Von Peter Zumthor entworfen: Das Kölner Diözesanmuseum Kolumba
Kölner Diözesanmuseum Kolumba
Franz Wilhelm Seiwert "Heilige" (l.) und Conrad Felixmüller "Menschen über der Welt"
Franz Wilhelm Seiwert "Heilige" (l.) und Conrad Felixmüller "Menschen über der Welt"
Klaus Peter Schnüttger-Webs Museum / Ein Projekt von Ulrich Tillmann
Klaus Peter Schnüttger-Webs Museum / Ein Projekt von Ulrich Tillmann
Blalla W. Hallmann: "Die Be-Erdigung" (l.) und "Du bist das Licht der Welt"
Blalla W. Hallmann: "Die Be-Erdigung" (l.) und "Du bist das Licht der Welt"

13.09.2019

Neue Jahresausstellung im Kölner Kunstmuseum Kolumba Aufbrüche

Das Kunstmuseum des Erzbistums Köln zeigt in seiner neuen Jahresausstellung "1919  49  69ff. Aufbrüche", wie Künstler mit ihren Werken auf historische Umbruchszeiten reagieren und Visionen entwickeln. Ein kleiner Rundgang durch Kolumba.

Das Kolumba-Team hat sich Zeit genommen, um einen tiefen Blick in ihre Depots zu werfen. Und sie haben es gewagt, aus den eigenen Beständen eine Ausstellung zu konzipieren, die 100 Jahre Zeitgeschichte aus dem Blickwinkel sehr unterschiedlicher Künstler vor Augen führt. Auch für das Kunstmuseum Kolumba war dies ein mit Spannung erlebter Aufbruch in eine facettenreiche neue Jahresausstellung. "Wir blicken zurück, um umso schärfer auf unsere Gegenwart zu schauen", sagt Dr. Stefan Kraus, Leiter des Kunstmuseums.

1919 - Visionen vs. Kriegstraumata

Bewusst haben die Ausstellungsmacher zunächst einen historischen Schwerpunkt gesetzt. 1919 steht für die Zeit nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs mit traumatischen Erfahrungen auch für Künstler wie Gert H. Wollheim. In dem Gemälde "Friesische Landschaft" (1919) versuchte er, diese Zeit zu verarbeiten. Er ist ein Vertreter der Künstlerinitiative "Junges Rheinland",  die neben Bauhaus-Künstlern und den "Rheinischen Rebellen" die 20er Jahre mit ihren Visionen und ihrem sozialkritischem Engagement geprägt haben. Interessant sind auch die religiös aufgeladenen Bilder aus jener Zeit, die auch in der Ausstellung zu sehen sind.

Das Armarium steht unter dem Zeichen der gläsernen Utopie des Bauhauses. "Alpine Architektur" nennt der Architekt Bruno Taut sein Zeichenwerk, das von einem imaginierten Aufbruch in eine schöne, friedliche Welt erzählt.

1949 – Blick zurück und nach vorne

Die mittelalterliche Alabasterskulptur "Muttergottes mit Kind" vom Marienaltar in St. Kolumba im Raum 10 steht für das Jahr 1949. Sie wurde im 2. Weltkrieg zerstört und viel später aus über 70 Bruchstücken wieder zusammengesetzt. Von dem zerstörten Köln erzählen auch zwei Emaille-Plaketten auf dem mittelalterlichen St. Albinus-Schrein, das ein Restaurator nach dem 2. Weltkrieg hinzugefügt hat. Über die Aufbruchsstimmung Ende der 40er Jahren geben Gefäße, Vasen oder eine Nähmaschine mit schönem, modernem Design Auskunft, die in der Werkbundausstellung 1949 schon zu sehen waren.

Aufbruch in die Zukunft nach 1969

Unterwegs sein hin zu neuen Wahrnehmungs- und Erlebniswelten, so könnte man den Ausstellungsreigen im Obergeschoss von Kolumba beschreiben. Die Installation "Die Heiligen Drei Könige" (1989) von Michael Bothe besteht aus einem bootsähnlichen Fundholz, Stühlen, Körben, Federn, Glühlampe und Farbe. Sie erzählt von einem zeitlosen Aufbruch außerhalb der Komfortzone.

Hochpolitisch sind die beiden Hinterglasmalereien "Die Be-Erdigung/Du bist das Licht der Welt" von Blalla W. Hallmann, die auf drastische Weise dem kapitalistischen USA einen Spiegel vorhalten und ein Umdenken fordern.

Ein Selbsterfahrungsraum für alle Besucher ist die raumschiffartige Klangskulptur "Inderdictor" (2017) von Marek Poliks. Besucher können hineinkriechen, sich auf Kissen setzen und werden überraschende Töne und Erschütterungen erleben. Dies könnte auch für sie ein persönlicher Aufbruch werden.

Sich in Frage stellen, darum geht es im fiktiven Klaus-Peter-Schnüttger-Webs-Museum des Fotografen Ulrich Tillmann. Es porträtiert einen imaginären Künstler und wirft mit seinen für Kolumba unüblichen Objektbeschreibungen einen humorvollen Blick auf den Kunstbetrieb.

"Künstler aller Zeiten erfinden sich täglich neu, denken weiter, brechen auf", sagt Museumsleiter Kraus. Angesichts der politischen, ökologischen und ethischen Verfallserscheinungen können Künstler und ihre Werken Mut machen, den Aufbruch zu wagen.

Birgitt Schippers
(DR)

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