Hören auf die Domglocken
Hören auf die Domglocken

15.08.2015

Konzert der Hildesheimer Domglocken Heavy Metal open Air

Ein Jahr nach der Wiedereröffnung des Hildesheimer Domes wurde das zwölfstimmige Geläut im Rahmen eines Konzertes der Öffentlichkeit näher vorgestellt.

Es hatte etwas von einem Miniatur-Woodstock. Rund 600 Interessierte säumten am Freitagabend die Plätze rund um den Hildesheimer Dom, als um 20 Uhr nach dem Stundenschlag der Domuhr die Cantabona ihre mächtige Stimme ertönen ließ. So lautet der Name der größten der nun insgesamt zwölf Domglocken, welche mit ihrem Schlagton f in der kleinen Oktave zu den tontiefsten Glocken Deutschlands zählt.

Vervollständigung nach über 50 Jahren

Der Hildesheimer Dom besaß in früheren Jahrhunderten ebenfalls ein großes und vielstimmiges Geläut, das jedoch zum Großteil im Zweiten Weltkrieg untergegangen war. 1960 wurden zur erhaltenen Apostelglocke von 1765 fünf neue von einem Heidelberger Gießer gefertigt. Dies war der Grundstock zu einem Großgeläut mit insgesamt zwölf Glocken. Die Klangkrone sollte später hinzugefügt werden. Als der Dom vor einigen Jahren wegen der geplanten umfangreichen Sanierung schloss, forcierte Domkantor Stefan Mahr die Ergänzung des Torsos. Als Glockensachverständiger betreute Andreas Philipp aus Göttingen das Projekt, nach dem nun sechs kleinere Glocken aus Karlsruhe das bestehende Geläut vervollständigen.

Machtvolle Musikinstrumente

Im Zuge der Ergänzung wurde aber auch der vorhandene Bestand saniert und mit neuen Armaturen ausgestattet. Das Geläut klingt nun grundtöniger, wenngleich auch amorpher und weniger transparent als vorher. Durch den niedrigen Westturm des Domes und die Bebauung um das Gotteshaus herum ist die kräftige Lautstärke trotz zusätzlicher Verbretterung geblieben. Insbesondere die Cantabona setzt als Grundglocke einen ungeheuer mächtigen Akzent.

Verschiedene Klangfarben

Bei dem Konzert der Domglocken sollte das erweiterte und sanierte Domgeläut in ausführlicher Weise der Öffentlichkeit noch einmal vorgestellt werden. Als Termin wählte man den Vorabend des Patronatsfestes des Domes Mariä Himmelfahrt ein Jahr nach der Wiedereröffnung der Kathedrale. Das Konzert ist als eine Art ausführliches Einläuten des Patronatsfestes zu verstehen, sagt Glockensachverständiger Philipp. In sechs verschiedenen Blöcken wurden die Glocken des Domes den Hörern vorgestellt. Die Auswahl der Kombinationen richtete sich nach der liturgischen Läuteordnung, in welcher die Feste und Hochfeste in ihrer unterschiedlichen Rangordnung abgestuft werden.

Ungewöhnliches Konzert

Gewiss ist ein Glockenkonzert nicht mit dem einer Orgel oder dem eines Orchesters gleichzusetzen. Die Hörer, die dem „Heavy Metal“ lauschten, verhielten sich dabei unterschiedlich. Einige hörten aufmerksam zu, schlossen dabei zum Teil die Augen. Andere verglichen unterschiedliche Stellen der Plätze um den Dom herum akustisch miteinander oder machten Video- sowie Tonaufnahmen, um das ungewöhnliche Ereignis festzuhalten. Für manche bot das Event aber auch die Möglichkeit, alte Bekannte wieder zu sehen und – zum Leidwesen anderer Hörer – während des Läutens einen Plausch zu beginnen.

Als nach dem vollen Geläut aller zwölf Glocken der letzte Schlag der Cantabona verklungen war, brandete von allen Seiten des Domes Applaus auf. Die meisten Hörer waren von diesem ungewöhnlichen open Air-Konzert begeistert und mancher fragte sich, warum es so etwas nicht auch andernorts gäbe.

Jan Hendrik Stens

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