Ausstellung im Kolumba-Museum
Frühere Ausstellung im Kolumba-Museum

14.09.2017

Erzbischöfliches Museum Kolumba feiert Jubiläum Zum Zehnjährigen ein "Pas de Deux"

An diesem Freitag begeht das Kunstmuseum des Erzbistums Köln seinen 10. Geburtstag. Von Beginn an stand Kolumba für Ruhe und Heiterkeit. Das gilt auch für Jahresausstellung Nummer elf, nicht umsonst eine "kölsche Zahl".

"Pas de Deux" ist die elfte Jahresausstellung des Kölner Kunstmuseums Kolumba betitelt. Die Bezeichnung für den Paartanz als die höchste und emotionalste Form des Balletts ist Programm: Für die vielfältige Schau haben sich gleich zwei Kuratorenteams, nämlich von Kolumba und vom benachbarten Römisch-Germanischen Museum (RGM), aufs Parkett begeben.

Zwei Jahre lang näherten sich die vier Männer und vier Frauen den Sammlungen der beiden Häuser, suchten Assoziationen und Verbindungen. Heraus kamen viele überraschende Kombinationen von Objekten aus den eigenen Beständen sowie Leihgaben des RGM, die von Freitag bis 20. August 2018 im Kunstmuseum des Erzbistums Köln zu sehen sind.

Miteinander zweier Museen

Der äußere Anlass ist zwar ein eher prosaischer, wie Kolumba-Direktor Stefan Kraus erläutert: Das RGM wird bald für eine große Sanierung geschlossen, so dass seine Sammlung hier in Teilen eine Herberge findet. Aber: "Es war wirklich eine Koproduktion, das Miteinander zweier Museen, die für ein Jahr dieses Haus als das ihre erklären", so Kraus, der Kolumba seit 2008 leitet. Insofern sei RGM-Chef Marcus Trier "Untermieter für ein Jahr in Kolumba".

Der "Pas de Deux" sei hier wörtlich zu verstehen, hieß es. Exponate, die zumeist von höchster künstlerischer oder historischer Qualität sind, werden durch ungewöhnliche Ideenkonstrukte miteinander in Beziehung gesetzt. Anhand eines Kolumba-Taschenbuchs kann sich der Besucher seinen Weg durch die 21 Räume des vor zehn Jahren eröffneten Hauses bahnen.

Hunderte Exponate von der Antike bis zur Gegenwart erwarten ihn, darunter römische Grabplatten, Schmuck, Plastiken, Kruzifixe, Video-Installationen, Keramik, Wandgemälde und Glaskunst.

Römerin als Christus-Kopf

Kolumba-Kuratorin Ulrike Surmann verweist auf ein Lapislazuli-Köpfchen aus dem ersten Jahrhundert, das die römische Kaiserin Livia zeigt. Merkwürdigerweise ist das Bildnis dieser jungen Römerin als Christus-Kopf in das sogenannte Herimann-Kreuz aus dem 11. Jahrhundert gefügt worden.

Dem Kruzifix haben die Ausstellungsmacher eine kleine Glasbüste von Livias Gatten Augustus zur Seite gestellt, ergänzt Kuratorin Friederike Naumann-Steckner vom RGM. Von welchem Museum welches Exponat, von welchem Kurator welche Idee stammt, wird übrigens im Beiheftchen bewusst verschwiegen, unterstreicht Direktor Kraus.

Zu sehen sind auch Filme von Rebecca Horn, in denen sich eine Frau die Haare abschneidet, kombiniert mit einem antiken Venus-Torso. Ein eigener Raum ist tierischen Motiven gewidmet, der allerlei Getier von der Römerzeit bis in die Gegenwart aufbietet - in Form von Skulpturen, Gemälden oder Fliesen. Tönerne "Gesichtsurnen" aus dem 1. bis 3. Jahrhundert sind 91 Bildnissen von Benedicte Peyrat von 2006 gegenübergestellt, auf denen die Abgebildeten dem Betrachter die Zunge herausstrecken und sonstige Grimassen reißen.

Besondere Aha-Erlebnisse

Als "Ballsaal" der Ausstellung bezeichnen die Macher den sogenannten "Schnörkelraum". Hier werden antike Glasgefäße aus Köln gezeigt, die damals mit einer Wellenlinie, dem sogenannten Schnörkel, gezeichnet wurden. "Ein Zeichen wie bei Apple heute", meint Naumann-Steckner.

Marc Steinmann aus dem Kolumba-Team bereitete die Begegnung mit dem berühmten antiken Trinkgefäß Diatret im RGM ein besonderes Aha-Erlebnis: Es wurde 1960 im Stadtteil Braunsfeld gefunden, ganz in der Nähe seines Elternhauses. Das Römisch-Germanische Museum habe er als Kind geliebt. "Dann entdeckt man plötzlich ein Diatretglas, das bei einem zu Hause um die Ecke gefunden wurde", wundert sich der Kunsthistoriker.

Kombiniert wurde das kleine Glas aus dem vierten Jahrhundert im Turmraum von Kolumba mit dem sechsteiligen Wandgemäldezyklus von Dieter Krieg (1968) "In der Leere ist ist nichts". Die riesigen Acrylbilder in expressiven Farbkontrasten zeigen ein umkippendes Glas - ein klassisches Symbol der Kunst für Vergänglichkeit, erklärt Kraus. Dagegen lautet der Spruch auf dem antiken Glas: "Trinke. Lebe schön. Immerdar." Für RGM-Direktor Trier "Kölsche Lehre in Reinkultur".

Sabine Kleyboldt
(KNA)

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