Blick in eine Katholische Öffentliche Bücherei
Blick in eine Katholische Öffentliche Bücherei

24.10.2019

Blick auf Katholische Büchereien am Tag der Bibliothek "Sehr persönliche Begegnungsorte"

Lesen bildet. Aber wie sieht es im digitalen Zeitalter eigentlich mit der Nachfrage in Büchereien und Bibliotheken aus? Die Leserzahlen sind rückläufig, beobachten auch die Katholischen Öffentlichen Büchereien. Dafür punktet man an anderer Stelle.

DOMRADIO.DE: Man hört inzwischen oft, dass sich in Zeiten von digitalen Medien Bibliotheken immer mehr zu Begegnungsorten entwickeln, an denen man nette Leute treffen kann. Ist das auch Ihre Erfahrung?

Anna Lüttich-Rathenow (Leiterin des Referats Katholische Öffentliche Büchereien im Erzbistum Köln): Das ist auf jeden Fall unsere Erfahrung. Unsere katholischen öffentlichen Büchereien werden zunehmend für Besuche genutzt. Die Leserzahlen sind wie bei allen Bibliotheken rückläufig. Aber die Besucherzahlen nehmen sehr stark zu, weil die Bibliotheken oder die Büchereien als Raum genutzt werden, in dem man sich treffen, kommunizieren und Zeit verbringen kann.

DOMRADIO.DE: Das heißt, Sie haben auch mehr Sitzmöbel? Vielleicht auch eine Kaffeemaschine?

Lüttich-Rathenow: Wenn es der Raum irgendwie hergibt, dann haben wir das. Wenn eine Bücherei neu eingerichtet wird oder Möbel zusätzlich angeschafft werden sollen, dann ist das etwas, wo wir inzwischen richtig Wert drauf legen, dass das auch in der Bücherei zu finden ist.

DOMRADIO.DE: Ist denn bei einer katholischen Bücherei irgendetwas anders als bei anderen?

Lüttich-Rathenow: Eine katholische Bücherei ist ja relativ klein, wenn man die mit kommunalen Büchereien vergleicht, allein schon vom Raumangebot her. Dafür haben wir den Vorteil, dass wir sehr viel weniger Benutzer als eine kommunale Bücherei haben. Und das hat wiederum den Vorteil, dass man bei uns tatsächlich auch die aktuellen Medien viel eher ausleihen kann als in den kommunalen Büchereien, wo sie viel schneller vergriffen sind und die Wartezeiten sehr lang sind.

Zusätzlich ist bei uns auf jeden Fall auch anders, dass unsere Mitarbeitenden in den Büchereien ihre Leser kennen, und zwar nicht nur vom Sehen her, sondern mit Namen und mit Geschichten. Das macht das Ganze zu einem sehr persönlichen Begegnungsort.

DOMRADIO.DE: Wir reden bei Büchereien und Bibliotheken ja längst nicht mehr nur vom Buch, sondern auch von CD's und anderen Tonträgern, die man ausleihen kann. Hat das Buch noch einen Stellenwert?

Lüttich-Rathenow: Noch einen sehr großen, der auch wieder zunimmt, wie jetzt gerade zum Tag der Bibliotheken in sehr vielen Foren veröffentlicht worden ist. Gerade im Zeitalter der digitalen Medien wird das Buch nochmal als Entschleuniger und als sinnliches Medium wiederentdeckt. Es fühlt sich in der Hand gut an, das Papier riecht einfach gut. Es entspannt auch die Augen sehr viel mehr, wenn man auf Papier liest, als wenn man etwas elektronisch liest.

Nichtsdestotrotz greifen wir natürlich auch in den Büchereien digitale Medien und CDs auf. Hörspiele gibt es bei uns schon ganz lange. Wir haben jetzt auch in sehr vielen Büchereien die sogenannten "Tonies" im Angebot, die ja von Kindern ganz groß gefragt sind. Das sind kleine Spielfiguren, auf denen Geschichten aufgespielt sind. Auch die können bei uns ausgeliehen werden. Das neueste Digitale gibt es bei uns tatsächlich auch zu finden.

DOMRADIO.DE: Man kann sich mittlerweile auch E-Books ausleihen. Gibt es die Möglichkeit auch schon bei den Hörbüchern, sodass man gar nicht mehr in die Bücherei kommen muss und diese Bücher irgendwie direkt runterlädt?

Lüttich-Rathenow: Einen Verbund für Hörbücher haben wir tatsächlich noch nicht. Für E-Books gibt es für die kirchlichen Büchereien Verbunde. Da sind aber relativ wenige Büchereien drin.

Das ist aber auch ein Punkt, den wir nicht so stark unterstützen, weil wir sagen, dass die Büchereien ein Ort sein sollen, zu dem man hinkommt. Da stellen wir uns selber eine Falle, wenn wir sagen, es gibt bei uns auch alles ohne einen Büchereibesuch auszuleihen.

DOMRADIO.DE: Nach was fragen Ihre Besucher denn so?

Lüttich-Rathenow: Die Fragen in den Büchereien sind ganz unterschiedlich und zum Teil auch richtig skurril. Es gibt natürlich Nutzer, die fragen speziell nach Titeln, die sie beworben gesehen haben, die auf der Bestsellerliste stehen. Wenn die noch nicht sowieso in den Büchereien stehen, dann werden die oft auf Kundenwunsch hin angeschafft.

Es gibt Fans von bestimmten Autoren, die dann einfach nach dem neusten Roman fragen oder wissen wollen, ob es zu dem Autoren oder Thema noch irgendetwas gibt.

Es gibt aber auch Leser, die kommen und sagen: "Ich hab da ein Buch bei meiner Freundin gesehen. Das ist so hellblau und da war mit Rosa irgendwie unten in der Ecke was". Auch solche Fragen können tatsächlich von unseren Mitarbeitern beantwortet werden. Nicht immer, aber doch relativ oft. Die kennen einfach ihren Bestand und wissen auch, was der Leser gerne liest und können es dann zuordnen.

DOMRADIO.DE: Kann eigentlich jeder in eine Katholische Öffentliche Bücherei hinkommen und sich anmelden?

Lüttich-Rathenow: Das ist eben das Öffentliche in unserem Begriff "Katholische Öffentliche Büchereien". Bei uns kann jeder vorbeikommen, jeder ist willkommen. Die Willkommenskultur ist auch bei uns etwas, was ganz großgeschrieben wird.

Das Interview führte Heike Sicconi.

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