09.02.2018

In den USA werden Kirchen zu Brauereien "Herr, segne diese Fässer"

Kreative Gastwirte entdecken leerstehende US-Kirchen und eröffnen darin Pubs. Der Klerus ist gespalten über die "Beer Churches". Viele Priester reagieren gereizt; andere segnen die kühne Kombination aus Altar und Tresen.

Statt der Heiligen Kommunion gibt es in der "Johannes der Täufer"-Kirche Frischgebrautes. Aus den Fässern des ehemaligen katholischen Gotteshauses in der alten Industriestadt im Herzen des Rostgürtels strömen wahlweise "Frommer Mönch Dunkel", "Orgelpfeifen-Pale Ale", "Celestial Gold" oder andere preisgekrönte Gerstensäfte, die die Stimmung heben: gebraut vom Team der "Church Brew Works".

"Kirchen nicht zu einem Spirituosenladen machen"

Das passt zum Selbstverständnis von Sean Casey, der die Kirche nach drei Jahren Leerstand kaufte und sie 1996 wieder mit Leben erfüllte. Abgesehen davon, dass sie erschwinglich war, erinnerte Casey das Interieur an bayrische Bierlokale, die er aus München kannte. Andenken an diese Zeit hängen überall im Kirchenschiff.

Das Gotteshaus hat er seither sorgfältig renoviert. Der fünf Jahrzehnte unter Sperrholz versteckte Boden der Kirche von 1902 wurde wieder hervorgeholt. Die alte Beleuchtung blieb erhalten, ebenso wie die Buntglasfenster. Der Sudkessel steht nun dort, wo mal der Altar war.

Der Laden läuft - aber die Katholiken der Diözese waren entsetzt. In ihrem Sprengel blieb die Bierkirche eine Ausnahme. Andere leerstehende Gotteshäuser bekamen keinen Segen mehr für Alkoholausschank unterm Kreuz. "Wir wollen Kirchen nicht zu einem Spirituosenladen machen", so der Sprecher der Erzdiözese Cincinnati, Michael Schafer.       

"Bierkirchen" sind auf dem Vormarsch

Doch anderswo in den USA startet "The Church Brew Works" einen Trend, wie er zuletzt mit der Mikrobrauerei-Bewegung in den USA zu bemerken war. Bierkirchen sind jetzt regelrecht auf dem Vormarsch. Mindestens zehn neue Ex-Gotteshäuser mit Schanklizenz wurden seit 2011 eröffnet. Im nächsten Jahr stehen vier weitere vor ihrem Debüt. Schon richtig bekannt ist etwa "Taft's Ale House" in Cincinnati. Die Adresse ist die der ältesten protestantischen Gemeinde vor Ort.

Besonders gewagt ist "Pater Johns Mikrobrauerei" in Bryan, Ohio - allein schon wegen des Namens: Die "Heavenly, Devilish Brewing Company", die himmlisch-teuflische Brauerei, wird seit 2013 von einem pensioniertem Kieferchirurgen betrieben. Der hatte im Zuge der Renovierung eine Krypta entdeckt, die nun - mit einer Glasplatte abgedeckt - der biertrinkenden Kundschaft freie Sicht auf den Sarg gewährt.

Religiöse Menschen mag es beim Gedanken an dieses Szenario schauern - doch längst haben liberale Religionsführer Bier als alltäglichen Lebensbegleiter der Menschen akzeptiert und auch kreative Formen des Dialogs mit eher Kirchenfremden entdeckt. Es geht um den Kontakt der Kirche zu den Menschen, da wo sie sind.

"Ehrliche Zusammenkünfte ermöglichen"

Dafür hat Susan Sparks bereits vor Jahren "Bier und Bibel"-Versammlungen abgehalten. Die New Yorker Pastorin berichtete der "Huffington Post", Trinken zu fördern liege ihr fern. Aber "ehrliche Zusammenkünfte zu ermöglichen, wo Essen und Trinken genossen werden", sei wichtig, "um familiäre Geborgenheit zu finden."

Der auf den ersten Blick wenig fromme Trend zur Kirchenbrauerei ist auch eine Reaktion auf eine Phase großer Kirchenfusionen in den USA. Gemeinden, die auf der Strecke blieben, ließen leere Kirchen zurück, die am Ende zum Verkauf stehen. Und die sind für den Neubesitzer nicht gerade einfach zu renovieren.

Die großflächigen Buntglasscheiben, die riesigen Gewölbe lassen sich schwer etwa in Eigentumswohnungen aufteilen. Hinzu kommt der Denkmalschutz mit seinen Auflagen. Was für die private Nutzung als Wohnraum nicht funktioniert, verleiht einem großzügigen Ausschank erst richtig Charme.   

Auch Geistliche sind Stammgäste

Und dem erliegen auch fromme Gottesmänner, wie Sean Casey weiß. Der Wirt vom "Church Brew Works" in Pittsburgh zählt auch Geistliche zu seinen Stammkunden, die gern mal "ein Pint zischen". Der katholische Pfarrer John Kroeger ging sogar so weit, dem "Taft's Ale House" in Cincinnati persönlich seinen Segen zu erteilen.

In der 167 Jahre alten protestantischen Pauluskirche zeigte er nicht nur ökumenische Qualitäten. TV-Bilder belegen, wie konkret der Gottesmann wurde: "Herr, segne diese Fässer und jedes Fass, das hier gebraut wird", sagte er - und schloss alle früheren, aktuellen und künftigen Besucher in seine Fürbitte ein.

Thomas Spang

(KNA)

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