Ein Besucher des Musikfestivals "Wacken Open Air"
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Heavy-Metal-Festival in Wacken
Heavy-Metal-Festival in Wacken

01.08.2019

Religionswissenschaftlerin über christliche Botschaften im Heavy Metal "Kein Widerspruch"

"Es gibt Bands, die ganz klar christliche Botschaften vermitteln", meint die Religionswissenschaftlerin Anna-Katharina Höpflinger, die das Verhältnis von Heavy Metal und Religion erforscht. Beide beschäftigen sich mit den Schattenseiten des Lebens.

DOMRADIO.DE: 75.000 Menschen sind beim größten Heavy-Metal Festival der Welt. Symbole, die man dort häufig sieht sind der Teufelsanbeter, Teufelshörner, umgedrehte Kreuze und Totenköpfe. Trotzdem hat Heavy Metal nichts gegen das Christentum. Es gibt sogar Zusammenhänge, sagen Sie. Wie sieht die aus?

Dr. Anna-Katharina Höpflinger (Religionswissenschaftlerin an der Ludwig-Maximilians-Universität München): Ja, es gibt christlichen Metal. Und es gibt auch sonst ein sehr reges Wechselspiel zwischen Metal und Religion. Nicht jede Band ist automatisch satanistisch oder böse.

DOMRADIO.DE: Wie sieht dieses Wechselspiel aus?

Höpflinger: Viele Bands nehmen religiöse Botschaften auf – von christlichen bis zu hinduistischen Motiven. Es gibt Bands, die ganz klar christliche Botschaften vermitteln. Oder es gibt zum Beispiel Bands, die Weihnachtslieder covern.

DOMRADIO.DE: Die Band Black Sabbath mit Ozzy Osbourne hat Fledermäusen den Kopf abgebissen. Es gibt weitere Geschichten von Bands, die ihr Publikum mit Schweineblut bespritzen. Und natürlich das umgedrehte Kreuz. Spricht das alles nicht eher gegen das Christentum?

Höpflinger: Beim Heavy Metal gibt es wirklich alles. Und natürlich gibt es auch Bands, die wirklich zur "Church of Satan" gehören – aber eben nicht alle. Der Gedanke, dass quasi der ganze Metal so mächtig sei, stammt eigentlich aus den 80er Jahren. Dort gab es in den USA so eine Art "moral panic" also eine moralische Panik, die die Idee hat, dass Heavy Metal die Jugend verführe. Heavy Metal solle nicht nur zu Sekten und bösem Okkultismus, sondern auch zum zügellosen Sex, zu Gewalt oder in Drogen führen. Damals wurde auch eine Liste herausgegeben mit den fünfzehn schlimmsten Bands, neun davon sind wirklich Heavy Metal Bands auf dieser Liste.

DOMRADIO.DE: Aber es gibt auch das Gegenargument, dass Bands tatsächlich mit christlichen Botschaften auftreten. Früher hat man das als "White Metal", also weißen Metal bezeichnet. Das ist nicht mehr ganz zeitgemäß, oder?

Höpflinger: Heute spricht man eher vom christlichen Metal. Das Interessante an diesen christlichen Metal ist, dass er die ganzen Genres übergreift. Es gibt klassischen Power Metal, es gibt christlichen Black Metal, Death Metal, christlichen Metal und so weiter. Dahinter steckt eine relativ aktive junge Szene, die auch sehr gut organisiert ist.

DOMRADIO.DE: Was für Leute hören sich das an?

Höpflinger: Das sind in der Regel christliche Jugendliche, vielfach aus Freikirchen – aber nicht nur. Das sind Leute, die eher sagen, sie möchten gerne eine positive Botschaft hinter den Liedern haben. Wenn man dann genauer auf die Lieder schaut, sieht man die Botschaft ist nicht unbedingt positiver als bei klassischen Bands. Aber es ist eine Botschaft, die sich mit dem Christentum auseinandersetzt, vielleicht zu einem besseren Leben aufruft und auch moralisch ein wenig den Fingerzeig legt.

DOMRADIO.DE: Das klassische Vorurteil gegenüber Metal ist, dass sich die Fans den Text gar nicht anhören. Kommt es dann überhaupt auf den Text an?

Höpflinger: Es gibt Bands, da kann man die Texte mitsingen, auch mit schreien und jubeln. Und natürlich gibt Bands im extremeren Bereich, wie im Black Metal. Da versteht man die Texte nicht. Aber die Fans beschäftigen sich schon damit, sie lesen das auch und kennen sich aus.

DOMRADIO.DE: Jetzt sind Sie Wissenschaftlerin an der Universität in München und befassen sich seit über zehn Jahren mit dieser Frage, Religion und Heavy Metal. Was erlebt man da eigentlich, wenn man auf Konzerte geht?

Höpflinger: In Bezug auf Religion gab es ein Erlebnis, das hat mich wirklich sehr beeindruckt. Das war ein weiblicher Fan, die mir gesagt hat, dass diese sehr radikale Musik ihr helfe mit dem Tod ihres Bruders umzugehen. Die Musik mache sie irgendwie ruhig, bringe sie herunter von ihrem Alltagsstress und ermögliche sich mit den Schattenseiten des Lebens zu beschäftigen. Das war recht eindrücklich.

DOMRADIO.DE: Es gibt auf dem Festival auch Seelsorger und auch einen Gottesdienst. Die Seelsorger selber sagen, dass sie zum Beispiel im vergangenen Jahr über 200 Beratungsgespräche geführt haben. Spielt das auf so einem Festival dann tatsächlich auch eine Rolle?

Höpflinger: Auf jeden Fall, also für beide Seiten ist das eine Riesenchance. Einerseits können auch hier die Kirchen aktiv werden. Aber umgekehrt ist das natürlich ein riesiges Angebot, weil man auf diesem Fest eine Art Auszeit des Alltags erlebt, die ekstatisch ist. Es wird zwar viel Bier konsumiert, das lässt vielleicht auch starke Emotionen herausbrechen.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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