Die 69. Berlinale
Die 69. Berlinale

10.02.2019

Bilanz und Ausblick zur Berlinale Filme ohne Ende

Seit Donnerstag ist die 69. Berlinale in vollem Gange. Filmexpertin Margarete von Schwarzkopf berichtet für DOMRADIO.DE über die spannendsten Filme. Darunter die Geschichte einer Frau, die sich gegen die orthodoxe Kirche auflehnt.

DOMRADIO.DE: Jedes Jahr verbringen ja viele Journalisten und Filmfans mehrere Tage nur in dunklen Räumen. Wie geht es denn Ihnen damit?

Margarete von Schwarzkopf (Literaturexpertin und Autorin): Naja, das ist schon immer ein bisschen mühsam. Vor allem, weil man ja jeden Morgen früh aufstehen muss, um rechtzeitig im Kino zu sein, weil das große Berlinale-Kino ist um halb neun schon rappelvoll und um neun Uhr fangen die Filme an. Da kann man sozusagen damit rechnen, dass man spätestens um acht Uhr aufbricht, dann ist es noch halb dunkel, dann regnet es wie heute in Berlin. Nach ein paar Tagen fängt man an sich ein bisschen nach Licht und Sonne und Spaziergängen zu sehnen.

DOMRADIO.DE: Und es gibt ja ein Angebot, das ist wirklich immens. Filme ohne Ende. Wie wählen Sie aus, was sie da sehen? Sie können ja gar nicht alles gucken.

von Schwarzkopf: Leider überhaupt nicht. Es sind 400 Filme insgesamt. Das große Problem ist, dass ganz viele Filme parallel gezeigt werden an ganz unterschiedlichen Orten. Deshalb schaue ich mir die Wettbewerbsfilme an und ganz gelegentlich mal einen Film aus der Sektion Panorama. Aber ich schaffe zurzeit gerade noch die Wettbewerbsfilme – das sind drei bis vier Filme am Tag. Mehr kriege ich nicht hin, weil man sonst durch halb Berlin fahren müsste, und die Stadt ist ja bekanntlich nicht klein.

DOMRADIO.DE: Welche Filme haben Sie gesehen, die Sie direkt begeistert haben?

von Schwarzkopf: Ich habe heute Morgen einen Film gesehen, den ich außerordentlich überraschend und schön fand. Es ist ein Film aus dem Land, das jetzt Nordmazedonien heißt, nicht mehr Mazedonien. Es ist die Geschichte einer jungen Frau, die gegen sämtliche Regeln verstößt. Sie springt nämlich bei einem religiösen Ritual, wo ein Kreuz aus einem Fluss geholt werden muss, mit vielen jungen Männern zusammen ins Wasser – Frauen dürfen das nicht. Sie holt das Kreuz aus dem Wasser und damit setzt sie eine Lawine in Gang. Man protestiert gegen sie, man hetzt sie, man jagt sie.

Sie hat sozusagen damit alle Gesetze der orthodoxen Kirche verletzt. Aber diese Frau hält durch. Es ist ein ganz wunderbarer, humorvoller, warmherziger Film mit dem schönen Titel "Gott existiert, ihr Name ist Petrunya". Und es ist ein Film, der auch ein bisschen satirisch mit der Gesellschaft in Mazedonien umspringt, auch ein bisschen Kritik an der orthodoxen Kirche äußert, aber insgesamt einfach das Porträt einer wunderbaren, starken, jungen Frau von 32 Jahren ist.

DOMRADIO.DE: Da verlässt man das Kino mit einem Lächeln, wenn man so einen schönen Film gesehen hat. Wann sind Sie denn aus einem Film gegangen und haben gedacht, der Film lässt mich eher ratlos zurück?

von Schwarzkopf: Das ist der Film von Fatih Akin, "Der goldene Handschuh", über den ja auch viel gesprochen wird. Das ist eine so grausame und gewalttätige Geschichte, die wirklich auch hartgesottene Kinozuschauer, die zum Beispiel Quentin Tarantino kennen, ein bisschen in Entsetzen versetzt. Da geht es um den Frauenmörder Fritz Honka, der in den 70er Jahren in Hamburg ganz traurige Frauen, die am Rande ihrer Existenz gelebt haben, aufgegriffen hat, grauenhaft behandelt, unter Alkohol gesetzt – es waren alles Alkoholikerinnen – und sie dann auf die schlimmste Art umgebracht hat.

Und dieser Film ist so direkt und so gewalttätig und es spritzt so viel Blut, dass man nur sagen kann: Was Akin damit wollte, weiß ich nicht. Der Hauptdarsteller ist hervorragend. Aber als ich aus dem Film herausging, da muss ich ehrlich sagen, hab ich erstmal einen starken Kaffee trinken müssen.

DOMRADIO.DE: Welche Filme kommen denn jetzt noch bei Ihnen im Programm?

von Schwarzkopf: Eine ganze Reihe von Filmen, auch Film von unbekannteren Darstellern und Regisseuren. Am Montag sehe ich mir "Der zweite Mann" an, ein Film über Dick Cheney. Der ist hochinteressant, denn Christian Beile, der auch zum Festival kommt, hat für diesen Film fast hundert Pfund zugenommen, um diesen Dick Cheney, den früheren Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten, spielen zu können. Auf den Film bin ich gespannt und auf einen Film von Agnieszka Holland, einer der großen polnischen Regisseurinnen. "Mister Jones" ist die Geschichte eines jungen Fotografen, der in den dreißiger Jahren in die Ukraine gereist ist und dort unglaubliche Bilder von Elend, von Krieg, von Unterdrückung und vom Stalinismus gemacht hat. Es ist natürlich spannend, wenn eine polnische Regisseurin so einen Film macht. Er hat sehr gute Schauspieler und heute Abend ist Premiere. Und da bin ich mal sehr gespannt.

Das Interview führte Beatrice von Steinecke.

(DR)

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