Christian Heiß, neuer Chef bei den Regensburger Domspatzen
Christian Heiß, neuer Chef bei den Regensburger Domspatzen
Regensburger Domspatzen
Regensburger Domspatzen

08.09.2019

Christian Heiß ist neuer Domkapellmeister in Regensburg "Wir schauen in die Zukunft"

Die Regensburger Domspatzen haben einen neuen Domkapellmeister: Für Christian Matthias Heiß ist es ein Höhepunkt in seiner Karriere als Kirchenmusiker. Im Interview spricht er über die Verantwortung und Chancen, die die Stelle mit sich bringt.

DOMRADIO.DE: Sie haben in einem Interview gesagt, das ist das wichtigste Amt in der deutschen katholischen Kirchenmusik, quasi das Ziel einer Karriere. Warum ist das Regensburg?

Christian Matthias Heiß (Kirchenmusiker und neuer Domkapellmeister in Regensburg): Die Domspatzen haben eine sehr lange Tradition. Und Regensburg hat in der Kirchenmusik ein großes Gewicht mit diversen Entwicklungen, die von dort begonnen haben, einer Musikhochschule, die dort eingerichtet ist, und eben mit diesem Knabenchor, der auf der ganzen Welt unterwegs und bekannt ist.

Hier wurde über die letzten Jahrzehnte hochkarätige Kirchenmusik und Chormusik betrieben. Auch die Kapellmeister sind ein Begriff: Theobald Schrems, Georg Ratzinger, Roland Büchner und jetzt auch ich.

DOMRADIO.DE: Wie laufen denn jetzt das Kennenlernen und die Vorbereitung auf die ersten Gottesdienste ab?

Heiß: Ich war diese Woche meine ersten Tage in Regensburg, wo wir bereits Vorbereitungen getroffen haben. Da war vor allem der erste Schultag ein Thema. Da wird eine Vorstellung der neuen Leitungspersonen stattfinden - nicht nur ich als Domkapellmeister bin neu, sondern auch die Schulleiterin. Und den Schulanfangsgottesdienst werden wir musikalisch gestalten.

Ich kenne meinen Chor ja noch nicht, wir werden aber auch nicht ins kalte Wasser geworfen, denn wir haben vorher eine kurze Probe. Aber das ist natürlich besonders spannend. Danach beginnen die Proben und am Sonntag darauf gibt es den ersten Domdienst, wo ich diesen Chor zum ersten Mal im Dom leiten darf.

DOMRADIO.DE: Welche Verantwortung spüren Sie beim Thema Weitergabe des Glaubens an eine jüngere Generation?

Heiß: Das Repertoire der Domspatzen ist schwerpunktmäßig ein geistliches. Damit verbunden ist, dass ich geistliche Stücke, die ich mit dem Chor einstudiere, auch erklären muss. Das heißt, ich muss neben der Musik erklären, um welche unter Umständen auch schwierigen Glaubensinhalte und geistlichen Texte es hier geht.

Auf die Art und Weise lernen die Sänger auch, warum die Musik so gestaltet ist. Denn der Text ist die Inspiration für die Musik. Und wenn ich wissende Sänger vor mir haben will - und das ist immer schon mein Credo gewesen - muss ich in einer Chorprobe die Musik erklären können.

DOMRADIO.DE: Wie sehr kann Musik denn auch beim eigenen persönlichen Glauben helfen?

Heiß: Mein Glaubensleben ist mit Sicherheit ganz tief in der geistlichen Musik gegründet. Ich bin fest davon überzeugt, dass ich nur ein überzeugender Kirchenmusiker sein kann, wenn ich selbst an das glaube, was ich singe oder beibringe. Spiritualität und Musik sind dann sozusagen im Einklang.

DOMRADIO.DE: Sie haben in einem Interview mal gesagt, dass Kirchenmusik eine große Chance für die Kirche ist. Worin besteht die?

Heiß: Ich und viele andere Menschen machen immer wieder die Erfahrung, dass gerade bei Menschen, die kirchenfern sind - und da müssen wir uns nichts vormachen, es gibt immer mehr Menschen, die kirchenfern sind - über die Musik ein Zugang entstehen kann, der ihnen etwas nahe bringt, was sie sonst mit Worten nicht mehr verstehen würden. Musik geht tiefer als das Wort und direkt an den Menschen. Und wenn wir heute Konzerte machen, wo auch Kirchenferne kommen, sehe ich das als eine außerordentliche Chance.

DOMRADIO.DE: Müsste man das dann weiterdenken und auch moderne Musik singen? Eine lateinische Messvertonung wird ja gerade die Kirchenfernen nicht unbedingt erreichen.

Heiß: Das kommt darauf an, wie man sie singt, wie man sie in einen Kontext stellt. Für mich gilt schon immer das Credo: Die Kriterien "alt" und "neu" interessieren mich nicht so sehr. Mich interessieren mehr die Güte und Tiefe, die eine Musik hat. Es ist für mich zunächst einmal nicht relevant, aus welchem Jahrhundert eine Musik stammt. Aber Sie haben natürlich Recht, man muss schon auch sehen: Was ist in der Jetzt-Zeit für Musik da? Was mögen Menschen? Da hat sich ja auch ganz viel getan. Wenn bei den Regensburger Domspatzen heute auch John Rutter gesungen wird, was sich ja vielen Menschen klanglich leicht erschließt, ist das sicher auch ein Zeichen und ein Signal.

DOMRADIO.DE: Was macht Musik für Sie zu einer besonders guten Musik?

Heiß: Wenn ich, wenn die Musik beendet ist, mit offenem Mund dasitze oder dastehe.

DOMRADIO.DE: Das heißt, das ist etwas, das sich durch Gefühl vermittelt?

Heiß: Ganz genau. Ohne die Gefühlsebene kann Musik nicht funktionieren.

DOMRADIO.DE: Ich würde gerne diesen Punkt der großen Chance für die Kirche an einem Punkt weiterdenken. Kann man als Musiker damit auch für positive Schlagzeilen für die Kirche sorgen, die ja gerade in den letzten Monaten und Jahren sehr, sehr in die Kritik geraten ist?

Heiß: Davon bin ich fest überzeugt. Alle, die im kirchlichen Bereich tätig sind und die Ohren und die Augen aufmachen, wissen: Wenn ich musikalisch überlegt und sinnvoll Programme zusammenstelle und Liturgie gestalte, dann erreiche ich Menschen. 

DOMRADIO.DE: Und das heißt, da bietet sich auch ein Potential. Das große Thema in der katholischen Kirche ist Missbrauch. Auch Sie bei den Domspatzen hatten viele Missbrauchs-Schlagzeilen in den letzten Jahren. Das heißt, auch da können Sie sozusagen zeigen, was Kirche noch kann?

Heiß: Ja, da bin ich fest von überzeugt: Dass die Musik das, was an schlimmen Dingen passiert ist und was natürlich in der Geschichte der Domspatzen weiter da sein wird - das kann man nicht wegdiskutieren - dass die Musik letztendlich auch versöhnt und weiter nach vorne führt. Mein großes Credo, auch für die Domspatzen, ist: Wir schauen in die Zukunft. Das ist wesentlich.

DOMRADIO.DE: Worauf freuen Sie sich in dieser Zukunft am meisten?

Heiß: Auf die Jungs, die ich am Montag zum ersten Mal sehen werde. Und dass wir dort in dem Haus eine tolle Stimmung haben, dass der Dreiklang, Singen, Lernen und Leben, dieses Haus über die nächsten Jahre blühen lässt.

Das Interview führte Matthias Friebe.

(DR)

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