"Sankt Maik": Schauspieler Daniel Donskoy
"Sankt Maik": Schauspieler Daniel Donskoy

23.01.2018

RTL-Serie "Sankt Maik" über Trickbetrüger mit Herz Plötzlich Priester

Seit "Oh Gott, Herr Pfarrer" haben Geistliche einen festen Platz in TV-Serien. In der RTL-Reihe "Sankt Maik" wird ein Taschendieb plötzlich Priester. Ein interessanter Blick auf Kirche, sagt Norbert Fink, "echter" Pfarrer.

Maik ist ein sympathischer junger Mann mit breitem Lächeln und flinken Fingern. Für seinen Broterwerb als Taschendieb mimt er den seriösen Bahnschaffner. Als er im Zug fast beim Klauen erwischt wird, schlüpft er in die Soutane eines Priesters, der zufällig tot im Abteil sitzt. Auf der Flucht vor der Polizei landet Maik im Dorf Läuterberg, wo man den lang ersehnten neuen Pfarrer freudig empfängt. "Ich war Schaffner, Polizist, Feuerwehrmann - da werde ich wohl noch 'nen Pfarrer hinkriegen", sagt er. Aber das ist nicht so einfach, wie die neue RTL-Serie "Sankt Maik" zeigt.

Zwischen Monstranz und Gangster-Boss

Ab Dienstag (23. Januar, 20.15 Uhr) kann man Maik, gespielt von Daniel Donskoy, dabei zusehen, wie er sich als falscher Priester durchschlägt. Denn mindestens zwei Dinge halten ihn in Läuterberg: die wertvolle Monstranz, durch deren Raub er seine Schulden bei Gangster-Boss Jurek begleichen könnte, und: Eva, die schöne Chorleiterin, im Hauptberuf leider Polizistin.

Das Setting der zehnteiligen "Dramedy" bietet beste Vorlagen für Gags und Klischees rund um Kirche. Das zeigt schon die Aufmachung des falschen Priesters mit Don Camillo-Hut und schwarzer Soutane. "So sahen Pfarrer vor 70 Jahren aus, aber nicht heute", meint der echte Düsseldorfer Geistliche Norbert Fink. Der Jugendseelsorger hat 2016 live vor RTL2-Kameras Daniela Katzenberger und Lucas Cordalis getraut. "Pfarrer Maik" agiere wie ein "Showmaster, der den Laden allein schmeißt", meint der 42-Jährige. "Im Alltag arbeiten wir viel mit anderen Menschen zusammen. Insofern ist das unrealistisch."

Norbert Fink: 

Trotzdem findet Fink, dass die Kirche recht gut weg kommt. Um Bashing gehe es der Serie auch nicht, betont Hauptdarsteller Donskoy: "Wir kritisieren bestimmte Ansichten, sind aber nie blasphemisch", so der 27-Jährige. Ein bisschen erinnert "Sankt Maik" an "Fack ju Göhte", wo ein Kleinkrimineller zufällig Lehrer wird und erstaunliche Talente entwickelt.

Für Fink zeigt die Serie einen interessanten Außenblick auf das, was man der Kirche und ihrem Personal zutraue. "Maik wächst im Verlauf der Handlung über sich selbst hinaus", sagt der Pfarrer. "Aus einem Betrüger, der nur nach möglicher Beute schielt, wird jemand, der sich für andere einsetzt." Zum Beispiel engagiert sich der Neu-Seelsorger für Tim und seine Mutter. Deren fieser Chef lernt dabei die "Faust Gottes" kennen. Am Ende hat die Mutter einen neuen Job - und eine einsame Frau Gesellschaft.

Besonders gut gefallen Fink Gedanken, die sich der "Pfarrer" darüber macht, warum Menschen sonntags in die Kirche gehen: "Suchen sie hier göttliche Hilfe für ihre menschlichen Probleme, weil ihnen ja sonst niemand hilft?", so Maik. "Oder einfach nur das beruhigende Gefühl, wenigstens einen Tag in der Woche nicht alleine zu sein?" Letztlich habe jeder seine eigenen Gründe für den Gottesdienstbesuch. "Das ist gut und sehr ehrlich", findet Fink.

Spiel mit Gegensätzen

Bei allem Klamauk, auf den die Serie auch setzt, sticht eine Szene in der Sakristei besonders hervor: Als Maik sichtlich ergriffen das Messgewand anlegt, wird mit Weichzeichner, Slowmotion und Gegenlicht gearbeitet. "Es ist den Machern gelungen, eine heilige und andächtige Atmosphäre zu schaffen", lobt Fink. "Das Katholische wirkt hier mysteriös und auch anziehend. Ein perfekter Kontrast zur Welt des Trickbetrügers."

Darsteller Donskoy, der selbst Jude ist, hatte große Freude beim Drehen. Und auch, als er seinen Eltern von der Rolle erzählte. "Masel tov (Hebräisch: "Viel Glück"), ein Jude als Pfarrer!", habe seine Mutter ausgerufen.

Alle Register zieht er als Maik in seinem ersten Gottesdienst, der eher zu einem Gospel-Event gerät. "Ich bin zwiegespalten, denn einerseits ist es sehr unrealistisch", urteilt Pfarrer Fink, der selbst gelegentlich in der Kirche rappt. "Aber dabei kommt genau das rüber, was einem Gottesdienst gelingen sollte: Freude zu machen und Menschen zusammenzubringen."

Fink will sich auch die nächsten Folgen anschauen, verspricht er. Und Donskoy ist sehr gespannt auf Reaktionen: "Wenn sich irgendein katholischer Bischof bei mir danach meldet, würde ich Freudensprünge und Saltos machen."

Sabine Kleyboldt
(KNA)