Gerhard Richter
Gerhard Richter

14.05.2020

Richter-Installation ersetzt Rubens-Gemälde in Kölner Kirche "Der Spiegel hat eine großartige Wirkung"

Kultureller Paukenschlag: Gerhard Richters Installation "Grauer Spiegel" ersetzt das Rubens-Gemälde in der Kölner Kunststation St. Peter. "Das war für uns natürlich ein Knaller", freut sich der Theologe und Kunstbeauftragte Guido Schlimbach.

DOMRADIO.DE: Das berühmte Rubens-Gemälde "Die Kreuzigung Petri", das normalerweise an der Wand in der Kölner Kunststation St. Peter hängt, wird zurzeit von Restauratoren untersucht. Doch es gibt eine kleine Sensation: Der weltberühmte Künstler Gerhard Richter füllt diese Leerstelle mit seiner Installation "Grauer Spiegel". Wie kam es zu dieser außerordentlichen Leihgabe?

Dr. Guido Schlimbach (Theologe und Kunstbeauftragter der Kunststation St. Peter): Wir haben ihn einfach gefragt und er hat sofort zugesagt. So einfach ist es manchmal. Nein, man muss schon ein bisschen ausholen. Wir haben vor längerer Zeit, als klar war, dass der Rubens für einige Monate nicht mehr sichtbar sein wird und oben auf der Empore in einer Werkstatt untersucht wird, die Idee gehabt, tatsächlich den Künstler zu fragen, der in Köln lebt und im Grunde genommen in der internationalen Kunstszene einen Rang einnimmt, den man in damaliger Zeit sicherlich auch Peter Paul Rubens zugebilligt hätte. Er kennt das Rubens-Bild und unsere Kirche. Wir haben ihn gefragt und er kam direkt auf uns zu und sagte, dass er uns diesen Spiegel anbietet. Das war für uns natürlich ein Knaller.

DOMRADIO.DE: Das kann ich mir vorstellen. Wie sieht denn dieser "Graue Spiegel" aus? Wie können wir uns den vorstellen?

Schlimbach: Ja, Sie müssen sich das vorstellen wie eine riesige Glasscheibe. Die Arbeit ist 2,28 m mal 2,28 m und ist dann von hinten bearbeitet. Sie wird quasi mit einer grauen Farbe rückseitig speziell präpariert, sodass dieser Spiegel-Eindruck tatsächlich entsteht. Dieser Eindruck ist schon grandios. Das ist eine wirklich großartige Wirkung, die dieser riesige Spiegel im Raum einnimmt. Das Besondere ist übrigens - das konnte Gerhard Richter nicht wissen - , dass diese 2,28 m tatsächlich exakt der Breite der Malerei von Peter Paul Rubens entsprechen. Die Glasscheibe ist ein wenig kleiner, aber in der Breite ist es genau dasselbe. Das ist ein wunderbarer Zufall.

DOMRADIO.DE: Ein perfekter Ersatz eigentlich. Welche Verbindung besteht denn zwischen Künstler Gerhard Richter und der katholischen Kirche?

Schlimbach: Darüber kann ich Ihnen eigentlich nur das sagen, was wir aus anderen Quellen, aus den Medien, aber auch aus der Richtung der Dombauverwaltung wissen. Viele von uns kennen ja die Geschichte um das Kölner Domfenster. Ich kann Ihnen tatsächlich aber sagen, was die Beziehung zur Kunststation St. Peter ist. Gerhard Richter war in der Vergangenheit immer mal wieder bei uns, aber als Besucher. Das heißt, er hat sehr dezidiert Ausstellungen besucht, die ihn interessiert haben und wo er die ausgestellten Künstler kannte. Insofern war ihm dieser Raum vertraut.

Für mich war es sehr schön, zu sehen, als Gerhard Richter dann kam und wir die Kirche gemeinsam anschauten, mit wie viel Sensibilität er auf diesen besonderen Kirchenraum reagierte, der im Verhältnis zum Kölner Dom zwar auch Elemente der Gotik zeigt, aber wo auch im Grunde genommen die Gebrochenheit der schwersten Beschädigungen des Zweiten Weltkriegs zu sehen ist. Der Wiederaufbau, die Neugestaltung, die zeitgenössischen Elemente, die wir in diesem Raum wiederfinden. Das hat er sensibel aufgegriffen, diesen Raum für sich adaptiert hat und gesagt, er könne sich das wunderbar vorstellen.

Wir haben dann an Ort und Stelle gemeinsam entschieden, wie die Arbeit gehängt werden würde, in welcher Höhe und in welcher Wirkung. Es zeigte mir, dass er eine hohe Sensibilität auch für diesen sakralen Raum hatte. Inwieweit er sich tatsächlich als christlich, katholisch oder generell gläubig bezeichnet, darüber haben wir gar nicht gesprochen.

DOMRADIO.DE: Ab wann können wir den Richter-Spiegel in der Kunststation sehen?

Schlimbach: Er hängt und ist auch sichtbar. Der Spiegel von Gerhard Richter ist präsent und es war schon faszinierend. Ich saß im Gottesdienst in einem Winkel, wo ich durch den Spiegel auf den Altar schauen konnte. Es war spannend, wie die Gläubigen nach der Messe dann zum Teil nach vorne gegangen sind, ihn sich angeschaut haben und sich selber natürlich auch gesehen haben.

Eine formale Eröffnung ist unter den heutigen Bedingungen sehr schwierig. Wir haben am Donnerstagabend eingeladen zu 19.30 Uhr. Wir werden aber wahrscheinlich, wenn das Wetter günstig ist, eine Ansprache im Freien machen, im Hof von Sankt Peter. Dann werden die Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit haben, durch die offenen Türen der Kirche zu flanieren und nach vorne zu gehen, um diesen Spiegel sowohl von Weitem als auch aus der Nähe zu sehen und zu erfahren.

Das Interview führte Julia Reck.

(DR)

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