlich ziemlich passend.

DOMRADIO.DE: Sie haben sich bewusst entschieden, das anders zu machen als viele andere: Sie wollen keinen Livestream. Warum?

Saxler: Das Ganze ist ein Festival, das sehr mit dem Kirchenraum arbeitet. Unter Corona-Bedingungen findet es in zwei Kirchen statt. Wir haben im Vorfeld mit einem großen Team sehr viel diskutiert, bis wir entschieden haben, dass man den Kirchenraum oder den Klang des Kirchenraumes nicht digitalisieren kann. Alles wäre eine billige Version im Vergleich zu dem, wie es wirklich in einem Kirchenraum klingt. Und von daher haben wir gesagt, es gibt nur den Kirchenraum und nichts anderes.

DOMRADIO.DE: Welche Bestimmungen gibt es denn für das Festival in Zeiten der Corona-Pandemie?

Saxler: Ja, normalerweise hätten wir zwischen 300 und 400 Besucher in Sankt Aposteln gehabt. Das geht jetzt nicht mehr. Wir brauchen mehr Platz und haben unsere befreundete Nachbar-Kirche Herz Jesu angefragt, wo wir sofort grünes Licht bekommen haben. Sie sind gerne dabei. Am Freitag und Samstag teilen wir die Besucherzahl auf die Kirchen Herz Jesu und Sankt Aposteln auf. Es wird so sein, dass es eine Pause gibt, in der man die Kirche wechselt und den anderen Teil erlebt.

DOMRADIO.DE: Diese Kirchenräume spielen eine ganz wichtige Rolle, sagen Sie. Sankt Aposteln und neu dazugekommen Herz Jesu – haben sie so einen tollen Klangkörper?

Saxler: Ja, aber es hat auch auf der inhaltlichen Ebene sehr viel mit der Kirche zu tun. Die Künstler sind nicht unbedingt religiös oder gläubig. Aber ich suche die Künstler schon danach aus, ob es eine im weitesten Sinne transzendente Ebene in der Musik gibt.

Ich glaube, nicht jede Musik passt in den Kirchenraum. Sowohl die elektronische als auch die klassische Musik kenne ich sehr gut und finde, es gibt in beiden sehr viele transzendente Ansätze, sehr viele Aspekte, die im weitesten Sinne auch religiös sind, obwohl die Musik erst einmal überhaupt nicht religiös sein muss.

DOMRADIO.DE: Dabei spielt Elektronik eine Rolle, Klassik auch – was ist Ambientmusik?

Saxler: Der Erfinder von Ambient ist Brian Eno. Er hat 1978 ein Stück komponiert, als er am Köln-Bonner Flughafen fünf Stunden Aufenthalt hatte. Den Flughafen fand er akustisch nicht schön und hat sich überlegt, er komponiert Musik für den Flughafen.

"Ambient" ist aus dem Englischen und bedeutet eigentlich "Hintergrund". Im Grunde ist es eine Musik, die einem unbewusst etwas vermitteln soll. Man soll es gar nicht intensiv wahrnehmen, ähnlich wie bei Kaufhaus-Musik. Beim Ambientfestival habe ich allerdings gemerkt, dass diese Musik, die eigentlich für den Hintergrund ist, noch viel besser funktioniert, wenn man sie konzentriert hört.

DOMRADIO.DE: Ruhige, sphärische Klänge machen die Ambientmusik aus. Sie haben sie als transzendentale Musik beschrieben. Bei dem Festival haben Sie aber auch viel Raum für Klang- und Sound-Experimente. Wie können wir uns die vorstellen?

Saxler: Das größte Experiment ist ein Auftritt von Jessica Ekomane zum Festivalauftakt. Sie macht Psycho-Akustik, die eventuell auch Emotionen auslösen kann. Das ist sehr experimental. Was ich allerdings auch spannend finde und ein Highlight wird, ist der Chorauftritt am Samstag. Der ist überschrieben mit "So schön klingt Auferstehung". Für mich ist das der Klang des Chores mit einem Stück von Sven Helbig, dem Dresdner Komponisten, der das Stück für Chor und Live-Elektronik geschrieben hat. Das heißt, dass er den Chor auch noch einmal elektronisch ver- und bearbeiten wird, seine Musik mit einmischt. Es ist das meistgespielte Chorstück der Welt, das aber in Köln noch nie aufgeführt wurde. Ich bin ganz stolz, dass wir jetzt die Kölner Uraufführung zu diesem Chorstück bei uns haben.

DOMRADIO.DE: Ganz wichtig sind Ihnen auch die "Ambient Garden Concerts". Was verbirgt sich dahinter?

Saxler: Das sind Innenhof-Konzerte im wunderschönen Innenhof von Sankt Aposteln. Deshalb "Garden", weil es eigentlich eher ein Garten als ein Innenhof ist. Aufgrund von Corona halten wir in der Kirche die Abstände ein und haben die Plätze geändert, haben aber auch einen Programmteil nach draußen verlagert.

Und das sind sehr spannende Konzerte im Zusammenhang mit den Beymeistern, einem Projekt aus der Evangelischen Kirche in Köln-Mülheim, bei denen der Pfarrer Sebastian Baer-Henney moderieren wird. Die Künstler erzählen etwas von ihrer Musik, wie sie Musik komponieren. Man kann Fragen stellen an die Musik. Es ist eine schöne Möglichkeit, um mehr über die Künstler zu lernen und einen Vorgeschmack für das Konzert am Abend zu bekommen.

DOMRADIO.DE: Welche Künstler sind denn beim Ambientfestival dabei?

Saxler: Martin Kohlstedt zum Beispiel, der ein sehr junger Pianist ist, der unglaublich talentiert ist, sehr viel komponiert, auch schon mit einem großen Chor zusammengearbeitet hat und im Moment für fünf Echo Klassik, den Musikpreis, gleichzeitig nominiert ist. Das muss man erst einmal hinbekommen. Er arbeitet im Grenzbereich zwischen Elektronik und Klassik. Gerade diese Schnittstelle finde ich sehr spannend. Er ist Pianist, aber er hat auch Keyboards und Loops, die er mit reinmischt, und erzeugt eine unglaubliche Stimmung. Ihn kann man auch in den Gartenkonzerten hören.

Ein weiterer Künstler ist Lubomyr Melnyk, der ein bisschen einen anderen Ansatz hat. Das ist eigentlich der residierende Künstler vom Ambientfestival. Wir haben ihn nämlich vor zehn Jahren entdeckt und seitdem hat seine Karriere begonnen, er ist jetzt 71 Jahre alt. Er gilt als schnellster Pianist der Welt. Mit 19,5 Tönen pro Sekunde. Aber bei ihm geht es noch nicht einmal alleine um die Schnelligkeit. Ich glaube, das ist nicht, was seine Musik alleine ausmacht.

Melnyk ist einer der Künstler, die sehr gläubig sind. Im weitesten Sinne baut er in seine Musik eine vielleicht transzendente Ebene ein. Er komponiert sehr viele Meditationen. Er hat diesen Musikstil entwickelt und wenn er stirbt, kann niemand seine "Continuous Music" spielen. Damit wird eine ganze Welt untergehen, wenn er mal nicht mehr da sein wird. Deshalb lohnt es sich jetzt umso mehr.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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