Pfarrer Tonio Niederegger (Maximilian Grill, r.) in dem Film "Tonio und Julia"
Pfarrer Tonio Niederegger (Maximilian Grill, r.) in dem Film "Tonio und Julia"
Pfarrer Tonio Niederegger (Maximilian Grill) und Familientherapeutin Julia Schindel (Oona Devi Liebich)
Pfarrer Tonio Niederegger (Maximilian Grill) und Familientherapeutin Julia Schindel (Oona Devi Liebich)

12.04.2018

Wenn Schauspieler in die Priester-Rolle schlüpfen "Das macht etwas mit einem"

Das Leben eines Pfarrers ist vielseitig und oft von Einsamkeit geprägt, so der Schauspieler Maximilian Grill. Er spielt in dem zweiteiligen ZDF-Film "Tonio und Julia" den Pfarrer Tonio in einer katholischen Gemeinde in Bayern. 

DOMRADIO.DE: Sie spielen in dem ZDF-Film, der diesen und nächsten Donnerstagabend um 20.15Uhr ausgestrahlt wird, einen Mann, der sein komplettes Leben dem Glauben widmet. Was dachten Sie anfangs, als Sie diese Rolle angeboten bekommen haben? 

Maximilian Grill (Schauspieler): Spannend, das habe ich als erstes gedacht. Für mich ist es so, dass Figuren, die weit von mir weg sind, am spannendsten sind. Und diese Figur war weit von mir weg, und ich finde es wahnsinnig interessant, das zu ergründen und zu erforschen. 

DOMRADIO.DE: Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet?

Grill: Ich habe gelesen, ich habe recherchiert und ich hatte großes Glück mit dem Tölzer Pfarrer, dem Pfarrer Demmelmair, der mir da zur Seite stand. Ich habe mich einfach informiert und herausgefunden, was die ganzen Aufgaben eines Pfarrers sind. Das ist nämlich viel mehr als man denkt. Der ist ja nicht nur Pfarrer, hält die Predigt und nimmt die Beichte ab. Er ist auch Hausmeister, Verwaltungsdirektor und Organisator. Er hat unheimlich viele Aufgaben. 

DOMRADIO.DE: Und ein Pfarrer ist natürlich jemand, der allein lebt, Sie haben Familie. Wie ist das, sich in so eine Person herein zu versetzen? In einen jungen katholischen Pfarrer? 

Grill: Das ist der spannendste Teil, wie ein junger Mann sich dazu entschließen kann, diesen Teil aus seinem Leben auszusparen oder sich davon zu verabschieden. Dieser Teil des Zölibats war für mich der spannendste, das war die eine Sache. Die andere, das habe ich durch meine Recherchen herausgefunden, ist, dass die Einsamkeit einfach ein großes Thema ist in dem Leben eines Pfarrers. Meine Figur hat Glück, er lebt in seiner Heimat und in seiner Gemeinde, das ist selten. Denn Pfarrer werden durch die Gegend geschickt, haben dann irgendwo eine Dienstwohnung und sind oft sehr allein. Das ist bei meiner Figur anders, er ist eingebettet in seinen Freundeskreis und er lebt mit seinem Vater zusammen. Das ist sehr ungewöhnlich und ein Unterschied zum echten Pfarrerleben.

DOMRADIO.DE: Das Ganze spielt in einer katholischen Gemeinde in Bayern. Bei Bayern liegt die Frage nah: Wie streng ist die Gemeinde?

Grill: Naja, Tonio ist ein junger Pfarrer. Er nimmt sein Amt sehr ernst, er ist ganz fest in seinem Glauben und für seine Gemeinde da. Aber in unserer Gemeinde darf es auch mal lustig sein, es gibt schon auch Situationskomik. Das ist unter anderem auch das, was mich an der Rolle interessiert hat. Die Spielseite gefällt mir einfach gut. Es gibt viele Verwicklungen, lustige Situationen und ich glaube Beziehungen, die das schon befördern. Denn da gibt es einiges zu klären zwischen uns.

DOMRADIO.DE: "Tonio und Julia" klingt verdächtig nach Romeo und Julia, wird es ähnlich dramatisch?

Grill: Ja, es wird ähnlich dramatisch. Denn die Thematik ist natürlich ähnlich, daran ist die Handlung ja auch angelehnt. Es sind zwei, die haben eine Vergangenheit miteinander aus ihrer Jugend, gehen dann völlig verschiedene Wege, treffen später wieder aufeinander. Und die Frage ist, wie geht man emotional um mit dem, was da noch da ist. Mit der Sehnsucht, die auch bei beiden Figuren da ist. Sie dürfen aber nicht so ganz zueinander kommen, insofern ist das ähnlich.

DOMRADIO.DE: Nachdem Sie den katholischen Pfarrer gespielt haben, hat sich auch etwas an Ihrer Wahrnehmung geändert? Sind Sie für kirchliche Themen nun empfänglicher?

Grill: Der Glaube an sich ist für mich sowieso ein Thema, vielleicht nicht unbedingt im institutionellen Sinne, aber Glaube ist ein zentrales Thema in meinem Leben. Was an der Arbeit für mich besonders war, dass ich im Kirchenraum gearbeitet habe. Auch das Kostüm für meine Figur, die Gewänder für den Pfarrer, das macht etwas mit einem, man merkt schon, wo diese Tradition herkommt und was das auch für eine Kraft haben kann. Es entstehen eine gewisse Ehrfurcht und Respekt vor dem Amt, aber es passiert auch auf körperlicher Ebene etwas. Wenn ich dieses Gewand trage, richte ich mich anders auf – ich weiß auch nicht warum – und ich versuche, dieses Gewand einfach zu füllen.

Das Interview führte Silvia Ochlast. 

(DR)

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