Knabenchor am Kölner Dom
Knabenchor
 Metternich mit Chorknaben
Metternich mit Chorknaben

16.08.2019

Kölner Domkapellmeister zum Gerichtsurteil: Knabenchor muss Mädchen nicht aufnehmen "Die Mädchen haben eine vergleichbare Ausbildung"

Sind Knabenchöre diskriminierend, wenn sie keine Mädchen aufnehmen? Das Berliner Verwaltungsgericht hat die Klage eines Mädchens auf Zulassung zum Staats- und Domchor in Berlin abgewiesen. Wie ist der Urteilsspruch gerechtfertigt?

DOMRADIO.DE: In Berlin hatte die Mutter auf gleiche Teilhabe an staatlichen Leistungen und Förderungen geklagt. Hätten Sie diesen Urteilsspruch so erwartet?

Professor Eberhard Metternich (Domkapellmeister und Leiter der Kölner Dommusik): Ich habe es etwas erhofft, da ich auch dafür plädiere, die Gattung Knabenchor zu erhalten.

DOMRADIO.DE: Das klingt dann jetzt so, wie: Sie mögen keine Mädchen.

Metternich: Das ist nicht so. Denn diejenigen, die die Situation bei uns am Kölner Dom kennen, wissen, dass wir neben dem Knabenchor auch einen sehr blühenden Mädchenchor haben.

DOMRADIO.DE: Den haben Sie 1989 selbst gegründet. Aber die Frage ist ja tatsächlich: Was bedeutet dieses Urteil für die Chorlandschaft in Deutschland?

Metternich: So wie ich die Begründung verstanden habe, hat hier quasi die Kunstfreiheit gegenüber dem Diskriminierungsgesetz überwogen. Das ist natürlich etwas heikel, aber es spricht dafür, dass die Gattung Knabenchor und dieser besondere Klang der Knabenchöre als eine künstlerische Form gewürdigt worden ist. Das ist erst einmal gut.

DOMRADIO.DE: Das heißt, da sagt man einfach, die Stimme von einem Mädchen passt gesanglich in einen Knabenchor nicht rein, oder wie es das?

Metternich: Das sagt man nicht unbedingt. Wenn sich aber ein Chorleiter das spezifische Klangideal eines Knabenchors sucht, kann er den Chor ausschließlich auf Jungs begrenzen.

DOMRADIO.DE: Sie finden das richtig, dass es getrennte Knaben- und Mädchenchöre gibt. Warum noch?

Metternich: Neben dem künstlerischen Aspekt ist der soziale oder auch der pädagogische Gedanke für mich besonders wichtig. Das hängt aber auch mit den Erfahrungen zusammen, die wir hier in Köln machen. Knaben und Mädchen werden in der Schule zusammen unterrichtet und lernen die Basics gemeinsam. Aber bis zur Pubertät gehen sie getrennte Wege. Das sorgt dafür, dass jeder Chor ein eigenes Profil bekommt.

Und wenn man sich überlegt, dass ein Mädchen mit zehn oder elf in einen Knabenchor einsteigt, wird es ein paar Jahre später mit gleichaltrigen Jungs singen, die inzwischen die Männerstimmen – Tenor und Bass – haben. Das passt bei uns nicht. Deswegen haben wir unseren Mädchenchor ja so aufgestellt, dass die Altersspanne nicht zu groß wird.

DOMRADIO.DE: Seit vielen Jahren gibt es den Mädchenchor am Kölner Dom. Wie ist das denn eigentlich in Berlin? Dieses Mädchen darf in diesem Knabenchor abgelehnt werden, so hat das Gericht entschieden. Heißt das, dass sie tatsächlich nicht von einer gesangsausbildlichen Förderung profitieren kann? 

Metternich: Ich kenne die Situation in Berlin jetzt nicht ganz genau, aber es ist so, dass der Knabenchor, der Staats- und Domchor von der Universität der Künste getragen wird. Die Universität der Künste unterhält keinen Mädchenchor auf gleichem Niveau. Das ist der Unterschied zu uns in Köln, wo der Dom beide Chöre trägt.

Aber der Leiter des Staats- und Domchores leitet auch die Singakademie zu Berlin. Aus dem Grund hat er bewusst ein entsprechendes Angebot für Mädchen geschaffen. Unter dem Dach der Singakademie gibt es einen Mädchenchor. Dort haben die Mädchen eine vergleichbare Ausbildung, wie sie die Jungs beim Staats- und Domchor bekommen.

DOMRADIO.DE: Jetzt ist dieses heutige Urteil wegen der besonderen Bedeutung nochmal für eine Berufung in der nächsten Instanz zugelassen worden. Finden Sie das gut oder schlecht?

Metternich: Auf der einen Seite würde ich mich freuen, wenn wieder etwas Ruhe in die ganze Diskussion kommen würde, weil man sich da schon so ein bisschen erhitzt hat. Auf der anderen Seite dient es auch dazu, der Bedeutung des Chorgesangs für Kinder und Jugendliche ein bisschen Öffentlichkeit zu verschaffen. Dann sieht man mal, was für eine tolle Arbeit dort geleistet wird.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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