Szene aus dem Film "Maria Magdalena"
Szene aus dem Film "Maria Magdalena"

12.03.2018

Filmexperte empfiehlt anlaufenden Kinofilm "Maria Magdalena" "Ganz im Geiste der Bibel"

Am kommenden Donnerstag kommt der Film "Maria Magdalena" in die deutschen Kinos. Warum er sehenswert ist und dabei hilft, eine wichtige Frau des Neuen Testaments zu verstehen, verrät Filmexperte Peter Hasenberg. 

DOMRADIO.DE: Wir wissen eigentlich gar nicht richtig viel über Maria Magdalena. Wie hat der Regisseur denn eine ganze Spielfilmlänge zusammen bekommen? Hat er da viel erfunden?

Peter Hasenberg (Filmexperte bei der Deutschen Bischofskonferenz): Man muss sagen, dass einiges dazu erfunden worden ist. In der Bibel erfahren wir nur sehr wenig über Maria Magdalena. Es wird einmal erwähnt, dass sie eine Frau war, der sieben Dämonen ausgetrieben wurden. Dann hat sie ihren großen Auftritt unter dem Kreuz und natürlich am leeren Grab als Zeugin der Auferstehung. Das sind die Kernbestandteile, die der Film nutzt.

Darum hat der Regisseur eine Geschichte entwickelt, die mit der Zeit beginnt, bevor Maria Magdalena zu Jesus kommt. Der Regisseur versucht, dem Zuschauer diese Figur nahezubringen. Man kann sagen, dass vieles nicht durch die Bibel abgesichert ist. Aber ich denke dass das, was die Drehbuchautoren erfunden haben, ganz im Geist der Bibel ist - nicht spekulativ - und sie der Figur nicht irgendetwas andichten. Von daher ist die Geschichte um Maria Magdalena eine gute Erfindung, die vielleicht dabei hilft, das, was in der Bibel zugrunde gelegt ist, in neuer Weise zu sehen.

DOMRADIO.DE: Wie wird Maria Magdalena denn im Film dargestellt? Eher als eine selbstbewusste Frau oder eher still und untergeordnet?

Hasenberg: Sie ist schon eine selbstbewusste Frau. Es beginnt damit, dass sie als junge Frau eine Berufung in sich spürt. Sie weiß für sich, dass sie den Weg der Ehe und der Familie nicht gehen kann. Das ist nicht der Weg, den sie für sich vorgezeichnet sieht. Man sieht am Anfang eine Szene, wo sie einer Frau hilft, die eine schwere Geburt hat und sie legt sich neben diese Frau, um ihr zu helfen. Es ist allgemein bekannt im Dorf, dass sie auch besondere heilende Kräfte besitzt.

Sie sucht immer die Beziehung zu Gott – auch schon bevor sie Jesus begegnet. Als sie Jesus begegnet, findet sie dann endlich ihren Weg und ihre Bestimmung. Sie muss sich aber auch durchsetzten. Die Familie ist völlig entsetzt, dass sie nicht heiraten will und lässt daher eine Teufelsaustreibung vornehmen. Auch die Apostel sind nicht begeistert, dass nun eine Frau mit ihnen zieht und sie meinen, dass dies Gerede geben wird. Maria Magdalena ist sehr auf Jesus fixiert. Sie ist eine ruhige Person, eine, die durch ihre große innere Kraft und ihre Spiritualität strahlt und nicht dadurch, dass sie stark agiert.

DOMRADIO.DE: Sie haben gerade die Ängste der Apostel vor Gerede angesprochen. Tatsächlich hat es dann im Nachhinein sehr viel Gerede gegeben. Es ist richtig Tradition, Maria Magdalena als Sünderin und Prostituierte darzustellen. Woher kommt das?

Hasenberg: Das ist eine Tradition, die sich daraus ergibt, dass man eine Stelle aus dem Lukasevangelium interpretiert hat. Da gibt es die Geschichte einer Prostituierten, die zu Jesus kommt, ihm die Füße mit kostbarem Öl salbt und mit ihren Haaren abtrocknet. Diese Person, die dort gar nicht namentlich bezeichnet ist, hat man mit Maria Magdalena identifiziert. Natürlich auch um dieser Figur, die in der Bibel wenig vorkommt, noch mehr Geschichte zu geben. Das ist eine Tradition, die es gibt.

Es gibt aber auch noch eine Tradition, die durchaus alt ist und die schon bei den Kirchenvätern Hippolyt oder Augustinus vorkommt. Hier geht es darum, dass man Maria aufgrund ihrer Funktion, die Erstzeugin am Grab zu sein und der Funktion die Erste, die die Botschaft der Auferstehung weiterträgt, gerecht zu werden, mit dem Ehrentitel Apostelin der Apostel bezeichnet. Das ist auch der Titel, den ein Dekret der Kongregation für den Gottesdienst, hat. Dieses Dekret ist 2016 auf ausdrücklichen Wunsch von Papst Franziskus veröffentlicht worden. Es erhebt den 22. Juli als ein Gedenktag der Maria Magdalena zu einem Kirchenfest von eigenem Rang. Das ist nochmal eine Bestätigung, dass man Maria als auf einer Ebene mit den Aposteln stehend offiziell anerkennt. Auf dieses Dekret bezieht sich der Film auch in seinem Abspann.

DOMRADIO.DE: Der Film dreht sich um Maria Magdalena. Jesus selbst ist eher eine Nebenrolle. Das ist eine sehr ungewöhnliche Perspektive. Was ist die tiefere Botschaft des Films?

Hasenberg: Es geht um diese Figur Maria Magdalena. Es geht um Berufung. Zentrales Thema ist auch das Reich Gottes. Im Film gibt es darüber unterschiedliche Auffassungen. Die Apostel sind größtenteils der Auffassung, dass es eine Revolution geben wird, die Römer vertrieben werden und Jesus ein neues Reich aufbauen wird.

Maria Magdalena sieht das Reich Gottes als ein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit und das im Herzen eines jeden Menschen ist. Jeder ist gefragt, dieses Reich umzusetzen. Jeder ist in der Verantwortung. Das ist auch die Botschaft des Films: Es geht um das Reich Gottes und da sind wir alle gefragt.

Das Gespräch führte Hilde Regeniter.

(DR)

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