Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier
Unvergessen: Heinrich Böll
Unvergessen: Heinrich Böll

17.12.2017

Vor Heinrich Bölls 100. Geburtstag Bundespräsident würdigt Autor

An diesem Donnerstag wäre der in Köln geborene Schriftsteller Heinrich Böll 100 Jahre alt geworden. Für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Anlass, den "tiefgläubigen Katholiken" und Literaturnobelpreisträger vorab zu würdigen.

Böll habe wesentlich dazu beigetragen, "dass man im Ausland wieder angefangen hat, Deutschland zu vertrauen, und im Inland darauf langsam wieder stolz werden konnte", erklärte Steinmeier am Sonntagabend im Berliner Schloss Bellevue."Er mischt sich auch ein, wenn er als tiefgläubiger Katholik erleben muss, wie seine Kirche für parteipolitische Zwecke missbraucht wird, oder wenn seine Kirche dabei ist, ihren Ursprung zu verraten."

Der Deutsche Kulturrat hatte Böll am Wochenende als einen der bedeutendsten deutschsprachigen Nachkriegsautoren des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Die Bedeutung Bölls erschöpfe sich nicht in seinem literarischen Werk, erklärte Geschäftsführer Olaf Zimmermann in Berlin. Er sei "zugleich ein eminent politischer Mensch" gewesen, ein wichtiger "Streiter für Frieden und Versöhnung".

Wegbereiter sozialer Absicherung für Künstler

Böll gehöre auch zu den Wegbereitern einer sozialen Absicherung freiberuflicher Künstler und Publizisten. Die seit mehr als 35 Jahren existierende Künstlersozialkasse gehe auch auf das Engagement von Autoren wie Böll zurück, "die sich mutig und streitbar für bessere Arbeitsbedingungen und die soziale Absicherung der Schriftstellerkollegen einsetzten", erinnerte Zimmermann.

Böll wuchs in Köln auf. Im Zweiten Weltkrieg war er einfacher Soldat und kehrte 1945 aus US-Gefangenschaft nach Köln zurück, wo er ab 1947 erste Texte veröffentlichte. Sein Aufstieg begann, als er 1951 den Preis der "Gruppe 47" erhielt. Bis zu seinem Tod wurde er vielfach ausgezeichnet, neben dem Nobelpreis (1972) unter anderen mit dem Georg-Büchner-Preis (1967), der Carl-von-Ossietzky-Medaille (1974) und der Ehrenbürgerschaft der Stadt Köln (1982). Das Bundesverdienstkreuz lehnte er 1979 ab.

Schon zu Lebzeiten war Böll mit seinen Erzählungen ein Klassiker der Gegenwartsliteratur. Werke wie "Ansichten eines Clowns" (1963) und "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" (1974) wurden Schullektüre. Neben Kurzgeschichten, Satiren und Romanen schrieb Böll Hörspiele und Drehbücher, Theaterstücke und Gedichte. Am 16. Juli 1985 starb der Autor im Alter von 67 Jahren in seinem Haus im Voreifel-Ort Langenbroich.

(KNA, epd)

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