Text in Sütterlinschrift
Text in Sütterlinschrift

20.11.2017

Zum 100. Todestag von Ludwig Sütterlin Schnörkel und Zacken in Schriftform

Sie habe ein Schulheft so korrekt aussehen lassen "wie den Aufmarschplatz einer preußischen Armee", schrieb die "Welt": Etwa 20 Jahre lang war die Sütterlinschrift in Deutschland verbreitet. Heute ist sie fast vergessen.

Ein runder Schnörkel mündet in eine klare Linie, bauchige Zeichen stehen neben kantigen Zacken: im Sütterlin-Alphabet. Die akkurate Gestaltung kommt nicht von ungefähr. Als Ludwig Sütterlin die Handschrift 1911 entwickelte, gab es noch sehr unterschiedliche Schriftarten, was das Schreibenlernen erschwerte. An den Schulen der Weimarer Republik verbreitete sich die schlichte, kinderfreundliche Handschrift, bis sie 1941 von den Nationalsozialisten verboten wurde. An diesem Montag vor 100 Jahren, am 20. November 1917, starb Ludwig Sütterlin.

Lehre zum Lithografen

Bereits nach der Volksschule absolvierte der Sohn eines Kartonagers eine Lehre zum Lithografen. Mit 19 Jahren zog er nach Frankfurt am Main, mit 23 nach Berlin. In der Reichshauptstadt besuchte er am Kunstgewerbemuseum den Unterricht des Historienmalers Max Koch und des Grafikers Emil Doepler, der etwa den neuen deutschen Reichsadler entworfen hatte. In dieser Zeit gestaltete Sütterlin erste Plakate, zum Beispiel für die örtlichen Elektrizitätswerke, außerdem das erste Markenzeichen der Elektrofirma AEG.

Heute noch als stilbildend gilt sein "Hammer-Plakat", das er 1896 für die Berliner Gewerbeausstellung schuf. Auf der monumentalen Lithografie, die in hellem Grau und rötlichem Braun gehalten ist, wächst eine Hand aus erodiertem Boden und reckt einen Hammer. Goldene Säulen und ein tiefblauer Himmel bilden den farbenfrohen Rahmen. Im Hintergrund sind Gebäude mit Kuppeln und Türmen erkennbar - die Stadt Berlin, die damals nach London und Paris ebenfalls eine Weltausstellung ausrichten wollte.

Nach der Jahrhundertwende wurde Sütterlin selbst Lehrer an Fach- und Fortbildungsschulen, ab 1904 auch am Kunstgewerbemuseum. Er entwarf weiterhin Werbegrafiken, gelegentlich zudem Gläser, Vasen, Lederarbeiten und Bucheinbände. 1902 gestaltete er den Buchschmuck der "Marksteine aus der Weltliteratur in Originalschriften" - eine erste Kostprobe als Schriftkünstler.

Entwicklung einer Schriftform

Mit seinem Namen untrennbar verbunden ist jedoch bis heute die Schrift, die Sütterlin 1911 im Auftrag des preußischen Kultusministeriums entwickelte. Diese abgewandelte Form der deutschen Kurrentschrift enthielt keine Schattierungen, alle Linien waren gleich stark ausgeprägt, die Abschnitte der Buchstaben standen im Verhältnis 1:1:1. Ab 1915 führten preußische Schulen die Schrift ein, 1935 wurde sie Teil des offiziellen Lehrplans. Sütterlin selbst erlebte die Verbreitung seiner Idee nicht mehr; er starb 1917.

Anfang 1941 wurden Fraktur- und Sütterlinschrift jedoch verboten. Die Nazis verglichen sie mit der Schwabacher Schrift und verunglimpften sie als "Schwabacher Judenlettern". Historiker vermuten heute einen anderen Grund für das Verbot, nämlich den, dass die Menschen in den besetzten Kriegsgebieten die Anweisungen der Nationalsozialisten lesen können sollten - was in der deutschen Schrift nicht überall möglich gewesen wäre.

Heute ist das Sütterlin-Alphabet fast vergessen. In vielen Städten gibt es jedoch Sütterlin-Stuben, in denen Ehrenamtliche alte Dokumente in die heutige Schrift übertragen. Gegen Spenden widmen sie sich oftmals Tagebüchern oder Rezeptsammlungen aus den Kriegsjahren, die für die heutige Generation kaum noch zu entziffern sind. Im Internet finden sich ebenso Sütterlin-Kurse wie an einzelnen Universitäten.

Schreibschrift weltweit im Umbruch

Die Schreibschrift befindet sich indes erneut in einem Umbruch. Erst im Sommer dieses Jahres entbrannte eine neue Diskussion über den Stellenwert der Handschrift. In manchen anderen Ländern müssen Schüler keine gebundene Schreibschrift mehr lernen, sondern nur Druckschrift und Tastaturschreiben - etwa in Finnland und den USA.

Befürworter betonen dagegen, die Ausbildung einer individuellen Handschrift sei wichtig für die Entfaltung der Persönlichkeit, außerdem fördere sie motorische Kompetenzen. Sie bezeichnen die Handschrift als "Denkwerkzeug". Lehrer haben außerdem beobachtet, dass der Schreibende in der Schreibschrift die Größe und Abstände der Buchstaben besser kontrollieren könne als bei Druckbuchstaben: Das klingt ganz ähnlich wie die ursprüngliche Idee Ludwig Sütterlins.

Paula Konersmann
(KNA)

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