Sozialpfarrer Franz Meurer
Sozialpfarrer Franz Meurer

26.08.2017

Pfarrer Meurer ruft bei "Arsch huh"-Veranstaltung zum Wählen auf "Keine Sau interessiert sich für mich"

Zur "Arsch huh"-Veranstaltung "Wähle Jon – Demokratie braucht keine Alternative!" für diesen Sonntag haben sich die Größen der Kölner Musik- und Kabarett-Szene zusammengetan. Auch "Sozialpfarrer" Franz Meurer ist dabei. Doch warum?

domradio.de: Warum gehen so wenige Menschen wählen?

Pfarrer Franz Meurer ("Sozialpfarrer" in Höhenberg / Vingst): Den besten Hinweis gibt der Soziologe Hartmut Rosa. Er sagt, es fehlt die Resonanz. Das heißt, unsere Gesellschaft hat das gleiche Problem wie die Kirche. Die Leute haben den Eindruck, ich komme da nicht vor, mich nimmt keiner wahr, auf mich schaut keiner. "Arsch Hu" macht genau das Richtige und geht in die Viertel, wo die Wahlbeteiligung gering ist. In unserem Bezirk liegt die Wahlbeteiligung bei neun Prozent. Im Reichenviertel Hahnwald wählen 94 Prozent. Insgesamt haben wir 30 Prozent, also genau wie Chorweiler nur ein Drittel Wahlbeteiligung. Die Leute haben den Eindruck, kein Schwein ruft mich an, keine Sau interessiert sich für mich, wie Max Raabe es so schön in seinem Song singt. Und da muss man ansetzen. 

domradio.de: Wie wollen die Kölner Künstler und Sie am Sonntag auf dem Hohenzollernring die Menschen zum Wählen motivieren?

Meurer: Meine Motivation ist als Langzeitprojekt zu sehen. Man kann Leute nur zur Wahl gewinnen, wenn sie den Eindruck haben, ich komme auch vor, um mich kümmert sich einer, für mich ist einer zuständig. Und das geht nur ganz langsam, indem wir zum Beispiel wie Patrizia Nanz oder Claus Leggewi in ihrem Buch "Die Konsultative" vorschlagen, neue Formen der Bürgerbeteiligung zu erfinden. Das heißt, dass wir neben der Presse als vierte Gewalt auch die Leute vor Ort sehen. Sie sollte man mal fragen, nicht nur die Politiker, sondern auch die Leute vor Ort, wie seht Ihr die Zukunft?

Ich möchte gerne mal zwei positive Beispiele nennen: Bei uns bringen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Jobbörse, die sich um die Hartz-IV-Empfänger kümmern, schon zum zweiten Mal Kindersachen, Kleidung, Fahrrädchen mit, weil sie sich mit den armen Leuten identifizieren. Sie sehen also nicht nur ihren Job als Zuständigkeit der Verwaltung, sondern sie sehen auch, denen geht es schlecht. Also sammeln wir und sind für sie da.

Oder noch ein Beispiel: Eine muslimische Frau kommt und sagt, im Ramadan müssen wir für die Armen spenden. Hier haben Sie 200 Euro, wir wissen, das ist bei Ihnen in guten Händen. Bitte unterstützten Sie damit arme Familien. Das heißt, der Prozess, dass wir die Gesellschaft als eine gemeinsame Aufgabe sehen, der muss immer wieder angestoßen werden. Und das macht zum Beispiel "Arsch Hu". Den meisten dieser Musiker geht es gut, die wohnen in der Südstadt, die könnten sich darauf beschränken, die Leute zu bespaßen. Nein, das tun sie nicht, sondern sie machen das, was zutiefst politisch ist. Sie gehen in die armen Stadtteile und sorgen dafür, dass die Leute ins Gespräch kommen. Natürlich auch mit Unterhaltung dabei, ist ja klar. Denn wenn irgendwo eine Band spielt oder irgendwo ein Zoch kütt in Kölle, dort geht man hin. 

domradio.de: Wird am Sonntag dann auch wieder das Gespräch gesucht? Ist das die Hauptintention? 

Meurer: Nein, die Hauptintention am Sonntag ist eine große Veranstaltung vor der Wahl. Das besondere an "Arsch hu" ist, dass sie schon drei Mal in arme Viertel gegangen sind, auf die Marktplätze, drei bis vier Stunden lang dort waren und sie auch noch einmal nach Porz gehen werden. Und jetzt am Sonntag ist sozusagen die Zusammenfassung, wenn man so will. Da sind schon Bühnen bei der Gamescom, sodass alle zusammen auftreten und sagen können, wir wollen eine Gesellschaft der Mitbeteiligung, das ist die Hauptbotschaft. "Arsch hu" hat vor 25 Jahren angefangen gegen Rassismus, gegen Ausgrenzung, und es ist deutlich geworden, neben dem Rassismus gibt es auch die soziale Ausgrenzung. Ich würde es mit meinen Worten so sagen: "Arsch hu" hat auch die armen, kleinen Leute entdeckt. 

domradio.de: Eine Wahlempfehlung geben Sie am Sonntag aber nicht, oder? 

Meurer: Natürlich nicht! Ich gebe keine Wahlempfehlung, das wäre ja so wie vor 40 Jahren, als der Bischof noch ein Wahlempfehlung für eine Partei gegeben hat. Jeder weiß, ich selber bin seit 49 Jahren in der CDU. Aber in vielen Fragen natürlich viel linker als die SPD-Mitglieder. Zum Beispiel in sozialen Fragen, in der Frage der Arbeit. Arbeit für alle wäre für mich eine Selbstverständlichkeit. Die katholische Soziallehre sagt, der Mensch ist zur Arbeit geboren, wie der Vogel zum Flug. Wer nicht arbeiten kann, wen wir nicht beteiligen, den schließen wir vom normalen und schönen Leben aus. 

Das Interview führte Aurelia Rütters. 

(dr)

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