Christo und Jean-Claude hinter einem Modell des verhüllten Reichtstags
Christo und Jean-Claude hinter einem Modell des verhüllten Reichtstags
Generalvikar Meiering
Generalvikar Meiering

13.06.2015

Theologe und Kunstexperte Meiering sieht Christos Kunst religiös Der verhüllte Reichtstag als Liturgie

Der Verhüllungskünstler Christo wurde am Samstag 80 Jahre alt - vor 20 Jahren hat er den Reichstag verhüllt. Dominik Meiering, Kölner Generalvikar und Kunstexperte erklärt gegenüber domradio.de, warum die Verhüllung christliche Wurzeln hat.

Damals - vor 20 Jahren - sind hunderttausende nach Berlin gepilgert, um bei einem ganz besonderen Ereignis dabei zu sein. Im Juni 1995 hüllte der Künstler Christo den Berliner Reichstag vollständig in einen silber glänzenden Stoff. Der jetzige Kölner Generalvikar Dominik Meiering war damals noch Student der Theologie und Kunstgeschichte. Der verhüllte Reichtstag faszinierte ihn so sehr, dass er seine Doktorarbeit darüber schrieb.

"In der Tat hat Christo mit dem verhüllten Reichstag so etwas wie eine Liturgie inszeniert", erklärt Meiering. "Er und seine Frau haben eigentlich im kirchlichen und im religiösen Raum geklaut – nämlich das Thema der Verhüllung. Die Erkenntnis das man, in dem man etwas verhüllt, etwas besonders sichtbar macht."

Geheimnis hinter einem Schleier

Man kenne den verhüllenden Stoff aus der Fastenzeit, vom Passionskreuz, vom Hungertuch, aus dem Tabernakel, sagt der Kunsthistoriker. "Es gibt so viele Orte, wo wir mit verhüllenden Stoffen im kirchlichen Raum arbeiten, die immer nur das eine sichtbar machen: Nämlich, dass es ein am Ende undurchdringliches Geheimnis gibt, das wie hinter einem Scheier verborgen liegt."

Damals beschloss Meiering, den Parallelen zwischen der Reichtstags-Verhüllung und der Verhüllung der christlichen Tradition nachzugehen. Er begann seine Doktorarbeit und fand auch in den Zeitungsberichten 1995 wertvolle Hinweise für seinen Ansatz. Denn die dortigen Kommentare agierten laut Meiering alle mit religiösen Metaphern – etwa: "Die Menschen pilgern zum verhüllten Reichtstag, sie empfangen dort Reliquien, nämlich die Stofffetzen, sie empfangen dort Heiligenbildchen, nämlich Fotos vom Reichtstag oder die Menschen kommen und berühren das Gewand."

"Verhüllen und offenbaren"

Aus Meierings Doktorarbeit ging ein Buch mit dem Titel "Verhüllen und offenbaren" hervor. Darin schilderter die einzigartige Geschichte der Verhüllung in der christlichen Tradition. Vom verhüllten Auftreten Gottes in der biblischen Botschaft bis hin zur Verhüllungspraxis der christlichen Kultbildung.

Diese Tradition wird zum Hintergrund für Meierings Interpretation der Christo-Reichtstagsverhüllung. "Die Krönung ist, als sich Christo und seine Frau Jean-Claude auf dem Balkon des Roten Rathauses der Menge zeigen", erklärt er. Damals habe eine Wochenzeitung getitelt: Christo ist erschienen und zu versöhnen. "Eben weil diese Reichtstagsverhüllung so religiös aufgeladen war, war mein Wunsch, dem nachzuspürten und zu schauen, wie das Religiöse durch die Hintertür der Kunst plötzlich eine ganz gro0e Öffentlichkeit bekommt."

(KNA, DR)

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