Gemischter Chor Kreuzfidel aus Solingen
Gemischter Chor Kreuzfidel aus Solingen

07.04.2019

Kantor Schruff über Konzerterfolge, Gemeinschaftsgefühl und die neue Lust am Singen „Die Sänger waren begeistert!“

Chorsingen liegt wieder im Trend, vor allem Projektchöre locken Menschen erfolgreich in Proben und Konzerte. Auch kirchliche Chöre sind mit einem abwechslungsreichen Repertoire und Qualität attraktiv.

Zweimal volle Kirchen und begeisterte Besucher. Die Chöre „ConBrio“ und „Kreuzfidel“ aus Solingen haben im November 2018 das berühmte Mozart-Requiem aufgeführt. Den Mitschnitt des Konzertes gibt im Domradio am Sonntag um 20 Uhr zu hören. Einer der beiden musikalischen Leiter ist Michael Schruff. Er ist Kantor an St. Clemens in Solingen und Regionalkantor für die Dekanate Solingen und Leverkusen.

DOMRADIO.DE: Herr Schruff, zusammen mit Ihrem Kollegen Frank Schaab haben Sie das Konzertprogramm einstudiert. War es leicht, die Sänger für das berühmte Requiem von Mozart zu motivieren?

Michael Schruff: Die waren sehr leicht zu motivieren. Wir hatten das Requiem 2007 schon einmal gesungen und viele haben sich darauf gefreut, es noch einmal zu singen. Es ist einfach ein tolles Stück!

DOMRADIO.DE: Zweimal haben Sie das Programm aufgeführt – einmal unter Ihrer Leitung in Solingen, dann hat Ihr Kollege in Leverkusen dirigiert. Wie haben sich denn Ihre Sängerinnen und Sänger nach den Konzerten gefühlt. War da so ein Hochgefühl?

Schruff: Es war ein tolles Erlebnis bei beiden Konzerten. Die Sänger waren wirklich begeistert, vor allen Dingen, weil wir beiden Chorleiter doch zwei recht unterschiedliche Herangehensweisen an die Musik hatten. Wir haben im Vorfeld den Sängern klargemacht, dass es immer zwei verschiedene oder mehrere Möglichkeiten gibt, Musik aufzuführen. Wenn sie sich darauf einlassen, können sie da sehr profitieren, weil es eben verschiedene Interpretationen der Werke gibt.

DOMRADIO.DE: Ihr Chor ist kein Projektchor, sondern probt regelmäßig. Und wie ist es dann, wenn Sie so lange für ein Konzert proben -  gibt's dann auch mal Phasen, wo die Sängerinnen und Sänger nicht mehr so viel Lust haben?

Schruff: Es gab Phasen, in denen wir etwas sehr hart arbeiten mussten, um zu einem Ergebnis zu kommen. Das war beim „Miserere mei“ von Jan Dismas Zelenka der Fall, denn das war deutlich schwieriger als man auf den ersten Blick meint. Mozart ist da im Vergleich ziemlich dankbar. Zelenka war nachher auch toll, aber in der Probenphase war es etwas mühsam

DOMRADIO.DE: Wie lang haben Sie eigentlich an Konzertprogramm geprobt - wie lange hat es gedauert?

Schruff: Wir haben im Frühjahr 2018 damit angefangen. Aber wir als kirchlicher Chor mussten natürlich auch immer wieder andere Auftritte in Gottesdiensten dazwischen schieben, auch „ConBrio“ hat nicht nur für dieses Konzert geprobt.

DOMRADIO.DE: Man hört immer wieder, Chorsingen ist eigentlich wieder total angesagt. Das machen viele Leute aber dann eher in Projektchören. Wie bekommt man denn die Leute motiviert, dann doch mindestens ein halbes Jahr bei der Stange zu bleiben, wenn das Programm so anspruchsvoll ist?

Schruff: Beim Mozart-Requiem weiß jeder, dass das nicht in zwei, drei Wochen einstudiert werden kann. Unser Partnerchor  „ConBrio“ hat es als eigenes Projekt ausgeschrieben. Aber: die haben relativ viele neue Leute darüber bekommen, die auch danach im Chor geblieben sind. Wir haben es nicht als Projekt gemacht, sondern „Kreuzfidel“ lebt auch ein bisschen von der Vielfalt des Repertoires – wir singen von Popmusik über das Requiem bis hin zu A cappella-Sachen in großer Abwechslung – das zieht die Leute an.

Wir machen jedes Jahr ein Konzert, im Wechsel eins mit weltlichem Programm, dann eins mit geistlicher Musik. „ConBrio“ ist da ähnlich, sie singen Gospel, Popliteratur oder auch mal eine lateinische Messe. Wichtig ist auch ein gewisser Anspruch, ein gewisses Leistungsdenken, ohne dass es jetzt in Stress für die Mitglieder ausartet. Bei „Kreuzfidel“ müssen interessierte Sänger vorsingen und haben eine Probezeit. Und wenn das dann passt, dann kann ich die Neusänger dauerhaft aufnehmen.

DOMRADIO.DE: Wie wichtig ist bei aller Musik auch das Thema Chorgemeinschaft?

Schruff: Die Chorgemeinschaft ist wichtig - wir machen einmal im Monat eine Art runden Tisch, wo es dann Getränke und Snacks gibt. Ich glaube, wenn man sich mag, dann steht auch der eine für den anderen ein. Der Klang ist dann ein anderer. Das Miteinander im Chor pflegen wir!

Das Gespräch führte Mathias Peter

Info:

Mitschnitt des Konzerts im Domradio am Sonntag um 20 Uhr in der Sendung "Musica".

Programm:

Jan Dismas Zelenka: Psalmenvertonung „Miserere mei“

Felix Mendelssohn Bartholdy: Motette „Mitten wir im Leben sind“

W. A. Mozart: Requiem in d-moll

(DR)

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