Else Lasker-Schüler Denkmal in Wuppertal
Else Lasker-Schüler Denkmal in Wuppertal

22.01.2020

Zum Tod der Dichterin Else Lasker-Schüler vor 75 Jahren "Immer unbeirrbar sie selbst"

Die "größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte" - so hat Gottfried Benn seine Dichterkollegin Else Lasker-Schüler einmal charakterisiert. Vor 75 Jahren starb die Schriftstellerin in Jerusalem.

Bunt und verwegen muss sie ausgesehen haben, wenn sie als "Prinz Jussuf von Theben" verkleidet zur Kaiserzeit durch Berlins Straßen spazierte. Die schwarzen Haare kinnlang geschnitten, dazu weite Hosen, bunte Gewänder, auffälliger Schmuck. Damit wird sie Aufsehen erregt haben.

Vielleicht wirkte ihre Aufmachung auch ein bisschen verrückt. Auf die öffentliche Meinung hat Else Lasker-Schüler indes keinen Wert gelegt. Sie war eine Exotin, eine Eigenbrötlerin. Am 11. Februar 1869 wurde sie in Wuppertal-Elberfeld geboren. Bis heute gilt Lasker-Schüler als herausragende Vertreterin der avantgardistischen Literatur. Berühmt geworden sind vor allem ihre Gedichte. Als Zeichnerin war sie weniger bekannt.

Im Bergischen Land aufgewachsen

Aufgewachsen ist "Elisabeth" - genannt Else - im Bergischen Land als jüngstes Kind des jüdischen Privatbankiers Aron Schüler und seiner Frau Jeannette. Mit ihren fünf Geschwistern verlebt sie zunächst eine behütete Kindheit, die Familie ist wohlhabend. Als sie elf Jahre ist, stirbt ihr Lieblingsbruder; mit 21 verliert sie ihre Mutter.

1894, mit Anfang 20, heiratet sie den Arzt Berthold Lasker und zieht nach Berlin, nimmt dort Zeichenunterricht. Durch die Freundschaft mit dem Schriftsteller Peter Hille findet sie Anschluss an die literarische Szene und veröffentlicht erste Gedichte - der Anfang ihrer Karriere. Sie ist befreundet mit zahlreichen Künstlern, darunter auch mit dem Maler Franz Marc, dem "blauen Reiter", wie sie ihn nennt, und der ihr der "Sternendichterin" und "kaiserlichen Hoheit" Prinz Jussuf zahlreiche bemalte Postkarten schreibt. Sie verwebt ihr Leben eng mit ihrer Dichtung und erfindet mitunter, fantasievoll wie sie ist, auch autobiografische Daten von sich.

Der Tonfall von Lasker-Schülers Dichtung ist entsprechend kindlich-spielerisch, häufig verwendet sie orientalische Motive.

Eines ihrer berühmtesten Gedichte ist der "Tibetteppich" von 1910: "Deine Seele, die die meine liebet/Ist verwirkt mit ihr im Teppichtibet", heißt es in dem Liebesgedicht. Oft geht es in ihren Texten auch um Religion und um das "Hebräerland", das "Bibelland", wie sie Palästina nennt. In dem Gedichtzyklus "Hebräische Balladen" von 1913 etwa verarbeitet sie Inhalte des Alten Testaments und setzt sie auch zeichnerisch um. Sie glaubt an eine Versöhnung zwischen Juden und Christen, Juden und Arabern.

Die Ehe mit Lasker hält nicht und wird 1903 geschieden. Und auch die zweite Ehe mit dem Schriftsteller Georg Levin, der auf Elses Vorschlag den Künstlernamen Herwarth Walden trägt, scheitert 1912.

Damit endet auch ihr bürgerliches Leben. Von nun an wechselt sie ständig den Wohnort, lebt in kleinen Zimmern und schäbigen Pensionen.

Allein in Berlin wohnte Lasker-Schüler von Anfang des 20. Jahrhunderts bis zu ihrer Emigration 1933 an über 20 verschiedenen Orten.

