Die Madonna von Fátima
Die Madonna von Fátima
Oktober 2013: Franziskus vor Madonna von Fátima
Papst Franziskus wird auch erwartet

13.05.2016

Eine Generalprobe im portugiesische Wallfahrtsort Fatima 250.000 Pilger erwartet

Fátima spielt in der Champions League der Marienorte. Jedes Jahr zieht das Örtchen rund 130 Kilometer nördlich von Lissabon Millionen Besucher an. In genau einem Jahr kommt der Papst. Zeit also für einen Probelauf.

2017 kommt Papst Franziskus. Dann muss alles klappen in Fátima, dem wichtigsten Wallfahrtsort in Portugal. Da ist es kein ungeschickter Einfall, zum 99. Jahrestag der ersten Marienerscheinungen am 13. Mai schon mal einen Probelauf zu veranstalten. Die Generalprobe hat bereits am Donnerstag begonnen; mehr als 250.000 Pilger aus aller Welt wurden erwartet. Die Polizei ermahnte Fußpilger und Autofahrer in der Region zu Rücksicht, Umsicht und Vorsicht.

Fátima - ein eigentümlicher Name für einen katholischen Marienwallfahrtsort im Westen Europas. Er geht zurück auf die Zeit der christlichen Rückeroberung der Region Santarem aus der Hand der Muslime Mitte des 12. Jahrhunderts. Fátima, so die Legende - die es freilich in Variationen auch in mehreren anderen Orten Portugals gibt - war die schöne Tochter eines maurischen Fürsten. Von Christen entführt und an den örtlichen Grafen von Ourem verkauft, soll sie aus Liebe zu diesem schließlich 1158 die Taufe empfangen haben. Wie auch immer - spätestens seit 1917 bestimmt eine andere Frau die Geschicke des Örtchens: Maria. Seit die Gottesmutter hier während des Ersten Weltkriegs mehrfach drei armen Hirtenkindern erschien, ist nichts mehr, wie es war in Fátima.

Tausende Besucher 

Es gibt zahlreiche Parallelen zum Pyrenäenort Lourdes, der im Jahr 1858, ebenfalls einer Notzeit, durch eine Erscheinung aus seiner Bedeutungslosigkeit gerissen wurde. Heute hat Lourdes 15.000 Einwohner, fast ebenso viele Hotelbetten und mehrere Millionen Übernachtungsgäste pro Jahr. Das Dorf selbst ist mehr oder weniger dem Wallfahrtsbezirk angegliedert.

So ist es auch im eigentlich beschaulichen Fátima, rund 130 Kilometer nördlich von Lissabon und mit der Autobahn A 1 bestens angebunden zwischen der Hauptstadt und der zweiten Metropole des Landes, Porto. Rund 11.500 Einwohner leben hier von und mit dem Pilgerbetrieb, der Millionen Menschen bewegt und die Andenken- und Devotionalienläden leert und immer neu befüllt. Allein die erst 2009 geweihte Dreifaltigkeitsbasilika fasst rund 9.000 Besucher und ist damit eine der größten Kirchen der Welt.

Unerklärliche Heilungen 

Die mystische Aufladung von Lourdes basiert - neben den eigentlichen Marienerscheinungen - vor allem auf den unerklärlichen Heilungen, die sich an der Mariengrotte ereignet haben und weiter ereignen. In Fatima sind es die Prophezeiungen selbst: die sogenannten Geheimnisse von Fatima - jene Botschaften, die die Muttergottes den drei Seherkindern Lucia dos Santos und Jacinta und Francisco Marto gemacht haben soll. Die Erscheinungen im Cova da Iria (Tal des Friedens) begannen ihren Berichten zufolge am 13. Mai 1917 nahe dem portugiesischen Ort Fátima und setzten sich regelmäßig bis Oktober fort.

Laut einer 1941 verfassten Niederschrift der Seherin und späteren Ordensfrau Lucia (1907-2005) bestand die Prophezeiung aus drei Teilen. Der erste enthielt die Vorhersage eines weiteren Krieges nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Das zweite Geheimnis - gesprochen im Jahr der kommunistischen Februarrevolution in Russland - bestand laut Lucia darin, dass sich Russland nach einer Weihe an das "Unbefleckte Herz Mariens" bekehren werde.

Mystischer Ort 

Den dritten Teil der Weissagung schrieb Lucia erst 1944 nieder. Sie verband dies mit der Auflage, den Text nicht vor 1960 zu veröffentlichen. Das Dokument wurde 1957 versiegelt in den Vatikan gebracht. Die Päpste von Pius XII. (1939-1958) bis Johannes Paul II. (1978-2005) lasen es, veröffentlichten den Inhalt aber nicht. Wegen dieser Geheimhaltung wurde lange vermutet, dass der Text schreckliche Zukunftsvisionen im Sinn einer Weltuntergangs-Prophezeiung enthalte.

Tatsächlich ist die Anhänglichkeit der nachkonziliaren Päpste an den mystischen Ort in Portugal augenfällig. Sie reicht bis hin zu Papst Franziskus, der bereits am 13. Mai 2013, zwei Monate nach seiner Wahl, sein Pontifikat der Jungfrau von Fátima weihen ließ. Zum 13. Oktober, Jahrestag der letzten Erscheinung mit dem sogenannten Sonnenwunder, ließ er die Marienstatue von Fatima auf den Petersplatz nach Rom bringen. Im Mai 2017 dann soll Franziskus mit seiner Anwesenheit die 100-Jahr-Feiern krönen. Der Countdown läuft.

Alexander Brüggemann
(KNA)

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