Sebastiao Salgado (r.) im Gespräch
Sebastiao Salgado (r.) im Gespräch
Ausstellung zum Projekt "Genesis" des Fotografen Sebastiao Salgado
Ausstellung zum Projekt "Genesis" des Fotografen Sebastiao Salgado

20.10.2019

Starfotograph Salgado erhält Friedenspreis des Buchhandels Ein Kämpfer gegen das Verschwinden der Welt

Die Schwarz-Weiß-Fotos von Sebastiao Salgado dokumentieren Menschen und Natur am Rande ihrer Existenz. Doch auch für sein Engagement für den Umweltschutz wird der 75-Jährige bei der Frankfurter Buchmesse ausgezeichnet.

Wie Ameisen kriechen die fast nackten Menschen aus dem riesigen Erdloch. Wo der Schlamm endet und der Mensch beginnt, ist kaum auszumachen. 1986 hielt Sebastiao Salgado in dramatischen Bildern das Goldfieber in der Serra Pelada, dem "nackten Gebirge", fest.

Tausende Menschen hatten den Urwald auf der Suche nach Gold in eine Schlammlandschaft verwandelt. Und Salgado machte daraus ein modernes Epos. "Es war, als ob ich das Gold in der Seele dieser Menschen gehört hätte", sagte er später.

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Für sein Lebenswerk, das "eine Hommage an die Größe der Natur" sei, erhält Salgado an diesem Sonntag auf der Frankfurter Buchmesse der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Eigentlich galt die Leidenschaft des 1944 im brasilianischen Teilstaat Minas Gerais geborenen Salgado den Wirtschaftswissenschaften. Zu Zeiten der Militärdiktatur emigrierte er 1969 nach Paris, von wo aus er für die Internationale Kaffeeorganisation ICO und die Weltbank rund um den Globus jettete.

Auf seinen Reisen durch Afrika begann er in den frühen 70er Jahren mit der Fotografie. Zuerst mit der Leica-Kamera seiner Frau. Beide begleiten ihn noch heute auf seinen Wegen. Weltweit bekannt wurden seine Bilder des Attentats auf US-Präsident Ronald Reagan 1981.

Ausgestattet mit dem neugewonnen Status und Geld als Fotojournalist, begann er seine Abenteuerreisen.

Der Fokus seiner Leica-Kamera lag dabei stets auf Menschen und Natur in extremen Situationen, meist am Rande des Verschwindens. So dokumentierte er die Armut Lateinamerikas und, in Zusammenarbeit mit der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, die Hungerkatastrophe in Nordafrika.

Immer mehr driftete er dabei vom Fotojournalismus in Richtung der Dokumentation einer in Auflösung befindlichen Welt. Da war ein Projekt über das globale Phänomen der Landflucht. "Menschen fliehen vor Kriegen, um dem Tod zu entkommen, wandern aus auf der Suche nach einem besseren Glück, bauen sich neue Leben in fremden Ländern auf und passen sich extremen Situationen an", schreibt er in seinem epischen Fotobuch "Exodus" (2000).

Migranten und Indigene, Stadtmenschen und Bauern, sie sind für ihn Facetten eines großen Ganzen. "Ich fühle, jetzt mehr als jemals zuvor, dass es nur eine menschliche Rasse gibt. Klar, es gibt Unterschiede von Hautfarbe, Sprachen, Kulturen und Chancen, aber die Gefühle der Menschen und die Antworten, die sie finden, sind ähnlich."

Den Worten folgen Taten, mit seinen Fotos und seinem persönlichen Engagement stellt sich Salgado in den Dienst von Hilfsorganisationen wie dem Flüchtlingshilfswerk UNHCR, dem Kinderhilfswerk Unicef und der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Dafür wurde er weltweit mit Preisen für sein fotografisches und humanitäres Werk überschüttet.

Fotografien fordern soziale Gerechtigkeit und Frieden

Nun kommt noch der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels dazu.

Salgado sei "ein Bildkünstler, der mit seinen Fotografien soziale Gerechtigkeit und Frieden fordert und der weltweit geführten Debatte um Natur- und Klimaschutz Dringlichkeit verleiht", so der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in seinem Statement zur Vergabe des Preises. Ganz bewusst wird auch Salgados Engagement für den Umweltschutz gewürdigt.

1998 gründete Salgado mit seiner Ehefrau Lelia Deluiz Wanick Salgado auf der Farm seiner Eltern in Minas Gerais das Institut "Terra" (Erde). Sein Traum: die vom Raubbau zerstörte Region wieder aufzuforsten. Mehr als vier Millionen Bäume auf 7.000 Hektar hat "Terra" bereits gepflanzt. Langsam kommt die einstige Artenvielfalt der als "Mata Atlantica" bekannten Region zurück. Vom Atlantischen Regenwald sind nur noch weniger als zehn Prozent in Brasilien erhalten.

Salgado ist zudem die treibende Kraft zur Rettung des Rio Doce. Der Fluss, der durch seine Heimat Minas Gerais fließt, war nach einer Schlammwelle Ende 2015 über Hunderte Kilometer verseucht worden.

Weltweit trommelt der Fotograf seitdem für Gelder, um Natur und die dort lebenden Menschen wieder in ihr natürliches Gleichgewicht zu bringen. "Mit seinem Instituto Terra hat Salgado eine Einrichtung geschaffen, die einen direkten Beitrag zur Wiederbelebung von Biodiversität und Ökosystemen leistet", würdigt ihn deshalb der Börsenverein.

Thomas Milz
(KNA)

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