Grenze zwischen Mexiko und USA
Grenze zwischen Mexiko und USA
Markus Rindt, Intendant der Dresdner Sinfoniker
Markus Rindt, Intendant der Dresdner Sinfoniker

30.05.2017

Konzertprojekt gegen Mauerbau "Reißt diese Mauer nieder!"

Mit einem Konzertprojekt protestieren die Dresdner Sinfoniker am kommenden Samstag in Mexiko gegen Trumps geplante Grenzmauer. US-Behörden wollen das verhindern - und greifen dabei zu unkonventionellen Maßnahmen.

"Reißen Sie diese Mauer nieder!" – diesen Appell richtete 1987 der damalige US-Präsident Ronald Reagan bei einem Besuch in West-Berlin an Michail Gorbatschow. 30 Jahre später haben die USA ihr eigenes Mauerprojekt, Amtsnachfolger Donald Trump will eine über 3.000 Kilometer lange Sperranlage zwischen den USA und Mexiko bauen lassen. Darum trägt das für kommenden Samstag an der mexikanisch-amerikanischen Grenze geplante Konzertprojekt der Dresdner Symphoniker den Titel: "Tear down this wall!".

Es handele sich um einen "künstlerischen Aufstand gegen die weltweit wachsende Abgrenzung, den Fanatismus und Nationalismus", sagte der Intendant der Dresdner Symphoniker im Interview mit domradio.de. "Wir sind eine kleine Gruppe, die eigentlich auf Tournee durch Mexiko ist. Das war der Grund, warum wir dieses Projekt initiiert haben. Die Idee war, viele Menschen vor Ort einzubinden, Musiker und Künstler sowohl aus den USA als auch aus Mexiko."

Vogelschutz vs. politischer Protest

Ursprünglich sollte das Konzert auf beiden Seiten der Grenze stattfinden, im "Friendship Park", einen durch eine Sperranlage geteilten Park, wo sich die beiden Städte Tijuana und San Diego berühren. Allerdings verweigerten die US-Behörden die Genehmigung unter anderem mit Verweis auf den Vogelschutz.

Rindt hält das für ein vorgeschobenes Argument: "Ich habe nichts gegen Tierschutz, aber vergangenes Wochenende gab es in genau diesem Park auf US-amerikanischer Seite eine Veranstaltung mit zahlreichen Künstlern, Publikum und Musik. Da spielte der Vogelschutz keine Rolle. Das ist absolut unlogisch", sagt er. Die neuste Entwicklung sei, dass der gesamte Park am 3. Juni auf amerikanischer Seite gesperrt werde: "Das heißt, noch nicht einmal die Menschen aus San Diego, die als Publikum gekommen wären, dürfen da hin", erklärt er.

Aber die Dresdner Sinfoniker halten an ihrem Projekt fest: Im Internet rufen sie dazu auf, dass sich entlang der über 3.000 Kilometer langen Grenze mexikanische und US-amerikanische Künstler, Musiker und Gleichgesinnte mit eigenen Aktionen oder Flashmobs beteiligen sollen. Jeder sei eingeladen, Konzerte und eigene Aktionen über den Hashtag #teardownthiswall zu teilen, sagte Rindt. Wichtig sei, dass am 3. Juni ein unüberseh- und unüberhörbares Zeichen gesetzt werde.

Uraufgeführt werden am 3. Juni u.a. die Ballade "Beyond" von Wieland Reißmann und die Improvisation "The Big, The Bug, The Cricket & The Quack" von Harald Thiemann, bei der die Dresdner Sinfoniker mit zahlreichen Perkussionisten aus Mexiko und den USA den Grenzzaun aus Metall selbst zum Instrument machen. Weitere Gäste sind unter anderem das Jugendorchester "Sinfonia Juvenil" aus Tijuana und die Band "Tijuana No!". Zur Finanzierung des Konzerts über das Crowdfunding-Portal Kickstarter hatten 370 Unterstützer mehr als 16.000 Euro gespendet.

Politische Musiker

Seit Jahren verknüpfen die Dresdner Sinfoniker ihre musikalischen Programme mit gesellschaftspolitischen Anliegen. Für Aufsehen sorgte beispielsweise 2016 das deutsch-armenische Konzertprojekt "Aghet", das an den Genozid an den Armeniern vor über 100 Jahren erinnerte.

Das Projekt "Tear down this wall" ist Rindt auch ein persönliches Anliegen: Er wuchs 20 Jahre in der DDR auf. Dass jetzt, ein Vierteljahrhundert nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, Mauern weltweit wieder Hochkonjunktur haben, betrübt ihn: "Das sieht man zum Beispiel auch zwischen Syrien und der Türkei, wo die Flüchtlinge umherirren und kaum eine Chance haben, ihr Leben zu retten. Im Mittelmeer sterben täglich Menschen, aber man hat das Gefühl, es gibt eine gewisse Gleichgültigkeit, eine Lethargie", erklärt er.

Deswegen richte sich die Aktion auch nicht ausschließlich gegen die geplante Mauer zwischen den USA und Mexiko, sondern gegen jegliche Projekte, die für Ausgrenzung und Abschottung stehen: "Zum Beispiel baut auch Mexiko eine Mauer an seiner Südgrenze zu Guatemala. Die Außengrenzen Europas sind dicht. Und Indien plant eine Mauer um Bangladesch", zählt Rindt auf: "Es handelt sich also um ein weltweites Phänomen."

Ina Rottscheidt
(DR)

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