Generalvikar Meiering auf der ArtCologne
Generalvikar Meiering vertieft in moderne Klassik....
Generalvikar Meiering auf der ArtCologne
....und aktuelle Kunst auf der Art Cologne
Sara Sizer auf der Art Cologne
Sara Sizer auf der Art Cologne
 Brock Enright auf der Art Cologne
Brock Enright auf der Art Cologne

16.04.2016

Kölner Generalvikar über die 50. Art Cologne "Was der Mensch mit seiner schöpferischen Kraft alles so zustande bringt"

Vor 50 Jahren gründeten zwei Galeristen die Art Cologne. Es war die weltweit erste Verkaufsmesse für moderne und zeitgenössische Kunst. Der Kölner Generalvikar und Kunsthistoriker Dr. Dominik Meiering über seine Eindrücke.

domradio.de: Herr Generalvikar, was reizt Sie an der Art Cologne?

Generalvikar Dr. Dominik Meiering: Man hat da einfach moderne Kunst. Und das betrifft nicht nur die klassische Moderne, sondern auch die sogenannten „Contemporaries“, die vielleicht als Studenten noch irgendwie unterwegs sind oder die ersten Schritte auf dem Kunstmarkt versuchen. Denn das ist natürlich schon ein Riesenmarkt, der da existiert, in den berühmten Kunstmessen, die es auf der Welt gibt, und Köln gehört sicher zu den bedeutendsten.

domradio.de: Welche Entdeckungen haben Sie auf der Art Cologne gemacht?

Generalvikar Meiering: Zunächst einmal, dass da viele, viele Menschen sind, die offensichtlich auch den Wunsch haben, viel Geld für Kunst auszugeben. Das hat natürlich einerseits damit zu tun, dass man wenig Zinsen verdienen kann, dass manch einer Kunst als Geldanlage benutzt. Andererseits hat es viel mit Image zu tun, mit Wahrnehmung, Interesse an Selbstdarstellung, glaube ich. Und dann ganz viel mit Liebe für die Kreativität von Menschen und die Schönheit von Kunst. Und das ist das, was mich auch anregt, einfach dahinzugehen, die Gedanken der Menschen nachzuvollziehen und zu sehen, was der Mensch mit seiner schöpferischen Kraft alles so zustande bringt. Und dann immer wieder auf die Suche nach Neuheiten und Entdeckungen zu gehen.

domradio.de: Gab es Künstler, die Sie besonders bewegt haben?

Generalvikar Meiering: Ja, ich habe eine ganze Menge gesehen, die mich sehr beeindruckt haben. Zum Beispiel gehört auch da dazu, von Sara Sizer (siehe Bild), ein ganz interessantes Stück. Diese Frau macht aus rotem Samt Pakete, die anschließend gebleicht werden und entfaltet die dann, spannt sie auf Leinwand auf, und das sieht dann so aus, als sei das eine Hülle, hinter die man dahinter schauen möchte, ein Stück Stoff, dass man gerade streifen möchte, ein Berühren wollen von dieser samtigen Oberfläche. Man weiß gar nicht, ist das gemalt oder wie ist es zustande gekommen.

domradio.de: Das hat ja auch mit Verhüllen zu tun, ein Thema, mit dem Sie sich als Kunsthistoriker beschäftigt haben …

Generalvikar Meiering: Na klar, es geht am Ende immer darum, in der Kunst etwas zu zeigen, was auf andere Art und Weise nicht gezeigt werden kann. Das ist wie mit Musik oder mit Poesie, es gibt Dinge, die können nur auf künstlerische Art und Weise gesagt werden. Und dazu gehört auch, dass wir gerne manche Dinge erfassen, begreifen, verstehen, berühren würden, die aber unserer Wirklichkeit entzogen sind. Die Kunst führt uns das vor Augen. Sie macht uns deutlich, dass wir letztlich nicht alles erfassen, begreifen, berühren und gerade streichen können, um im Bild von Sara Sizer zu bleiben.

domradio.de: Sie haben noch viele andere Objekte auf der Art Cologne vor Augen …

Generalvikar Meiering: Ja, zum Beispiel von Brock Enright (siehe Bild) habe ich ein ganz schönes Bild gesehen, einfach zusammengesetzt aus ganz vielen goldenen Heftzwecken. Das sieht aus wie eine bewegte Landschaft, wie eine goldene Ikone, die sehr lebendig pulsiert. Und mit ganz einfachen und schlichten Stilmitteln hat er eine ganz anziehende, faszinierende Ikonenlandschaft geschaffen.

domradio.de: Gibt es überhaupt in der säkularen Art Cologne so etwas wie biblische Motive?