Flucht aus Deutschland

"Ich bin nämlich die ewige Jüdin", erklärte sie ihr rastloses Verhalten einem Freund, "immer auf Wanderschaft" - und häufig mittellos. Als der mit ihr befreundete Künstler George Grosz ihr einmal außer Haus begegnete, kam sie ohne Schuhe daher: "In Pantoffeln, die mit Papier beklebt waren, weil Löcher darin waren".

Zu einem Bekannten, der sie zum Abendessen einlud, sagte sie: "Machen Sie Umstände, Butterbrot hab ich alleine."

1927 stirbt ihr Sohn Paul an Tuberkulose, ein Ereignis, das sie nie überwinden kann. 1932 erhält Else Lasker-Schüler den angesehenen Kleistpreis. 1933 schließlich verlässt sie Deutschland, weil sie sich dort nicht mehr sicher fühlt und flüchtet in die Schweiz. Als 1939 der Zweite Weltkrieg ausbricht, ist sie gerade in Palästina. Das viel gepriesene "Hebräerland" wird ihre neue Heimat, die sie letztlich aber als Enttäuschung erlebt. Der politische Zionismus ist ihr fremd.

Else Lasker-Schüler "war die größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte", urteilte Gottfried Benn (1886-1956) über sie. "Ihre Themen waren jüdisch; ihre Fantasie orientalisch, aber ihre Sprache war deutsch ... Immer unbeirrbar sie selbst ...". Vor 75 Jahren, am 22. Januar 1945, stirbt Else Lasker-Schüler, der "Schwarze Schwan Israels", wie ihre Freunde sie nannten, in Jerusalem an den Folgen eines Herzanfalls.

Nina Schmedding
(KNA)

Sommeraktion: Meine Heimatkirche

Die Sommeraktion von DOMRADIO.DE: Wir suchen Ihre Heimatkirche. Laden Sie ein Bild hoch und erzählen Sie uns Ihre Geschichte!

Gottesdienste auch auf Facebook und Youtube

DOMRADIO.DE überträgt alle Gottesdienste auch auf Facebook und Youtube und Periscope.

Wichtig: Kein DAB+ mehr in NRW ab Juli

Leider sendet DOMRADIO ab Juli nicht mehr über DAB+ in NRW. Laden Sie sich doch unsere App herunter – kostenlos in den Stores. DOMRADIO hören Sie auch übers Internetradio, Smartspeaker, andere gängige Radio-Apps, in Köln auf UKW 101,7, in Berlin/Brandenburg über DAB+ und natürlich auf DOMRADIO.DE.

Himmelklar Podcast

durchatmen – Der Seelsorge Podcast

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Messenger-Gemeinde

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

 03.07.2020
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

  • Wird die Hagia Sophia zur Moschee?
  • Vater-unser-Challenge im Erzbistum Köln
  • Coronavirus-Pandemie in den USA
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • 10 Jahre Petersbrunnen: Der drüjje Pitter sprudelt wieder
  • Neuer Ferienspaß: "Skyfall" im Kletterwald
  • Vier weitere verkaufsoffene Sonntag in NRW in Ordnung?
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • 10 Jahre Petersbrunnen: Der drüjje Pitter sprudelt wieder
  • Neuer Ferienspaß: "Skyfall" im Kletterwald
  • Vier weitere verkaufsoffene Sonntag in NRW in Ordnung?
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • EU streicht Sondergesandten für Religionsfreiheit - Kritik aus der CDU
  • „UnterHolz" - Wald-Projekt katholischer Nachwuchs-Journalisten
  • Bücherplausch: Lesestoff für die Ferien
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • EU streicht Sondergesandten für Religionsfreiheit - Kritik aus der CDU
  • „UnterHolz" - Wald-Projekt katholischer Nachwuchs-Journalisten
  • Bücherplausch: Lesestoff für die Ferien
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

  • Vater-Unser-Challenge im Erzbistum Köln
  • Berlin: Corona-Update
  • Büchertipps für die Ferien
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…