Laternenumzug zu Sankt Martin
Laternenumzug zu Sankt Martin
Sankt Martin auf dem Pferd
Sankt Martin auf dem Pferd

09.11.2018

Experte: Sankt Martin heimatlichste Tradition im Rheinland Vom Heiligen Martin Gelassenheit lernen

Das rheinische Martinsfest am 11. November hat eine fest verankerte und lange Traditon im Rheinland, so René Bongartz. Er ist mitverantwortlich dafür, dass das Martinsfest als immaterielles Kulturerbe von Nordrhein-Westfalen anerkannt wurde.

DOMRADIO.DE: Die Martinsbräuche gibt es schon seit mindestens 150 Jahren und je nach Ortschaft weichen diese Bräuche erheblich voneinander ab. Gehört die Mantelteilung immer zum Standard?

René Bongartz (Sankt Martins-Experte und Mitinitiator des Kulturerbes Sankt Martin): Ja, die Mantelteilung ist eines von fünf Elementen, die tatsächlich - quer durchs Land zwischen Rhein, Maas und der Voreifel - überall eine Rolle spielen. Da ist natürlich der reitende Martin, gefolgt von dem Fackel- oder Laternenzug. Da ist das große Feuer an dem die Mantelszene gespielt wird. Und da sind die Gaben bzw. die Gabentüte mit Obst, Nüssen, Süßigkeiten oder auch einem Weckmann drin. Diese fünf Elemente gehören fast zwingend dazu.

DOMRADIO.DE: Martin hat seinen Mantel geteilt. In den Martinsbräuchen merken wir, da gibt es noch mehr Elemente der Großzügigkeit, oder?

Bongartz: Ja, darauf basiert das Ganze im Grunde genommen. Das hat interessanterweise nicht einmal alles mit dem Heiligen Martin zu tun, der vor 1.600 Jahren seinen Mantel geteilt hat, sondern er geht auf ältere Bräuche zurück, die dann mit Sankt Martin zusammengekommen sind. Man kennt heute noch - je nach Region heißt das unterschiedlich "heischen" oder "gribschen" - das Singen an den Türen. Dieses Singen wurde damals von den Kindern und Jugendlichen am Namenstag des Heiligen Martin ausgeführt, am Tag vor dem Winterfasten bzw. Adventfasten. Da waren die Leute großzügig, denn da mussten ohnehin die übrigen Lebensmittel, die man während der Fastenzeit nicht mehr verzehren konnte, aufgebraucht werden. Diese wurden zum Beispiel in Form von Gebäck aufgebacken, von süßem Gebäck. Das wurde dann an die Kinder und Jugendlichen verteilt, wenn sie an den Türen singen kamen. Diesen Brauch gibt es heute noch.

DOMRADIO.DE: Zur Erklärung: Die Adventszeit war früher auch Fastenzeit, deshalb mussten diese Lebensmittel noch verbraucht werden. Sie haben sich viele Jahre dafür eingesetzt, dass die Sankt Martinsbräuche zum Kulturerbe werden, unter anderem wegen der Großzügigkeit des Sankt Martins?

Bongartz: Vor allen Dingen wegen des persönlichen Bezugs und weil es sicher die heimatlichste Tradition ist, die wir hier im Rheinland haben. Wir haben verschiedene Traditionen im Rheinland. Entscheidend ist aber, dass manch alte Traditionen nur von einigen Gruppen gefeiert werden. Sankt Martin wird jedoch in jedem Ort quer durch alle Generationen und durch alle Schichten hindurch begangen. Deshalb ist das die heimatlichste Tradition des Rheinlands. Bei mir kommt da noch ein ganz persönlicher Bezug hinzu, weil ich schon sehr früh als Kind bei uns im Ort mitmachen durfte bei der Martinstradition.

DOMRADIO.DE: Saßen sie auf dem Pferd?

Bongartz: Nein, auf dem Pferd habe ich nie gesessen. Aber dafür durfte ich dann in Viersen-Bockert 27 Jahre lang den armen Mann spielen.

DOMRADIO.DE: Wenn wir jetzt die großzügigen Taten des Soldaten Martin von damals in die heutige Zeit holen, was kann man davon mitnehmen? Was empfehlen Sie uns als Sankt Martins-Experte?

Bongartz: Mantelteilen können wir heutzutage nicht mehr. Aber was ich am Heiligen Martin sehr faszinierend finde, ist dass er den Mantel geteilt hat, ohne dass ihn das aufgewühlt hätte. Für ihn war teilen bzw. großzügig sein selbstverständlich. Er hat gesehen, da ist jemand, der meiner Hilfe bedarf. Das hat er in aller Ruhe und in aller Selbstverständlichkeit gemacht. Vielleicht können wir uns ein gutes Stück davon mitnehmen. Wenn wir heute durch den Alltag gehen, bewegt uns vieles. Wir leben in einer hektischen Zeit. Auch das Teilen, was ja heute durchaus noch stattfindet, hat viel mit Aufgewühltheit zu tun. Martin war gelassen, geerdet, sagt man. Vielleicht sollten wir dieses Teilen aus uns selbst heraus viel gelassener, viel ruhiger nehmen. Ich glaube, das wäre eine tolle Sache und die kann uns Martin heute immer noch vermitteln.

Das Gespräch führte Tobias Fricke.

(DR)

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