Eröffnung der Elbphilharmonie
Eröffnung der Elbphilharmonie

11.01.2018

Die Elbphilharmonie ein Jahr nach der Eröffnung Hamburgs gefeiertes Wahrzeichen

Als am 11. Januar 2017 das erste Konzert in der Elbphilharmonie stattfand, waren die Querelen rund um den Bau plötzlich vergessen. Mittlerweile ist sie Hamburgs neues Wahrzeichen und stellt den Michel in den Schatten.

"Und, bist du schon drin gewesen?" - Eine Frage, die sich Hamburger seit einem Jahr öfter stellen. "Ja, es war großartig", antworten die einen, während andere enttäuscht entgegnen: "Nein, ich hab` noch keine Karten bekommen." Die Rede ist von Hamburgs neuem Konzerthaus, der Elbphilharmonie. Am 11. Januar 2017 wurde das architektonische Wunderwerk am Hafen für den Konzertbetrieb eröffnet. Seit seiner Fertigstellung hat es sich vom allseits beklagten "Millionengrab" zum gefeierten Wahrzeichen entwickelt.

Die meisten Hamburger sind stolz auf ihre "Elphi", wie sie liebevoll genannt wird - egal, ob sie das Konzerthaus schon einmal besucht haben oder nicht. Von der Bauzeit, die sich von 3 auf 10 Jahre um mehr als das Dreifache verlängerte, und von den Kosten, die von 77 Millionen Euro auf 789 Millionen Euro ins scheinbar Unendliche anstiegen, ist nicht mehr die Rede. Stattdessen schwärmen Hanseaten und Touristen von dem bezaubernden Äußeren des gläsernen Baus, dessen Dach einer Welle nachempfunden ist, vom wundervollen Hafenpanorama, das sich Besuchern von der Aussichtsplattform bietet, und - nicht zuletzt - von beeindruckenden Konzerten im kleinen wie im großen Saal.

Fast alle bisherigen 600 Konzerte ausverkauft

Das Musikprogramm, das Intendant Christoph Lieben-Seutter im ersten Jahr bot, kann sich sehen lassen: Nach einem Auftakt mit Werken von Beethoven, Messiaen und Wagner wurden inzwischen sämtliche Beethoven-Sinfonien gespielt, ein hochkarätig besetztes Festival lockte mit Musik aus Syrien und noch in der Eröffnungswoche wurde das Oratorium "Arche" von Jörg Widmann uraufgeführt. Große Namen wie Jazz-Pianist Chick Corea, Sitar-Spielerin Anoushka Shankar und Geigerin Anne-Sophie Mutter standen auf dem Programm.

Auch für die laufende Saison 2017/18 haben sich zahlreiche Spitzenensembles angekündigt, darunter The Philadelphia Orchestra und das London Symphony Orchestra. Am 11. Januar, dem Jahrestag des Eröffnungskonzerts, dirigiert der weltbekannte Schwede Herbert Blomstedt das Hausensemble, das NDR Elbphilharmonie Orchester. 

Die bisherigen 600 Konzerte waren nach Angaben der Betreibergesellschaft fast alle ausverkauft. 850.000 Zuhörer lauschten den Aufführungen. Viele von ihnen besuchten Medienberichten zufolge zum ersten Mal ein klassisches Konzert. In den Feuilletons wurde die Elbphilharmonie als "Jahrhundertwerk" und "Klangwunder" gefeiert. Kritik gab es nur vereinzelt, etwa von "Welt"-Autor Manuel Brug: "Liebe Hamburger, Weltklasse geht leider anders" überschrieb er seine Rezension des Eröffnungskonzerts und zeigte sich enttäuscht von der Akustik des großen Saals - ein Beitrag, der schnell vergessen war.

"Elphi" mehr als ein Konzerthaus

Dass die "Elphi" mehr als ein Konzerthaus ist, beweisen die rund 4,5 Millionen Besucher auf der Aussichtsplattform auf dem Dach des ehemaligen Kaispeichers, der sogenannten "Plaza". Beim G20-Gipfel musste das Konzerthaus als Kulisse für ein Gruppenfoto der Staatschefs herhalten, wenig später kam das britische Prinzenpaar William und Kate zu Besuch, und Karl Lagerfeld erkor den großen Saal als Bühne für eine seiner Modenschauen. 

Schaut man auf die Besucherzahlen, so stellt die Elbphilharmonie Hamburgs Hauptkirche Sankt Michaelis, die bislang in vielen Reiseführern als das Wahrzeichen der Hansestadt galt, jährlich aber nur rund 1,5 Millionen Besucher verzeichnet, in den Schatten.

Hauptpastor Alexander Röder sieht das jedoch gelassen: "Die vielen Besucher der Elbphilharmonie, die selbstverständlich auch den Michel als Hamburgs Wahrzeichen besuchen, sorgen dafür, dass beide markanten Bauwerke der Stadt im Licht der Aufmerksamkeit stehen", sagte er. Die Elbphilharmonie ist seiner Auffassung nach "eine große Bereicherung für das Kulturleben" und "weltweit prägend".

So wird der Rausch um das Konzerthaus, das nun bereits seit über zehn Jahren für Schlagzeilen sorgt, vermutlich noch lange anhalten. Eine der begehrten Konzertkarten zu ergattern, ist jedoch nicht einfach: Bei den meisten Veranstaltungen gibt es mehr Nachfragen als Plätze. In diesem Fall entscheidet das Los über die Vergabe der Karten und viele Interessenten gehen leider leer aus.

Michael Althaus
(KNA)

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