Generalvikar Meiering: Ja, die gibt es, und zwar nicht wenige. Einerseits dadurch, dass natürlich die Kunstgeschichte immer davon geprägt ist, dass sie christliche Ikonographien aufgreift. Das sind dann nicht immer christliche Bilder. Aber von der christlichen Ikonographie inspirierte Bildwerke. Ich denke da zum Beispiel an die Installation „Please God Make Tomorrow Better“ von Claire Fontaine (siehe Bild oben rechts), ganz modern, aber wie ein kindliches, schlichtes, einfaches Gebet, als würde das einfach so gehen mit einer kleinen Fürbitte oder Bitte. Ganz so einfach geht es eben nicht. Genau das in den Blick zu bekommen, das, finde ich, hat auch viel mit christlicher Traditionsgeschichte und auch mit biblischer, christlicher Ikonographie zu tun. Ganz spannend und interessant ist auch ein Bild mit einem christlichen Motiv, Adam und Eva, die Vertreibung aus dem Paradies, von Adalbert Trillhaase, der gehört zu einer Künstlergruppe „Das junge Rheinland“, eine ziemlich schlichte, naive Malerei, ganz spannend, weil man das in Deutschland in den Jahren 1920 ff. gar nicht so erwartet. Also da gibt es schon eine ganze Menge, sowohl an moderner, aber auch klassischer moderner Malerei, wo durchaus christliche Bildmotive verwendet werden.

domradio.de: Die Kirche ist eine große Kunstsammlerin, auch heute. Wie wichtig ist denn heute die religiöse Verortung von Künstlern, die in einer Kirche ausstellen?

Generalvikar Meiering: Na ja, Kunst ist zunächst einmal, wenn sie wirklich Kunst ist, immer religiös. Das heißt, es kommt darauf an, wahrzunehmen, dass sich der Künstler mit den großen Fragen des Lebens auseinandersetzt. Oft sind es diese Frage, wer bin ich, woher komme ich, wohin gehe ich. Oder wozu bin ich. Und diese Fragen ins Gespräch zu bringen, das ist die ureigenste Aufgabe des Künstlers, aber auch die ureigenste Aufgabe des Theologen, weil es immer darauf ankommt, in Tuchfühlung mit sich selbst zu kommen, mit der eigenen Existenz. Es gibt natürlich auch Künstler, die sind offensichtlich irgendwie am Kunstmarkt erfolgreich und leben das als wenig existenziell und scheinbar ganz dem Kunstmarkt, dem Kunstbetrieb verpflichtet. Aber ich glaube, das Gros der Künstler hat doch, und daran kann man den wirklichen Künstler meist entdecken, irgendwie eine existenzielle Suche nach seinem eigenen Sein, und ich würde als Theologe sagen, nach dem Sein Gottes im Blick.

domradio.de: Was empfehlen Sie Menschen, die ohne große Vorkenntnisse in Sachen Kunst die Art Cologne besuchen möchten? Wie können sie sich bei dieser Fülle an Kunst orientieren?

Generalvikar Meiering: Das geht ganz einfach. Man kauft sich unten eine Eintrittskarte, geht hinein und schlendert durch die Gänge. Und nimmt sich ein paar Stunden Zeit. Und alles, was einen herausfordert oder fasziniert, was einen nachdenklich macht oder einen vielleicht auch abstößt, da geht man ein bisschen näher ran. Und schaut sich das genauer an. Bestenfalls geht man nicht alleine hin, sondern mit jemand anderen und spricht darüber. Dann weiten sich Sehgewohnheiten und man nimmt bestimmte Dinge neu wahr. Manches wird man vielleicht anschließend schön finden oder anregend, anderes wird man vielleicht kopfschüttelnd oder fragend davor stehen bleiben, auch ok. Das ist so ein Entdeckungsrundgang, den man da machen kann. Und ich bin sicher, dass jeder, der auf die Art Cologne hingeht,  irgendwo ein paar Dinge finden wird, wo er sagt, das hat mich total berührt, das habe ich total schön gefunden oder das hat mich total nachdenklich gemacht.

Das Interview führte Birgitt Schippers

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