Israel-Museum bietet neue Tour zur "Wiege der Christenheit"

Alte Exponate neu kombiniert

Das Israel-Museum ist längst etabliert. Für seine zahlreichen Stücke frühchristlicher Geschichte hat es nun eine ganz neue Tour konzipiert. Sie führt in zwölf Stationen durch die "Wiege der Christenheit".

Autor/in:
Andrea Krogmann
"Gekreuzigter Knochen" / © Andrea Krogmann (KNA)
"Gekreuzigter Knochen" / © Andrea Krogmann ( KNA )

Großflächig erstreckt sich das Israel-Museum über den Hügel unweit des israelischen Parlaments. Vom weitläufigen Skulpturengarten über den "Schrein des Buches" bis hin zu Dauerausstellungen zu Archäologie, jüdischem Leben und Kunst reicht das Angebot - die vielen Wechselausstellungen nicht eingerechnet. Dass das Museum in seiner Sammlung auch zahlreiche Stücke frühchristlicher Geschichte hat, ist nur den wenigsten bekannt. Eine neu konzipierte Tour soll das nun ändern. In zwölf Stationen führt sie durch die "Wiege der Christenheit".

Neues gibt es dabei im eigentlichen Sinne nicht zu sehen. Spätestens seit der Umgestaltung des Museums 2010 seien alle Ausstellungsstücke Teil der Dauerausstellung, erklärt der leitende Kurator für die hellenistische, römische und byzantinische Zeit, David Mevorach. Neu hingegen ist der Fokus auf Besucher mit spezifisch christlichem Interesse. Sie leitet die Tour in ein bis zwei Stunden gezielt durch das Jerusalem Jesu und der frühen Christen. Ausgewählte Highlights statt des schier erschlagenden Gesamtangebots von 500.000 Exponaten, so das Konzept.

Lebenswelt Jesu zum Leben erwecken

Am berühmten Jerusalem-Modell im Museumsgarten kann sich der Besucher im Maßstab 1:50 ein Bild davon machen, wie jene Stadt und ihre Stätten ausgesehen haben, "durch die Jesus gegangen ist: zum Beispiel die Teiche von Bethesda, an denen Jesus eins seiner Heilungswunder getan hat", sagt David Mevorach. Zweite Station ist der "Schrein des Buches" mit den Schriftrollen von Qumran am Toten Meer, darunter Bibelhandschriften aus der Zeit der Entstehung des Christentums.

Weiter führt die Runde durch die archäologische Sammlung. Inschriften, Amulette und Münzen sollen Bibel und Lebenswelt Jesu zum Leben erwecken. Rekonstruktionen einer byzantinischen Kirche und einer Synagoge aus derselben Zeit illustrieren die Auseinanderentwicklung der beiden Religionen ebenso wie ihre gemeinsamen Wurzeln. Reliquien, Weihwasserfläschchen und andere religiöse Souvenirs zeugen vom frühchristlichen Pilgerwesen.

Spektakuläres in Stein und Gebein

"Es ist extrem selten, dass wir archäologische Funde haben, die historischen Personen zugeordnet werden können. Im Fall von Jesus sind es zwei", sagt Mevorach zu seinen persönlichen Lieblingsstücken.

Ein Ossuarium (Gebeinkasten) trägt die aramäische Inschrift "Josef, Sohn des Kaiphas, des Hohepriesters". Laut dem Kurator sei das "so gut wie sicher" derselbe Kaiphas, dem die Bibel eine maßgebliche Beteiligung an der Verurteilung Jesu zuschreibt. Nicht weniger spektakulär sei die einzige gegenständliche Erwähnung von Pontius Pilatus - auf einem in Cäsarea gefundenen Sandstein, der mutmaßlich einst aus einem Tempel stammte und dann als Stufe eines Theaters seine Zweitverwendung fand.

Potential in der interreligiösen Bildung

Das vielleicht spannendste Stück - ein Fersenbein, durchbohrt von einem langen Eisennagel und laut Mevorach "der einzige Fund eines gekreuzigten Knochens" - ist in der Ausstellung übrigens nur als Replik zu sehen. Das sei dem jüdischen Religionsrecht geschuldet, erläutert der Kurator. Es verbietet den Angehörigen des alten jüdischen Priestergeschlechts "Kohen" jeglichen Kontakt mit dem Tod.

Nicht zuletzt mit Blick auf den Bereich interreligiöse Bildung hat die Ausstellung nach Meinung ihrer Macher Potential. Insbesondere der jüngeren Generation jüdischer Israelis sei oft wenig bekannt darüber, dass ihr Gelobtes Land zugleich die "Kinderstube" einer anderen Religion ist. Mit der "Wiege der Christenheit", so hofft Mevorach, könne auch dem einheimischen Publikum Wissen über die Wurzeln des Christentums vermittelt werden. Mit ihrer Lektion, wie eng verwoben die drei Religionen seien, lade die Ausstellung Menschen ein, die jeweils anderen wahrzunehmen.

Künftig auch auf der Homepage

Selbst hat die neue Tour in ihrer Präsentation noch Luft nach oben: Auf der Website des Museums sucht man das Angebot vergebens. Interessierte können sich stattdessen von einem Museumsexperten führen lassen. Gebucht werden muss im Voraus; die Tour ist kostenlos. Künftig, so das Museum, soll die Route dann auch als PDF auf der Homepage zum Herunterladen angeboten werden.


David Mevorach, Kurator des Israel Museums / © Andrea Krogmann (KNA)
David Mevorach, Kurator des Israel Museums / © Andrea Krogmann ( KNA )
Quelle:
KNA