Journalistin Valerie Schönian
Journalistin Valerie Schönian
Franziskus von Boeselager
Franziskus von Boeselager

19.05.2017

Das Internet-Kirchenprojekt "Valerie und der Priester" endet Die Feministin in der Kirchenwelt

Es war ein Experiment - mit großer Wirkung. Ein Jahr lang hat eine junge Journalistin einen katholischen Priester im Alltag begleitet. Ihr Blog dazu erreichte Millionen.

Das Projekt sollte Kirchenfernen den Priesterberuf verständlich machen: Am 20. Mai vor einem Jahr hat die katholische Kirche das Internet-Projekt "Valerie und der Priester" gestartet. Ein Jahr lang hat eine junge Journalistin einen Geistlichen bei der Arbeit begleitet und die gemeinsamen Erlebnisse und Gespräche in einem Blog veröffentlicht.

Nun, zwölf Monate später, sind die Verantwortlichen begeistert. "Das Projekt ist ein wertvoller Beitrag zur Stärkung und Wahrnehmung des Priesterbildes gewesen", zieht Münsters Bischof Felix Genn am Freitag Bilanz. Er leitet die Bischofskonferenz-Kommission für "Geistliche Berufe". "Wir müssen den Mut haben zu experimentieren." In dem Projekt ging es aus seiner Sicht "unverkrampft und fröhlich, suchend und auch zweifelnd, lernend und verstehend" zu.

Regelmäßig 50.000 Leser

Das Freiburger Zentrum für Berufungspastoral hatte sich das Projekt ausgedacht. Die junge Journalistin wurde von einer Agentur aus Köln ausgewählt, den Priester stellte ihr die Kirche zur Seite. Und so kamen die beiden Protagonisten zusammen: Valerie Schönian (26), die nach eigenen Worten ausgewählt wurde, weil "eine linke und feministische Journalistin" gesucht wurde, und Franziskus von Boeselager (39), derzeit Kaplan in Münster. Er sagt von sich, er habe schon "ein paar Tage nachgedacht und gebetet", bevor er sich zum Experiment bereiterklärt habe. Sie bezog Quartier in der Westfalenmetropole und begleitete ihn fortan - fast - auf Schritt und Tritt.

Das Ergebnis: Ein Blog pro Woche, ein Video pro Monat. Über Facebook werden seit Projektbeginn den Angaben zufolge jeden Monat zwischen 200.000 und 1 Million Menschen erreicht. Regelmäßig lesen rund 50.000 Menschen die Geschichten auf der Seite "valerieundderpriester.de". Damit erzielte das Projekt über 5 Millionen Medienkontakte.

"Inhaltliche Tiefe"

Auch der Direktor des Freiburger Zentrums, Michael Maas, spricht von einem lohnenswerten Experiment. Es habe nicht nur viele und gerade jugendliche Leser erreicht, "es hat auch in eine inhaltliche Tiefe geführt". Zudem weist er auf eine Entwicklung hin: Zunächst hätten sich kirchennahe Menschen interessiert, dann immer mehr kirchenferne.

"Mehr als 180 Tage haben wir miteinander verbracht", berichtet Valerie. Alles, was ein Priester so mache, habe sie mitbekommen: Taufen, Beerdigungen, Seelsorgegespräche, Messdienerschulungen, Gremiensitzungen, Gottesdienste. Die beiden waren auch gemeinsam in Rom und beim Weltjugendtag in Krakau.

Bohrende Fragen

Sie haben geredet und geredet. Natürlich über Gott und die Welt - aber ganz besonders über den Zölibat, über Verliebtsein, den Umgang der katholischen Kirche mit Homosexuellen und vieles mehr. Sie habe "gebohrt, sehr sogar", sagt Valerie, die sich selbst als kirchenfern bezeichnet. Es sei für sie schwierig gewesen, Menschen Dinge tun zu sehen, die sie selbst rational nicht nachvollziehen könne.

Gerade in Glaubensdingen habe sie wahrscheinlich immer wieder dieselben Fragen gestellt. "Weil es gedauert hat, bis es bei mir ankam." Dasselbe galt für die Argumente des jungen Kaplans über Liebe und Keuschheit: Dass er sich natürlich auch jetzt wohl noch verlieben könnte, aber genau wisse, ihn werde das nicht von seiner Berufung abbringen.

Highlight: Gegenseitige Besuche zu Hause

Den Zölibat hält Franziskus für sinnvoll, weil Priester ohne Familie mehr Zeit für die Gemeinde hätten: "Ich schenke mein Leben ganz an Jesus Christus und an die Menschen", zitiert ihn Valerie im Blog. Auch die Priesterweihe für Frauen ist nicht seine Sache. Jesus sei nun mal Mann gewesen.

Im Laufe des Jahres habe sie immer mehr verstanden, so Valerie, etwa warum Franziskus Priester geworden sei. Oder was Seelsorgearbeit ausmache. Ihre Beschreibung eines Krankenbesuchs bei einer alten Frau aus der Gemeinde ist eines der journalistischen Highlights in dem Blog.

Gefragt nach dem schönsten gemeinsamen Erlebnis, sprechen beide weder von Rom noch von Krakau, wie man vielleicht erwarten würde. In bester Erinnerung werde besonders der jeweilige Besuch beim anderen zu Hause bleiben. Sie war in seinem Elternhaus in Menden, er bei ihr in Berlin. Sie wollen "in Kontakt" bleiben, auch über das Projektjahr hinaus.

Johannes Schönwälder
(KNA)

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